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Wetterphänomen

Saharastaub und Blutregen: Ganz Bayern ein rotes Gebiet

Saharastaub
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 18.03.2022 - 08:39

Seit mehreren Tagen ist Bayern in roten Staub getaucht. Der Himmel verfärbt sich spektakulär und auf Oberflächen lagert sich roter Sand ab.

Saharastaub ist in Mitteleuropa für Meteorologen nichts Ungewöhnliches. Mehrmals im Jahr werden Luftmassen aus dem Wüstengebiet nach Europa verweht. Als Fracht mit an Bord haben sie Wüstensand. Sie ist besonders hoch, wenn im Saharagebiet starke Winde ihn vorher aufgewirbelt haben.

Das Phänomen variiert in Intensität und Dauer. Dieses Jahr hält es sich besonders zäh in Bayern.

Für Bauern liegt bei diesem Phänomen noch eine andere Assoziation nahe. Bei der Ausweisung der Wassergefährdung durch Nitrat werden Regionen mit hoher Nitratbelastung als Rote Gebiete bezeichnet. Der spektakulär verfärbte Himmel und die roten Ablagerungen haben im vorliegenden Fall aber eine ganz andere Ursache.

Staub gelangt sogar bis nach Südamerika und düngt den Regenwald

Sahara

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) formierte sich in den vergangenen Tagen über der Sahara durch starke Winde eine Staubwolke. Sie wurde über die vorherrschende Ostwindzirkulation aufgenommen und quer über den Atlantik bis zur Karibik und ins nördliche Südamerika transportiert. Das sei, so der DWD, kein seltenes Schauspiel, aufgrund der zurückgelegten Strecke der winzigen Partikel dennoch immer wieder beeindruckend. Es sei keinesfalls ungewöhnlich, dass hunderte Millionen Tonnen Staub aus der afrikanischen Wüste jedes Jahr über den Atlantik geblasen werden.

Für die Natur ist er teilweise sogar dringend erforderlich. Denn die aufgewirbelten Mineralstaubpartikel versorgen zum einen Phytoplankton im Atlantischen Ozean, zum anderen auch die Regenwaldböden am Amazonas mit wichtigen Nährstoffen. Außerdem hilft er, die Strände in der Karibik zu erneuern. Natürlich gibt es nicht nur Vorteile. So kann der Staub aus der Sahara sogar für eine vorübergehend heftige Luftverschmutzung in Teilen Nord-, Mittel- und Südamerikas sorgen. Allerdings fällt der aktuelle "Saharastaubausbruch" in Richtung Amerika nicht ganz so stark aus, wie der DWD berichtet.

Tief Elke trägt den Staub nach Mitteleuropa

Aber nicht nur der amerikanische Kontinent wird durch Saharastaub beeinflusst. Tief "Elke" liegt aktuell knapp westlich der Straße von Gibraltar und schaufelt den Saharastaub in einer südlichen bis südwestlichen Strömung nach Mitteleuropa, wie der DWD berichtet. Von Nordafrika über Spanien und Frankreich.

Das Phänomen begann am Montag. Seit Donnerstag sind nahezu alle Landesteile von Deutschland davon betroffen.