Schwammerl lernen

Neue Pilze lernen: Wie bilde ich mich richtig fort?

Ein Mann hält einen Pilz hoch und betrachtet ihn.
Till R. Lohmeyer
am Freitag, 11.06.2021 - 10:40

Wie wird man Schwammerl-Kenner? Wie nützlich sind Pilz-Bücher, -Apps oder Kurse. Wir geben Tipps und Hinweise.

Die Schwammerl-Klassiker kennt nahezu jeder, doch wer Appetit auf Neuartiges aus dem Reich der Pilze hat, wird sich fragen, wie er sich ohne Gefahr für sich und die Seinen die ihm bisher fremden Genüsse erschließen kann. Die Regel, die jeder Sammler beherzigen muss, lautet: Sammle nur Pilze, die du 100-prozentig sicher kennst!

Vorsicht vor alten Büchern

Das ist oft leichter gesagt als getan. Denn wie erwirbt man die erforderlichen Kenntnisse? Der klassische Weg dorthin ist das Pilzbuch. Es sollte allerdings nicht jenes sein, mit dem bereits Opa und Oma auf Pilzpirsch gingen. Alte Schwammerlbücher aus dem frühen 20. Jahrhundert, die von Generation zu Generation weitervererbt werden, enthalten zwar manchmal schöne Farbtafeln, ihre Texte sind aber inzwischen überholt und gelegentlich sogar gefährlich:

So wurden der essbare Perlpilz (Amanita rubescens) und der giftige Pantherpilz (Amanita pantherina) zu jener Zeit oft noch durcheinander gebracht. Und in 20 bis 30 Jahre alten Büchern gilt der Grünling (Tricholoma equestre) noch als uneingeschränkt genießbar, obwohl er, wie man inzwischen weiß, bei übermäßigem Genuss eine tödliche Muskelzellenauflösung hervorrufen kann. In alten Büchern fehlen Angaben über die wichtigen Funktionen der Pilze im Ökosystem und aktuelle Angaben über Seltenheit und Schutzstatus.

Also: Ruhig etwas investieren und ein Pilzbuch neueren Datums erwerben. Ein Buch, wohlgemerkt, keine dünne Broschüre, in der vielleicht 40 Arten vorgestellt werden, von denen dann die Hälfte in der eigenen Sammelregion unter Umständen gar nicht vorkommt. Die umfangreicheren Bücher sind etwas teurer, aber in den meisten Fällen lohnt sich der Aufpreis.

Lehrwanderung und Bücher kombinieren

Die Kombination Pilzbuch plus wiederholte Teilnahme an von geprüften Pilzexperten geführten Lehrwanderungen, wie sie Volkshochschulen oder Vereine anbieten, ist der Königsweg zur Erweiterung der eigenen Kenntnisse. Man sollte aber nicht den Fehler machen, sich bei einer Exkursion unter fachkundiger Anleitung gleich alle Arten merken zu wollen – in der Pilzzeit können das leicht über 100 sein. Es genügt völlig, sich drei bis acht neue Arten auszusuchen, deren Namen die Frau bzw. der Mann vom Fach schon im Wald genannt hat. Dann nimmt man einige Exemplare in unterschiedlichen Altersstufen – getrennt von den bereits sicher identifizierten Speisepilzen – mit nach Hause und bestimmt sie anhand von Büchern und/oder einer modernen App nach.

Bestehen noch Zweifel, kann man sich an einen ehrenamtlichen Pilzsachverständigen der Deutschen oder der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft (DGfM/www.dgfm-ev.de, BMG/www.pilze-bayern.de) wenden. Das Beraternetz ist inzwischen recht engmaschig. Adresse und Telefonnummer der Experten findet man auf den Websites der genannten Gesellschaften; vielerorts wissen auch die Landratsämter Bescheid.

Pilz-App als Bestimmungshilfe?

Unsere bilderfixierte Gegenwart bietet inzwischen eine weitere Bestimmungshilfe für Pilze an, die immer mehr Anhänger findet: das Smartphone mit seinen diversen Apps. Die ersten Pilzbestimmungs-Apps waren sehr fehleranfällig und teilweise regelrecht gefährlich.

Inzwischen sind sie besser geworden – nur: sie verführen zur Bequemlichkeit. Ein reiner Bildervergleich reicht definitiv nicht aus. Die Pilzbestimmung – und das gilt auch für den Umgang mit Büchern und zum Teil hervorragenden Pilz-Websites – erfordert das aufmerksame Lesen der Texte und Beschreibungen auf Doppelgänger, Jugend- und Altersstadien, Geschmack, Geruch und ökologische Kriterien.

13 neue Speisepilze entdecken

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