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Beziehung

Liebe über Ländergrenzen

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Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Freitag, 22.07.2022 - 10:10

Um sein Glück zu finden, darf man auf sein Gefühl vertrauen und auch mal ungewöhnliche Wege gehen, so wie Shirly und Josef Roppert. Das Paar erzählt die Geschichte seiner philippinisch-bayerischen Ehe.

Philippinin, 27 Jahre, ehrlich und treu, kath., ledig, sucht treuen Mann mit christlicher Gesinnung zwecks Heirat.“ Von dieser kurzen Kontaktanzeige, die im Herbst 2003 im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen ist, fühlte sich der Landwirt Josef Roppert sofort angesprochen. „Ich hatte das Gefühl, dass diese Frau zu mir und meinen Werten passen könnte“, sagt er in seiner ruhigen Art.

Sie lernten sich über eine Kontaktanzeige im Wochenblatt kennen

Er verfasste prompt eine Antwort, doch dann schaltete sich die Vernunft ein und Josef begann zu zweifeln. War er mit seinen 46 Jahren nicht viel zu alt? Und eine philippinische Frau – konnte das was sein? Josef zögerte zu antworten, wälzte die Entscheidung eine Woche lang hin und her. „Schließlich hab ich sie doch abgeschickt“, erzählt er. „Ich dachte: Schaden kann es nicht, was hab ich schon zu verlieren?!“

Der Landwirt bewirtschaftete damals mit seinen Eltern einen Milchviehbetrieb (heute Mastkalbinnen) im niederbayerischen Vilsheim (Lks. Landshut). Mit dem Thema Partnerschaft hatte Josef eigentlich schon abgeschlossen: „Ich hatte zwar immer wieder Beziehungen, aber die Richtige war einfach nicht dabei“, meint er schulterzuckend. Shirley wirft ein: „Schau, sogar von weit weg hab ich gespürt, dass du hier noch auf mich wartest.“ Sie lacht ihr lautes, herzliches Lachen.

Ihre Familie auf den Philippinen betreibt ebenfalls eine Landwirtschaft

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Auch Shirly stammt aus der Landwirtschaft, ihre Eltern bauten auf den Philippinen Reis, Bananen und Kokosnüsse an. Nach der Schule studierte sie im Bachelor „Banking und Finanzen“ und arbeitete anschließend in einem Büro. Als ihre damalige Beziehung in die Brüche ging, telefonierte sie mit einer ihrer Cousinen. Diese ist mit einem Landwirt aus Hessen verheiratet. „Ich habe eher im Spaß gesagt, dass sie mir doch auch einen Partner in Deutschland suchen könnte“, blickt Shirly zurück. Die Cousine und ihr Mann nahmen sie beim Wort und haben in ihrem Namen Kontaktanzeigen aufgegeben, unter anderem im Wochenblatt.

Entsprechend perplex war Josef, als sich auf seine Antwort nicht Shirly, sondern ihre Cousine meldete. „Die hat mir erzählt, dass Shirly gar nicht in Deutschland lebt. Das war ein Schock“, erinnert er sich. Für ihr Kennenlernen blieb den beiden am Anfang deshalb keine andere Wahl, als miteinander zu telefonieren – auf Englisch. Die Sprachbarriere war für die quirlige Philippinin kein Problem, da Englisch auf den Philippinen die zweite Amtssprache ist, und auch Josef gewöhnte sich schnell daran.

Erstes Treffen auf den Philippinen

Nach vielen sympathischen Telefonaten waren sie sich einig, dass sie sich gerne persönlich kennenlernen würden. Das Gefühl füreinander schien zu stimmen. Da Shirly für den Besuch in Deutschland kein Visum bekam, musste Josef auf die Philippinen fliegen. Heute scherzt er darüber: „Ich war bis zu dem Zeitpunkt nicht mal außerhalb von Bayern unterwegs und dann gleich auf die Philippinen...“ Doch die Planung dieser Reise verlangte dem Landwirt, der damals voll auf dem Betrieb eingespannt war, einiges ab.

Für die Reiseunterlagen wandte er sich zuerst an die zuständige Behörde, wo sein Ansinnen nur für Spott sorgte. Schließlich fand er an der Gemeinde Vilsheim eine Mitarbeiterin, die Erfahrung in dieser Thematik hatte und ihm mit der Bürokratie und den Papieren half. Sie informierte ihn auch über rechtliche Tatsachen: Shirly und er würden auf den Philippinen heiraten müssen, bevor sie nach Deutschland kommen könnte. Josef gesteht: „Als ich das gehört habe, ist mein Weltbild zusammengebrochen.“

In seiner Verzweiflung weihte er seine Geschwister in seine Pläne ein. Sie nahmen ihn und seine Gefühle ernst und sicherten ihm volle Unterstützung zu. Dafür ist der Landwirt auch heute noch sehr dankbar. Die Geschwister, ihre Partner und einige Nachbarn halfen schließlich zusammen und teilten sich Josefs Arbeit auf dem Betrieb auf. Dadurch konnte er zusammen mit einem Schwager im Juni 2004 für fünf Tage auf die Philippinen fliegen – mit vielen Unsicherheiten und Hoffnungen im Gepäck.

Kulturschock in Bayern

Logisch, dass das erste Treffen für Shirly und Josef aufregend war, doch die beiden fühlten sich schnell miteinander wohl. Auch der Schwager lernte die Philippinin kennen und meinte nur: „Josef – die passt.“ Weil das gute Gefühl füreinander auch nach Josefs Rückflug blieb und die beiden sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen konnten, „haben wir drei Monate nach unserem ersten Treffen geheiratet“, meint Shirly mit breitem Grinsen. Dafür musste Josef nochmal auf die Philippinen fliegen. Verlegen lächelnd sagt er: „Ich weiß, es hört sich total blauäugig an, aber es war richtig für uns.“ Wenn er sonst eine Frau kennengelernt habe, habe er oft schnell gezweifelt. Bei Shirly nicht, trotz aller Widrigkeiten. „Das Gefühl hat einfach gestimmt“, betont er und schaut seine Frau liebevoll an.

Erst ein gutes Jahr später, im Oktober 2005, dufte Shirly schließlich nach Deutschland fliegen. Ihr Start in Bayern war nicht leicht, der Kulturschock war groß: Sie hatte oft Heimweh, konnte anfangs die Sprache nicht, vermisste ihre Familie, ihre Kultur, das Essen. „Josef hat mich in dieser Zeit sehr unterstützt und war immer für mich da“, erzählt sie und legt ihrem Mann dankbar die Hand auf die Schulter. Zudem brauchten Josefs Eltern Zeit, um sich mit der ungewohnten Situation zu arrangieren und im Ort wurde das Paar anfangs nicht ernst genommen. „Das hat sich schnell geändert“, betont Josef und fügt an: „Alle haben Shirly lieb gewonnen, weil sie so eine herzliche und unkomplizierte Person ist.“

So richtig wurde Bayern für Shirly zur Heimat, als sie hier ihre eigene Familie gründen konnte: Vor 16 Jahren kam ihre Tochter Shirly Marie zur Welt, Sohn Darel folgte zwei Jahre später. Dem Paar war auch sehr wichtig, hier kirchlich zu heiraten.

Philippinische Küche und Pflanzen im Garten

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Heute mischen sich philippinische und bayerische Kultur bei den Ropperts ganz selbstverständlich: Auf Familienfesten kocht Shirly gerne philippinisch, in ihrem Garten wächst exotisches Gemüse, sie hilft auf dem Betrieb mit und der Kontakt zu ihrer Familie auf den Philippinen gestaltet sich durch das Internet und die sozialen Medien inzwischen leichter.

„Ich bin sehr zufrieden in Bayern“, betont Shirly. Auch Josef ist froh, vor 18 Jahren alle Anstrengungen auf sich genommen und auf sein Gefühl vertraut zu haben: „Ich hatte im Leben nicht oft Glück, dafür mit Shirly einmal richtig.“

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