Wettbewerb Agrar-Familie

Landwirtschaft zeigen, wie sie wirklich ist

Paul Kannamüller
am Freitag, 07.02.2020 - 10:12

Kategoriesieger "Öffentlichkeitsarbeit": Familie Hörmannskirchner aus Mauern im Landkreis Freising.

Tanz

Innovation, Organisation und die Gemeinschaft sind die drei wichtigen Auswahlkriterien beim Wettbewerb Agrar-Familie, den der Bayerische Bauernverband, der Bayerische Rundfunk und das Wochenblatt im vergangenen Jahr wieder durchgeführt haben. Beim Bayerischen Landwirtschaftlichen Hofball am vergangenen Sonntag konnten die Gewinner ihren Preis entgegennehmen.

So auch Familie Hörmannskirchner, die Sieger in der Kategorie "Öffentlichkeitsarbeit". An ihrem Wieserhof in Mauern (Landkreis Freising) bieten sie Einblicke in die Milchviehhaltung für Kinder und Erwachsene. Die Bauernhofgastronomie samt Brotbackhaus sorgt für kulinarische Genüsse.

Hüttenstimmung am Wieserhof

Das Kaminfeuer in der Wieser Hütt’n verbreitet eine behagliche Stimmung. Jetzt fehlt draußen nur noch der Schnee, dann wäre das Ambiente perfekt und alle hätten ihren Spaß – vor allem die Kinder. „Die Hütt’n war ein lang gehegter Wunsch“, erzählt Sonja Hörmannskirchner. Zusammen mit ihrem Mann Stephan bewirtschaftet sie im oberbayerischen Enghausen (Gemeinde Mauern, Landkreis Freising) einen Rindermastbetrieb im Vollerwerb.

Es ist einer jener typischen Familienbetriebe, in denen alle mithelfen. Weil man aber auf einem Bein schlecht steht, wie ein altes Sprichwort sagt, bauten sich die Jungunternehmer im Laufe der Jahre mit der aus Stammholz aufgebauten Hütte und der Bauernhof-Gastronomie noch ein zweites Standbein auf, das sich zur Freude der jungen Hofbesitzer prächtig entwickelt hat.

Bauernhoferlebnis und Öffentlichkeitsarbeit

Es fing alles damit an, als sich die Jungbäuerin zu einer Erlebnisbäuerin ausbilden ließ und ihr Konzept im besten Sinne eine Werbung für die hiesige Landwirtschaft ist. „Es geht uns darum, den Gästen das Erlebnis eines tatsächlich bewirtschafteten Betriebes zu vermitteln, der sein Einkommen aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit bezieht“, sagt Sonja Hörmannskirchner.

Dabei wolle man dem Besucher keine Landidylle vorspielen, sondern den modernen Arbeitsalltag in der Landwirtschaft zeigen. Seit Generationen ist der Wieser-Hof Wohn- und Arbeitsplatz zugleich; urkundlich erwähnt  wurde er erstmals 1832.

Zum landwirtschaftlichen Anwesen am Rande der Hallertau gehören rund 30 ha Ackerfläche und 5 ha Wald. Angebaut werden Weizen, Gerste, Mais und Kleegras. Die Ernte wird überwiegend als Futter für die rund 70 Rinder und das Milchvieh verwendet.

Brot aus dem Holzbackofen

Brotbacken

Inzwischen ist der Wieserhof zu einer beliebten Anlaufstelle für Erwachsene und Familien, Kindertagesstätten, Schulklassen und Vereine geworden, die in der rund 80 Personen umfassenden Wieser-Hütt’n ihre Versammlungen oder Feiern abhalten oder einfach nur einen schönen Hüttenabend verbringen wollen. Besonders Kinder haben einen Riesenspaß daran, wenn sie unter Anleitung der Bäuerin im Holzofen Brot backen oder Käse herstellen dürfen. Im Naturstammhaus werden die Gäste mit hofeigenen Käse- und Speckplatten und frisch gebackenem Bauernbrot verwöhnt.

Stephan Hörmannskirchner ist ausgebildeter Landwirt und Landmaschinen-Mechaniker, seine Frau Sonja staatlich anerkannte Erzieherin. Durch diverse Weiterbildungen über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, zur Erlebnisbäuerin, Landerlebnisreisen, Agrarbürofachfrau und zur Bauernhofgastronomie haben sie ihren Betrieb ständig weiterentwickelt.

„Wir haben unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht“, sagt die Jungbäuerin und verweist darauf, „dass unser Betrieb nur deshalb so gut funktioniert, weil die ganze Familie an einem Strang zieht und sich gegenseitig unterstützt.“ Unterstützung kommt dabei natürlich auch von Opa Toni und Oma Marianne, die Besuchergruppen das Melken zeigen und auch mal für die ganze Großfamilie kochen, was der Jungbäuerin den Rücken frei hält.
Seit über zehn Jahren bieten Sonja und Stephan Hörmannskirchner nunmehr Hofführungen an und eröffneten vor geraumer Zeit auch die Bauernhof-Gastronomie als weiteres Standbein.

Die ganze Familie hilft mit

Familie

Ins Hofgeschehen integriert sind natürlich auch die drei Kinder (Anton 13 Jahre, Josephine, 11, und Lorenz, 7), die schon tatkräftig mithelfen wollen. So hilft etwa Sohn Anton im Stall mit und erklärt den Besuchern gerne die Landtechnik und die Maschinen. Tochter Josephine hilft dem Papa in der Hüttn mal eine Käseplatte oder einen Kaffee auszutragen und spielt gerne mit den Gastkindern.

Und wenn’s ganz viel zu tun gibt, wie zur Heuernte, Silage oder bei großen Veranstaltungen, dann kommen sogar die Eltern von Sonja angereist und packen mit an. „Wir sind ein Familienbetrieb und leben in drei Generationen unter einem Dach“, erzählt Sonja Hörmannskirchner.
 

Verbrauchern zeigen, wo Lebensmittel herkommen

Vor allem der direkte Kontakt zum Verbraucher sei ihnen sehr wichtig, sagen die Betriebsinhaber. Nach dem Motto „Wissen wo’s herkommt“ bereiten sie ihren Gästen Brotzeiten mit Zutaten vom Bauernhof und aus dem Bauerngarten zu, backen frisches Holzofenbrot, stellen Frischkäse her, ernten Kräuter, Obst und Feldfrüchte  um die Erfahrung in der Herstellung und Verarbeitung von Grundnahrungsmitteln zu vermitteln.

„Durch die hohe Transparenz tragen wir zur Imagestärkung der Landwirtschaft bei“, betont die Jungbäuerin. Gleichzeitig wolle man beim Verbraucher ein Bewusstsein für regionale und saisonale Produkte sowie Wirtschaftskreisläufe schaffen.„Durch Feedbackbögen, die unsere Gäste ausfüllen, wollen wir unsere Angebote ständig optimieren.“ Viele Auszeichnungen, darunter ein Staatspreis des Landwirtschaftsministeriums und jetzt die Ehrung als Agrarfamilie, sprechen für ein schlüssiges Betriebskonzept.

In die Tierhaltung investieren

„Im Moment sind wir gerade dabei, einen neuen Rinderstall zu bauen und unseren alten Anbindestall umzubauen“, erzählt Sonja Hörmannskirchner. Dabei sollen besondere Tierwohlkritierien berücksichtigt werden und die Tiere solle auf die Weide dürfen. Sie lässt keinen Zweifel daran, „dass wir ein landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb bleiben möchten und auch weiterhin den Verbrauchern die verschieden Angebote ermöglichen wollen“. Wichtig sei ihnen dabei, sich „nicht zu verbiegen, sondern die Landwirtschaft zu zeigen, wie sie wirklich ist.“

Als ausgebildete Erzieherin liegen ihr natürlich besonders die Kinder am Herzen, die einen Einblick bekommen sollen, wie Lebensmittel gewonnen werden. Inzwischen sei ihr Terminkalender so voll, dass sie keine große Werbung mehr machen müssten. Man sei mit Hofführungen  und Veranstaltungen bis zu ein Jahr im Voraus ausgebucht.

 

Die Kategoriesieger im Überblick

Sieger Kategorie "Sonderpreis": Am Ferlhof der Familie Demmelmair in Hilgertshausen können Kinder und Jugendliche den Alltag auf einem Bauernhof erleben.

Sieger Kategorie "Soziale Landwirtschaft": Familie Ebenbeck aus Sinzing bietet Reit- und Arbeitstherapie in Kooperation mit einem Kinder- und Jugendheim.

Sieger Kategorie "Öffentlichkeitsarbeit": Der Wieserhof von Familie Hörmannskirchner in Mauern bietet Einblicke in die Milchviehhaltung für Kinder und Erwachsene. Die Bauernhofgastronomie samt Brotbackhaus sorgt für kulinarische Genüsse.

Sieger Kategorie "Betriebsentwicklung": Familie Schwarz aus Ohrenbach hat von der Milcherzeugung auf Wagyu-Fleischrinder umgestellt und ist in die Direktvermarktung eingestiegen.