Wettbewerb Agrar-Familie

Landwirtschaft für Menschen

Markus Bauer
am Freitag, 07.02.2020 - 08:51

Kategoriesieger "Soziale Landwirtschaft": Familie Ebenbeck aus Sinzing im Landkreis Regensburg.

Tanz

Innovation, Organisation und die Gemeinschaft sind die drei wichtigen Auswahlkriterien beim Wettbewerb Agrar-Familie, den der Bayerische Bauernverband, der Bayerische Rundfunk und das Wochenblatt im vergangenen Jahr wieder durchgeführt haben. Beim Bayerischen Landwirtschaftlichen Hofball am vergangenen Sonntag konnten die Gewinner ihren Preis entgegennehmen.

So auch Familie Ebenbeck, die Sieger in der Kategorie "Soziale Landwirtschaft". An ihrem Hof in Sinzing im Landkreis Regensburg bieten siet Reit- und Arbeitstherapie in Kooperation mit einem Kinder- und Jugendheim.

Therapeutische Maßnahmen im Mittelpunkt

Kühe und Schweine, Enten und Hasen tummeln sich auf dem Biobetrieb von Andreas und Christin Ebenbeck. Vor allem aber Pferde. Denn diese bilden seit 25 Jahren den Schwerpunkt des Familienbetriebs – und mit den Pferden stehen besonders soziale und therapeutische Maßnahmen im Mittelpunkt.

2019 wurden die Ebenbecks als eine der Agrarfamilien Bayerns ausgezeichnet – doch das war nicht alles. Im September letzten Jahres erhielten sie eine Würdigung des Bayerischen Ministerpräsidenten und im August 2018 holte ein Tier aus ihrer Herefordzucht in der Kategorie Fleischrinderbulle den zweiten Platz bei der Landestierschau. „Rinder sind unser Hobby“, betont Christin Ebenbeck.

Der Beruf als Berufung scheint für den gesamten Betrieb zu gelten. Erst vor Kurzem hat Christin Ebenbeck die Ausbildung zur Erlebnisbäuerin erfolgreich abgeschlossen. Sie kümmert sich auch federführend um die Verwaltung und das Büro sowie um alle Aspekte, die im engeren und weiteren Sinn mit Therapie und sozialen Inhalten zu tun haben. Gemeinsam verrichten Andreas und Christin die Stallarbeit. Andreas Ebenbeck bewirtschaftet die rund 60 ha Grünland, hält die Maschinen in Schuss und sorgt sich um den Wald (1,5 ha), wo in einem eingezäunten Teil auch Damwild lebt. Übrigens ist der Wald der Ebenbecks bereits gut gemischt, die Großeltern haben weitsichtig viele Buchen gepflanzt.

Viel Platz für Pferdebegeisterte

Reiten

Seit dem Jahr 1905 ist der Landwirtschaftsbetrieb Ebenbeck in Familienbesitz. Pferdehaltung gab es schon immer, den Schwerpunkt bildete lange Zeit aber die Färsenmast. Als diese Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre nicht mehr lukrativ war und Leute nach Boxen für ihre Pferde suchten, war das Konzept des Pensionsbetriebs geboren.

„Seit 25 Jahren haben wir jetzt Pensionspferde“, erklärt Christin Ebenbeck. Aktuell sind es 45 Tiere der verschiedensten Rassen (Araber, Schwarzwälder Kaltblut usw.) von Pferdebesitzern vor allem aus den Landkreisen Kelheim und Regensburg. In den Hallen und auf dem Gelände können die Pferde­begeisterten nahezu allen Pferdesport­arten nachgehen.

Naheliegend ist bei diesem Schwerpunkt natürlich das therapeutische Reiten. Seit etwa 20 Jahren ist Manuela Beck auf dem Hof damit aktiv. Seit 2013 gehören die Ebenbecks und Manuela Beck zum Netzwerk „Soziale Landwirtschaft“. Eine enge Kooperation besteht mit dem Kinderzentrum St. Vincent der Katholischen Jugendfürsorge im Bistum Regensburg.

Die Kinder dieser Einrichtung kommen nicht nur zum therapeutischen Reiten, sondern immer wieder auch für Arbeitseinsätze und Mithilfe am Hof – je nach dem, was entsprechend der Jahreszeit anfällt. Diese Aktivitäten und Aktionen sollen 2020 noch erweitert werden. Zudem ist der Bau einer Therapiehalle geplant.

Aus Bauernhof wird Klassenzimmer

Schwein

Nach ihrer Ausbildung zur Erlebnisbäuerin machte Christin Ebenbeck den Bauernhof unter dem Stichwort „Lernort Bauernhof“ quasi zum Klassenzimmer. Von den Kleintieren bis zur Kuh, von den Zwergziegen bis zum Damwild werden alle Tiere in diesem besonderen Unterricht für Kindergarten- und Schulkinder einbezogen.

Die Buben und Mädchen erhalten so einen detaillierten Einblick in die Landwirtschaft. „Sie lernen dabei viele wichtige Aspekte, wie zum Beispiel die Herkunft von Produkten des täglichen Lebens, kennen und schätzen. Ökologische, ökonomische und soziale Zusammenhänge werden genauso vermittelt wie der richtige Umgang mit den Tieren“, erklärt die Erlebnisbäuerin.

Vor fünf Jahren hat Andreas Ebenbeck den Betrieb auf eine ökologische Bewirtschaftung umgestellt. „Wir sind davon überzeugt, dass es auch ohne Spritzmittel geht. Die Flächenbewirtschaftung ist zwar anders, aber wir bereuen die Umstellung nicht“, so lautet die Zwischenbilanz des Landwirts.

Das Grünland dient ausschließlich zum Füttern der Tiere, das Fleisch der Tiere verarbeitet die Metzgerei Baumann in Mallersdorf mit Bio-Zertifizierung. Ab Februar kann dort das Biofleisch vom Betrieb Ebenbeck gekauft werden.

Pflanzen und bauen für die Bienen

Zum Ökogedanken gehört schließlich auch – nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ – ein spezielles Bienenprojekt. Dabei wird eine Blühwiese angelegt, es werden Obstbäume gepflanzt und ein Insektenhotel gebaut. „Neben Bienen und Hummeln finden sich dort Schmetterlinge und Heuschrecken“, erzählt Christin Ebenbeck.

Im Bereich der traditionellen Landwirtschaft ist eine nicht alltägliche Rinderrasse auf dem Ebenbeck-Hof in der Mutterkuhhaltung präsent: die Hereford-Kühe. Diese Rasse wollen die Ebenbecks Interessenten im Jahr 2020 in Kursen und Herdenbesichtigungen näher bringen.

Ebenso haben sie eine ungewöhnliche Schweinerasse – eine Sau und einen Eber der Rasse Schwäbisch-Hällisches Landschwein. Natürlich gehören zwei Großpferde (Haflinger, Schwarzwälder Kaltblut) und zwei Ponys (Minishetland, Welsh Mountain Pony) zum eigenen Tierbestand, den Enten, Hühner, Ziegen und auch Mastbullen erweitern.

Die Familie zieht mit

Familie

Ein so vielfältiger Betrieb kann nicht alleine vom Ehepaar Ebenbeck „beackert“ werden. Daher helfen Andreas Eltern Petra und Stefan Ebenbeck, Uroma Berta Reiner und Andreas Cousin Martin Reiner bei Bedarf mit. Außerdem beschäftigt der Hof zwei Angestellte. Die Kinder Leonie (8) und Niklas (4) schnuppern tagtäglich in den landwirtschaftlichen Alltag hinein.

Die Familie war mit zwei Mutterkühe und deren Kälbern am 16. Januar diesen Jahres bei der Bundesschau Schwarz-Rot-Gold Robust auf der Inernationalen Grünen Woche in Berlin vertreten. Im September wollen sie sich dann beim Zentrallandwirtschaftsfest in München an der Landestierschau beteiligen.

 

Die Kategoriesieger im Überblick

Sieger Kategorie "Sonderpreis": Am Ferlhof der Familie Demmelmair in Hilgertshausen können Kinder und Jugendliche den Alltag auf einem Bauernhof erleben.

Sieger Kategorie "Soziale Landwirtschaft": Familie Ebenbeck aus Sinzing bietet Reit- und Arbeitstherapie in Kooperation mit einem Kinder- und Jugendheim.

Sieger Kategorie "Öffentlichkeitsarbeit": Der Wieserhof von Familie Hörmannskirchner in Mauern bietet Einblicke in die Milchviehhaltung für Kinder und Erwachsene. Die Bauernhofgastronomie samt Brotbackhaus sorgt für kulinarische Genüsse.

Sieger Kategorie "Betriebsentwicklung": Familie Schwarz aus Ohrenbach hat von der Milcherzeugung auf Wagyu-Fleischrinder umgestellt und ist in die Direktvermarktung eingestiegen.