Karfreitag

Eine Kapelle für die Kartage

Außenansicht der Kapelle
Markus Bauer
am Donnerstag, 01.04.2021 - 15:39

Die Michaelskapelle in Beratzhausen hat eine lange Geschichte. An Karfreitag und -samstag lädt sie zum stillen Gebet ein. Im Keller lagern uralte Knochen.

Nur zweimal im Jahr ist die Michaelskapelle in Beratzhausen (Oberpfalz) geöffnet: an den Kartagen und zum Patrozinium des Heiligen Michael am 29. September. Vor allem am Karfreitag und Karsamstag soll sie Gläubigen die Möglichkeit zum stillen Gebet bieten.

Traditionell wird jedes Jahr, zum Abschluss der Karfreitagsliturgie, das Allerheiligste in einer Prozession zum Heiligen Grab getragen, das in der Michaelskapelle aufgebaut ist. Als Allerheiligstes bezeichnet man in der römisch-katholischen Kirche die in der heiligen Messe geweihten Gaben von Brot und Wein, in denen Christus nach kirchlicher Lehre wahrhaft und dauerhaft gegenwärtig ist. Im Anschluss besteht bis zum Abend des Karsamstags die Möglichkeit zur stillen Anbetung.

Wegen der Corona-Pandemie muss die Kapelle dieses Jahr allerdings geschlossen bleiben. Das Heilige Grab wird in die Pfarrkirche St. Peter und Paul verlegt, die sich direkt daneben befindet.

 

Knochen aus dem 18. Jahrhundert

Hinter einer Gittertür sind die Gebeine aufgestapelt.

Im Kellergeschoss der Kapelle befindet sich das Ossuarium: ein Beinhaus, in dem zahlreiche Knochenteile und Schädel lagern. Der Grund dafür ist, dass die Kapelle bis zum Jahr 1803 als Friedhofskapelle galt. Der damalige angrenzende Friedhof wurde verlegt. Zwischenzeitlich lagerte man die Knochenteile im Keller der Michaelskapelle. Einige blieben jahrzehntelang dort liegen. 1964 wurde schließlich ein Teil davon in eine kellerartige Gruft unterhalb des neugebauten Leichenhauses verlegt. Den Zugang hat man allerdings zugemauert. Der Rest der Gebeine wurde ordentlich in der Michaelskapelle aufgeschichtet. An den geöffneten Tagen kann man dieses Ossuarium nun besuchen.

Wie alt die Kapelle ist, lässt sich heute leider nicht mehr genau sagen. Oft wird ihr Bau mit den Stauffern auf Ehrenfels in Verbindung gebracht. Sie hatten auf dem nahen Schlossberg ihre Burg. Die Verbindung beweist auch der Schlussstein im Rippengewölbe, auf dem das Wappen der Stauffer auf Ehrenfels zu sehen ist. Außen an der Südseite findet man ein bemaltes Kruzifix als Steinrelief vom Ende des 14. Jahrhunderts.

 

Von der Mesnerwohnung bis hin zum Gefängnis

Die Kapelle galt lange Zeit als das Stiefkind unter den kirchlichen Gebäuden in Beratzhausen. Einem Visitationsbericht von 1584 zufolge wurde die Kirche St. Michael ausgeräumt, um sie dem Mesner als Wohnung zur Verfügung zu stellen. In anderen Dokumenten werden außerdem Nutzungen als Gefängnis, Krankenlager oder Lehrerwohnung geschildert. Sogar für den Gebrauch als notdürftiges Leichenhaus oder als Lagerraum für kirchliche Geräte gibt es Aufzeichnungen.

Im Jahr 1964 hat man die Kapelle schließlich nach Denkmalpflege-Regeln renoviert, weitere Sanierungen folgten. Heute ist die Michaelskapelle als ein hochwertiges gotisches sowie geschichtlich und künstlerisch wertvolles Kulturdenkmal anerkannt.

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