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Interview

Kabarettist Martin Frank: Die Ideen kommen ihm im Kuhstall

Martin-Frank-Kabarettist-Bauernhof: Porträt des jungen Mannes, vor einem gelben Hintergrund. Er trägt eine weinrote Trachtenwese und ein weißes Hemd und eine Brille.
Anja Kersten
am Freitag, 03.12.2021 - 11:10

Kabarettist Martin Frank ist auf dem Bauernhof aufgewachsen. Im Interview erzählt er von seiner niederbayerischen Heimat, den Anfängen im Dorfwirtshaus und wie ihn der bäuerliche Hintergrund von seinen Schauspiel-Kollegen unterscheidet.

Steckbrief

Wie heißt Du? Mein Name ist Martin Frank.

Wie alt bist Du? Ich bin 29 Jahre alt.

Was treibst Du? Ich bin Kabarettist und arbeite, wenn ich da bin und Zeit hab, daheim auf unserem Hof mit.

Woher kommst Du? Ich bin mit meinem Vater, meiner Oma und meinem Bruder auf einem Bauernhof in Hutthurm bei Passau in Niederbayern aufgewachsen.

Interview mit Martin Frank

Wochenblatt: Du bist auf einem Bauernhof in Hutthurm bei Passau aufgewachsen. In Deinem Programm spielt das Leben und Arbeiten auf einem Hof eine große Rolle. Liefert das Leben auf dem Bauernhof so viel Stoff?

Martin Frank: Ich kann nur über Sachen schreiben, die ich auch erlebt habe. Ich glaube, das Publikum würde es merken, wenn ich nicht authentisch wäre und mir irgendwas ausdenken würde. Jede meiner Geschichten hat einen wahren Kern, die ich in meinem Programm dann natürlich überspitzt darstelle. Das Leben auf dem Bauernhof, auf dem ich mit meinem Vater, meiner Oma und meinem Bruder aufgewachsen bin und lebe, ist schon sehr speziell. Das bietet mir viel Stoff für mein Publikum. Es sind Geschichten aus meinem Leben. Ich lebe aber auch in München. Die Großstadtmenschen und der Stadt-Land-Konflikt sind deshalb auch Thema in meinem Programm. Ich will die Leute mit meinem Kabarett unterhalten, es ist nicht politisch und es ist nicht bierernst. Ich meine, die Leute hören schon den ganzen Tag was über Politik, dann wollen sie abends auch mal was anderes hören. Und es freut mich, wenn mein Programm generationsübergreifend ist und Familien – vom Kind bis zur Oma und Opa – kommen.

Wochenblatt: Du kennst das Land- und Stadtleben und bist in der Coronazeit wieder daheim eingezogen. Hast du dadurch einen anderen Blick auf deine Heimat bekommen?

Martin Frank: Je älter ich werde, desto begeisterter bin ich von meiner Heimat und sehe sie mit anderen Augen. Das hat mit der Coronazeit gar nicht so viel zu tun. Obwohl, während dieser Zeit bin ich viel in meiner Heimat herumgewandert, vorher dachte ich immer, man wandert bloß in den Alpen. Wenn ich aus München komme und die Autobahnausfahrt nach Hutthurm nehme, dann merke ich, dass ich anders atme, irgendwie befreiter. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen esoterisch, aber das Leben auf dem Land ist „ungestresster“ für mich als in der Stadt. Ich habe dort keine Angst etwas zu verpassen, einfach, weil es da nichts zu verpassen gibt. Und ich freue mich auf meine Familie. Ich brauche aber beides: München, weil da viele Kollegen und Freunde von mir leben und meine Familie in meinem Dorf.

Martin-Frank-Kabarettist-Corona

Wochenblatt: Hilfst du noch auf dem Hof mit?

Martin Frank: Wenn ich daheim bin und abends nicht spielen muss, gehe ich in den Stall. In der Coronazeit, als ich nicht auf Tour gehen konnte, war ich heilfroh darüber. Beim Melken muss ich nicht viel überlegen, das geht automatisch und so kann ich dabei sehr kreativ sein und mir Sachen für mein Programm überlegen. Meine Begabung liegt aber eindeutig bei den Tieren und nicht im technischen Bereich. Dafür ist mein Bruder zuständig. Ich kann zwar Bulldog fahren, aber wenn was kaputt ist, muss ich meinen Bruder um Hilfe rufen. Ich profitiere sehr von meinen bäuerlichen Wurzeln. Auf einem Bauernhof lernst du zu arbeiten, auch wenn es dir mal nicht so gut geht. Manche meiner Künstlerkollegen sind, was das angeht, sehr sensibel. Auf einem Bauernhof kannst du nicht bei einem Schnupfen im Bett bleiben oder bis Mittag im Bett liegen. Für diese Struktur bin ich dankbar.

Wochenblatt: Als Bub vom Bauernhof ist Kabarettist oder Schauspieler als Berufswunsch eher ungewöhnlich. Wie haben die Oma und der Papa reagiert?

Martin Frank: Als ich dem Papa und der Oma sagte, dass ich Schauspieler werden möchte, sagten beide: „Mei Bub, davon kann man doch nicht leben. Mach erst was Anständiges.“ Deshalb habe ich meiner Familie zuliebe erst eine Ausbildung bei uns in der Gemeindeverwaltung gemacht und eine Fortbildung zum Standesbeamten. Ich habe dann als 19-jähriger Single Paare getraut und denen was von der Ehe erzählt. Parallel dazu habe ich an meinem Programm geschrieben und bin hier bei uns aufgetreten. Auch noch, als was über mich in der Zeitung stand, hat meine Oma das ausgeschnitten und zu mir gesagt: „Martin, jetzt hörst aber auf mit dem Komödiantentum.“ Nach meiner Ausbildung bin ich dann auf die Schauspielschule nach München gegangen.

Wochenblatt: Warst du schon in der Schule ein Spaßmacher?

Martin Frank: Ja, ich war in der Schule schon so etwas wie der Klassenclown, aber nicht bewusst. Ich habe Kommentare abgeben, die mir gekommen sind, und alle haben gelacht. In der Pubertät war ich ein dicker Bub und nicht gerade der Frauenschwarm. Aber ich habe gemerkt, wenn ich lustig bin, dann bin ich auch beliebt.

Wochenblatt: Kannst du dich noch an deinen ersten Auftritt als Kabarettist erinnern?

Martin Frank: Mein erster Auftritt war mit 17 in einem kleinen Wirtshaus in Hauzenberg. Die hatten dort eine kleine Bühne. Ich habe einfach angerufen und gefragt, ob ich dort mein Programm spielen dürfte. Die Zeitung hat die Veranstaltung in einer kleinen Notiz angekündigt und ich dachte mir, das liest bestimmt kein Mensch. Aber dann waren 50 Leute da. Ich war so aufgeregt, dass ich mit meinem Programm, das eigentlich eine Stunde dauern sollte, in 20 Minuten fertig war. Und es haben auch nicht viele Leute gelacht. Ich war fix und fertig. Aber dann hat jemand meinen Rollerhelm herumgegeben und am Ende waren 150 Euro drin. An diesem Abend hat es geschüttet, ich bin mit meinen Roller 45 Minuten heimgefahren, war nass bis auf die Unterhose und wusste, das will ich machen.

Martin-Frank-Kabarettist-Programm

Wochenblatt: Schauen deine Oma und dein Vater dein Programm an? Immerhin erzählst du viel über sie.

Martin Frank: Eher nicht. Ich habe ganz am Anfang mal gesagt, sie sollen nicht kommen, nicht, dass ich mich vor ihnen blamiere. Wenn ich jetzt sage, ihr könntet doch auch mal kommen, gebrauchen sie das immer als Ausrede: „Du hast aber damals gesagt, wir sollen nicht kommen.“

Wochenblatt: Man weiß als Kabarettist nicht, ob das, was man schreibt, wirklich lustig ist. Was macht man, wenn niemand lacht?

Martin Frank: Am Anfang war das schlimm für mich. Wenn dich die Leute anschauen, als ob du von einem anderen Stern kommst, dann bekommst du Panik. Ich dachte natürlich, das liegt an mir und meinem Programm. Inzwischen weiß ich aber, das liegt an der Gegend. In meiner Heimat, der Passauer Gegend, lachen die Leute eher wenig.

Wochenblatt: Du hast dein aktuelles Programm in der Coronazeit geschrieben. Ist dir da nicht manchmal das Lachen im Hals stecken geblieben?

Martin Frank: Nein, ich bin ein sehr positiver Mensch. Ich wusste, wenn ich nicht auf Tour gehen kann, kann ich auf unserem Bauernhof bleiben und leben. Milch, Eier und Kartoffeln gibt es da immer.

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