Landfrauen

Humor, auch in bewegten Zeiten

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Sophia Gottschaller
am Freitag, 01.10.2021 - 09:09

Fordernde Zeiten für die Landwirtschaft, verstärkt durch die Corona-Pandemie, verschobene Verbandswahlen – darüber diskutierten die Kreisbäuerinnen. Trotz dieser schweren Themen kam der Humor nicht zu kurz.

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Lang nicht mehr gesehen, gleich wieder gekannt.“ Mit einem Augenzwinkern begrüßte die erste stellvertretende Landesbäuerin Christine Singer die Kreisbäuerinnen im BBV. In Vertretung für die erkrankte Landesbäuerin Anneliese Göller, der die Durchführung dieses Seminars ein Herzensanliegen war und die herzliche Grüße an alle Teilnehmerinnen ausrichten ließ, führte Singer durch das Programm beim Kreisbäuerinnenseminar in Herrsching.

Die Veranstaltung konnte vergangene Woche unter Einhaltung der 3G-Auflagen und mit ausreichend Abstand in Präsenz stattfinden. Nach einer langen Zeit voller Online-Konferenzen, Telefonate und sozialer Distanz war die Freude der Frauen über diesen „echten“ Kontakt spürbar. Aus coronabedingten Platzgründen waren die Stellvertreterinnen allerdings online zugeschaltet.

Vor Veränderungen nicht die Augen verschließen

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„Wir leben in bewegten Zeiten!,“ erklärte Singer und ging in ihrem Referat darauf ein, dass die Corona-Pandemie nicht spurlos an den bäuerlichen Familien, den Betrieben und auch nicht am Verband vorübergegangen sei. Politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Veränderungen würden den Bäuerinnen und Bauern Sorgen bereiten.

„Ich kann das verstehen, schließlich hängt bei uns allen die Existenz an unseren Betrieben“, betonte Singer und machte Mut: „Wir dürfen vor Veränderungen nicht die Augen verschließen. Wir müssen uns mit der Zukunft beschäftigen, um zu sehen, wo die Reise hingeht.“ Deshalb habe der BBV das Zukunftsprojekt „Rolle vorwärts“ samt Mitgliederbefragung gestartet. Die Ergebnisse der Befragung würden ab Ende Oktober zur Verfügung stehen.

Anschließend gab Singer einen Überblick über den Stand der Landfrauenarbeit. Sie appellierte an die Kreisbäuerinnen, in den Kreisverbänden für die Teilnahme an den Projektwochen „Schule fürs Leben“ zu werben. Auch bei „Landfrauen machen Schule“ sei es möglich, den Förderzeitraum in den Herbst bis Mitte November zu verlängern. So hätten weitere 150 Schulklassen noch dieses Jahr die Möglichkeit, am Projekt teilzunehmen.

Unmut wegen Positionspapier

Hohe mediale Wellen hatte das Positionspapier „Nachhaltiger Fleischkonsum“ des Deutschen Landfrauenverbandes geschlagen, dem auch die bayerischen Landfrauen zugestimmt hatten. „Wir arbeiten als Bauernverband bei der Weiterentwicklung der Tierhaltung in Kommissionen mit. Dies muss sich auch in unseren Landfrauenpositionen widerspiegeln“, erläuterte Singer das Vorgehen.

Unter anderem von landwirtschaftlichen Fachmedien war das Positionspapier nur in Auszügen veröffentlicht worden. So hätten die aus dem Kontext gerissenen Aussagen über maßvollen Fleischkonsum, Fleischersatzprodukte und eine Ernährung ohne Fleisch für viel Unverständnis gesorgt – insbesondere bei tierhaltenden Betrieben.

„Ich finde es nicht in Ordnung, wie medial damit umgegangen worden ist“, bekräftigte Singer. Sie betonte, dass die Landfrauen zu dem Positionspapier stehen würden und machte klar: „Wir brauchen eine Weiterentwicklung!“

Zudem ging Singer in ihrem Referat auf die Zielgruppenansprache von jungen Landfrauen sowie Landfrauen mittleren Alters ein, auf Veranstaltungen im Winter, die Landfrauentage 2021/2022, die Gesundheitsoffensive Impfen, Frühstück am Bauernhof – to go, die Aktionswoche Nachhaltigkeit und den Auftritt der Bayerischen Landfrauen auf Instagram.

„Ich möchte Euch noch einmal von Herzen Danke sagen,“ stellte Singer zum Abschluss ihres Vortrags heraus. „Für das, was wir im letzten Jahr trotz der schwierigen Situation geleistet und auf den Weg gebracht haben. Dafür, dass ihr Euch trotz der vielen Einschränkungen auch weiterhin mit Herzblut und Leidenschaft für uns Landfrauen und unseren bäuerlichen Berufsstand einsetzt!“

Verschiebung der Wahlen – emotionale Reaktionen

Für einen wichtigen Programmpunkt war Günter Betz, stellvertretender Generalsekretär des BBV, vor Ort: die Verschiebung der BBV-Verbandswahlen auf den nächstmöglichen Zeitpunkt, frühestens zu Beginn des Jahres 2022. Betz erläuterte den Kreisbäuerinnen im Detail die Beweggründe für diese Entscheidung (siehe Wochenblatt 36, S. 8).

Betz betonte, dass sich das BBV-Präsidium diesen Entschluss nicht leicht gemacht, aber einstimmig entschieden hatte. Trotzdem hatte die Verschiebung in einigen Kreisverbänden für Aufregung gesorgt, wie die Kreisbäuerinnen berichteten: Mancherorts waren für die Wahlveranstaltungen bereits Referenten und Räumlichkeiten gebucht gewesen, es war alles vorbereitet, viel Arbeit investiert worden.

Betz ging auf die Bedenken der Kreisbäuerinnen ein und sicherte ihnen zu: „Sobald wir wählen können, werden wir wählen!“

BBV-Präsident Walter Heidl appellierte an die Kreisbäuerinnen, ihr durch die verschobenen Wahlen verlängertes Amt weiterhin aktiv zu gestalten. Er lud die Frauen dazu ein, gerade auch im Winter weiterhin durch BBV-Veranstaltungen präsent zu sein. „Nutzt diese Zeit, um Meinungen aufzunehmen und zu diskutieren! Die Ergebnisse der ersten BBV-Mitgliederbefragung bieten hier gute Ansatzpunkte.“

Zudem gab Heidl den Frauen einen Überblick über aktuelle agrarpolitische Themen. Die Kreisbäuerinnen brachten ihre Anliegen auch bei Heidl vor und diskutierten mit ihm Themen wie den Konflikt mit dem Lebensmitteleinzelhandel, Probleme von Schweinehaltern, den Umgang mit dem Wolf oder die Ausweisung der Roten Gebiete in Bayern.

Singer fasste zusammen: „Wir haben unserem Präsidenten vermittelt, dass wir genau schauen, was agrarpolitisch passiert und dass wir uns bei diesen Themen auch einbringen wollen!“

Das Leben ist viel zu kurz für ein langes Gesicht

Für Schmunzeln und Gelächter sorgte der Vortrag von Ursula Lux über die Heilkraft des Humors. Die Logotherapeutin und Theologin machte deutlich: Das Leben ist viel zu kurz für ein langes Gesicht (siehe unten). Der Nachmittag war schließlich für die Begegnung und den Austausch der Kreisbäuerinnen reserviert. Und nach dieser langen Zeit der Distanz nahmen die Frauen diese Einladung zum Gespräch mit „echtem Kontakt“ besonders gerne an.

Die Heilkraft des Humors

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Ursula Lux – Logotherapeutin und Theologin – unterhielt und informierte die Kreisbäuerinnen mit einem kurzweiligen Vortrag über die Heilkraft des Humors. Hier einige ihrer Zitate:

Um Humor entwickeln zu können, braucht man Abstand zu den Dingen dieser Welt. Die höchste Kunst des Humors ist es, über sich selbst zu lachen – dazu braucht man Abstand zu sich selbst.

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Humorvolle Menschen lachen gerne, außerdem ist Lachen extrem ansteckend: Machen Sie sich den Spaß und lächeln Sie auf einer Veranstaltung im Freien Menschen einfach mal an. Sie werden sehen, dass 99 Prozent der Menschen zurücklächeln.

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Eine einfache Merkregel: LMAA – Lächle mehr als andere.

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Eine gute Übung, wenn es Ihnen mal so richtig dreckig geht: Gehen Sie wo hin, wo Sie niemand sieht und grinsen Sie eine Minute lang. Das fühlt sich erstmal komisch an, aber schlechter kann es dann ja nicht mehr werden. Sie werden sehen – es hilft und Sie sind danach automatisch besser drauf!

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Man muss sicher nicht immer gut drauf sein, aber immer öfter wäre schon sehr gut!

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Lachen ist gesund, wir sollten also schon unserer Gesundheit zuliebe viel lachen. Beim Lachen holt man vorher tief Luft und füllt seine Lunge. Das ist gut, weil wir alle zu flach atmen. Außerdem werden beim Lachen Aggressionen abgebaut, Schmerzen werden zu 50 Prozent weniger empfunden und es unterstützt unser Immunsystem.

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Frauen lachen deutlich öfter als Männer.

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Auch in die medizinische Behandlung findet Lachen immer mehr Einzug, ein Beispiel sind die Klinikclowns. Selbst in der Psychotherapie wird es angewendet, beispielsweise bei Angststörungen.