Hühnerrassen

Hühner als Leidenschaft

Christine Riel-Sommer & Maria Burkhardt, BLW
am Sonntag, 11.04.2021 - 06:50

Bei Rosa Wittmann aus Haimburg im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz gibt es auch nach Ostern noch viele bunte Eier. Die hat sie ihrer Hühnerschar zu verdanken, die die Hobbyzüchterin geschickt miteinander kreuzt.

Hühnerstall-mb

Schon bei meiner Mutter am Hof hatten wir immer selbstbrütende Hühner“, erzählt Rosa Wittmann. Weil ihr das bereits als junges Mädchen gefiel, holte sie sich vor 35 Jahren die erste Bruthenne in den eigenen Hühnerstall. Schnell wurde daraus eine bunt zusammengewürfelte Hühnerschar. Heuer begann die erste Glucke Anfang Februar mit dem Brüten und so freut sich die Hobbyzüchterin bereits über 16 Küken und baldige weitere Glucken. Einige davon haben sogar Namen, wie ihre einjährige rotbraune Orpingtonhenne Waltraud.

Von Anfang an entschied sich die Oberpfälzerin für Zwiehühner, da diese sowohl Fleisch- als auch Eierlieferanten sind. Denn Kükenschreddern kommt für sie nicht in Frage.

Kükenschreddern ist keine Alternative

Rosa-Wittmann-mb

Deshalb bevorzugt die Hobbyzüchterin Rassen mit guter Gewichtszunahme und kreuzt gerne das Bressehuhn ein. „Die legen bis zu 240 Eier im Jahr und ein Gockel hat stattliche 2,5 Kilo Schlachtgewicht“, zeigt sich die 58-Jährige zufrieden. Die „Wiesen-Göckel“ werden im Herbst geschlachtet. Dabei hilft ihr Mann Hans. Dann geht alles schnell und stressfrei für Mensch und Tier.

Für Rosa Wittmann sind ihre Hühner eine Leidenschaft, auch wenn die momentane Stallpflicht aufgrund der Vogelgrippegefahr derzeit ein Dämpfer ist. Zu ihrer Freude ist morgens beim Füttern und Eierholen häufig ihre 2-jährige Enkeltochter mit dabei. Auch Tochter Carina teilt das Interesse am Federvieh.

Seit einigen Jahren kommen immer mehr Familien zu Rosa Wittmann nach Haimburg, um sich Hühner für die Gartenhaltung anzuschaffen. Für die Hobbyzüchterin ist es eine runde Sache, Essensreste zu Eiern zu veredeln, die noch dazu besonders schön sind. Viele wundern sich dann, dass sie für eine kleine Hühnerschar gar keinen Gockel brauchen. Denn Eier legen die Hennen auch so. Nur wenn Küken schlüpfen sollen, muss ein Hahn her.

Reger Austausch mit anderen Hühnerhaltern

Rosa Wittmann genießt den regen Austausch mit anderen, begeisterten Hühnerhaltern und hat eigens eine Hühner-Whatsapp-Gruppe initiiert, in der Bruteier und Göckel ausgetauscht werden. Auf Wunsch organisiert sie darin auch die regelmäßige Impfung gegen die für Geflügel tödliche Krankheit Newcastle Disease. Denn ihre Tierärztin wohnt gleich in der Nachbarschaft.

Natürlich bunte Eier: Wie geht das?

Eine Henne und eine Hahn vor einem weißen Hintergrund

Schokobraun, dunkelgrün, hellblau, türkis, olivgrün und cremefarben: Die Eier, die Rosa Wittmann jeden Tag aus ihrem Hühnerstall holt, sehen wie gemalt aus. Wie macht sie das nur?, will da natürlich jeder wissen. Die Oberpfälzerin hält keine Hybridhühner, sondern alte Rassen, die noch ihren Naturinstinkt zum Brüten haben. So hat sich in ihrem Hühnerstall im Laufe der Zeit eine „bunte“ Hühnerschar entwickelt, erzählt sie. Nur knapp die Hälfte ist reinrassig. Alle anderen sind Kreuzungen, die die Veranlagung für verschiedene Eierfarben mitbringen.

Welche Farbe die Eier haben, ist bei jedem Huhn eine Überraschung. Die unscheinbarsten, hellen Hühner legen oft die schönsten Eier, staunt die Hobbyzüchterin immer wieder. Sie freut sich, dass ihre Hühner so gesund und unter ihren Mixhühnern so eifrige Brüterinnen sind.

Die schönen Marans legen schokofarbige Eier, die auch nach drei Monaten noch zum Brüten angesetzt werden können. Gewöhnlich schiebt Rosa Wittmann den Glucken aber eine Woche „alte“ Eier unter.

Nach drei Wochen schlüpfen die Küken, wenn alles gut geht. Und das tut es meistens. Denn sie achtet dabei auf die Mondphasen. Bei Vollmond schlüpfen die Küken leichter. Da scheint die Eihaut nicht so ledrig zu sein, hat sie beobachtet. Außerdem tauscht oder kauft die Hobbyzüchterin alle zwei Jahre neue Hähne. Im Herbst will sie ihren „Hühnerhaufen“ mit Italiener-Hennen auffrischen, die weißschalige Eier legen. Dazu soll noch ein Araucana-Hahn kommen, der von türkis bis blau und grün vererbt. Wenn ihr Plan aufgeht, schimmern die Eier nächstes Jahr in zarten Pastelltönen. Es ist jedes Mal spannend. „Man darf die Natur schon machen lassen“, sagt Rosa Wittmann. „Denn die Mischung macht's“.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt