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Fachkräftemangel

Hauswirtschafterinnen sind gefragter denn je

Hauswirtschaft-Hilfe-Senioren
Helga Gebendorfer
am Dienstag, 10.05.2022 - 15:50

Hauswirtschaftliche Fachkräfte sind sehr gefragt - gerade als Unterstützung für Senioren. Doch es fehlen Fachkräfte.

Wie wollen wir im Alter wohnen und wer hilft uns, wenn wir Unterstützung brauchen? Diese Frage wird wegen des demografischen Wandels und der sich verändernden Familienstrukturen immer wichtiger. Auch Kinder und jüngere Menschen, die wegen einer Erkrankung einen Pflegegrad beantragen können, brauchen Unterstützung. „Diese Einsatzbereiche werden die HWFs immer mehr fordern!“ Davon ist Maria Neumair, Vorsitzende des Verbandes Hauswirtschaftlicher Fachservice-Organisationen in Bayern (HWF), überzeugt. Bei der Jahreshauptversammlung in Pörnbach (Lks. Pfaffenhofen) gab sie einen Überblick über die Einsatzgebiete der HWFs.

Senioren sind großes Standbein für Hauswirtschafterinnen

In den letzten Jahren waren nach ihrer Auskunft vor allem Senioren ein großes Standbein der HWFs. Denn die meisten älteren Menschen möchten so lange wie möglich selbstständig in den eigenen vier Wänden wohnen und benötigen deshalb verstärkt hauswirtschaftliche Unterstützung und Alltagsbegleitung. „Die Nachfrage nach ambulanter hauswirtschaftlicher Betreuung und Versorgung Pflegebedürftiger und anderer vielfältiger Einsatzgebiete wächst stetig“, betonte die Vorsitzende.

Wenn die Forderung „Ambulant vor stationär“ ernst genommen wird, braucht es hauswirtschaftliche Dienstleistungen auf professionellem, verlässlichem Niveau, abgestimmt auf den Bedarf der Kunden, transparent in der Preisgestaltung und Leistung. Leider stellt sich die Ist-Situation laut Neumair anders dar: So können Leistungen der Pflegekassen nicht eingesetzt werden, weil die nötigen Kapazitäten fehlen.

Um die Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen befriedigen zu können, werden Unternehmen benötigt, die diese in guter Qualität zuverlässig erbringen können. Da diese Leistungen jedoch von Kostenträgern wie Pflegekassen derzeit gering honoriert sind, lohnen sie sich für Unternehmen nicht. „Es ist höchste Zeit, eine Veränderung herbeizuführen“, forderte Neumair. Ihr Vorschlag: Die Kostensätze für hauswirtschaftliche Dienstleistung müssen denen der Betreuung angeglichen werden, so erfahren sie mehr Wertschätzung.

Hauswirtschaft stärker bewerben

Außerdem sei es notwendig, die Berufsausbildung in der Hauswirtschaft zu stärken, um ausreichend Fachkräfte zu bekommen. „Qualifizierte Unternehmerinnen zu bekommen, ist sehr schwer. Es wird nur attraktiver, wenn die Bezahlung stimmt“, stellte die Vorsitzende fest.

Silvia Berschl, Leiterin des Schreibbüros und Schatzmeisterin, verkündete, dass der HWF Bayern 2021 insgesamt 215 817 Arbeitsstunden geleistet hat. Dabei konnte trotz erschwerter Arbeitsbedingungen durch Corona bei den Entlastungsangeboten und der Verhinderungspflege ein Zuwachs von 20 % verbucht werden. „Allerdings sind wir noch weit entfernt von der Stundenzahl vor der Pandemie“, verriet sie und forderte die Zuhörerinnen auf, Werbung für das Berufsbild zu machen.

Ihre Wertschätzung und Anerkennung überbrachten Maria Anzenberger vom Landwirtschaftsministerium, Elisabeth Forster vom bayerischen Landesausschuss für Hauswirtschaft und Elisabeth Mayerhofer, stellvertretende Bezirksbäuerin in Oberbayern. „Sie leisten wertvolle Arbeit in der Gesellschaft und kümmern sich um das Wohlbefinden der Menschen“, betonten sie und lobten deren Qualität. Alle drei sagten den gefragten hauswirtschaftlichen Fachkräften ihre Unterstützung zu.

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