Gründonnerstag

Handwaschung statt Fußwaschung

Ein Pfarrer gießt einer Gläubigen mit einer Kanne, Wasser über ihre Hände. Im Hintergrund steht eine Ministrantin und reicht ein Handtuch.
Josef Kleinhenz
am Donnerstag, 01.04.2021 - 15:30

In einer Pfarrgemeinde in Unterfranken wäscht der Pfarrer den Gläubigen die Hände statt die Füße am Gründonnerstag.

Symbolhaft rein werden. Das ist der Hintergrund der Fußwaschung am Gründonnerstag. Die Geistlichen ahmen damit die Zeichenhandlung Jesu nach, der seinen Jüngern vor der Feier des Paschamahles die Füße wusch. In der Pfarrgemeinde Althausen im Landkreis Rhön-Grabfeld (Unterfranken) hat sich seit fast 30 Jahren die Handwaschung als Tradition etabliert. Auch wenn sie heuer wegen der Corona-Pandemie ausfallen wird, wollen wir sie vorstellen.

Seit 1993 wird die Handwaschung praktiziert

Eingeführt wurde die Handwaschung im Jahr 1993 vom inzwischen verstorbenen Ruhestandspfarrer Felix Funk. Die Handlung wurde aus der Not heraus eingeführt. Der Geistliche wollte ursprünglich eine Fußwaschung durchführen und suchte dafür im Ort nach zwölf Personen – entsprechend der Anzahl der Apostel, denen Jesus die Füße wusch. Da er nicht so viele Freiwillige fand, führte er die Handwaschung für die ganze Gemeinde ein.

Auch der heutige Pfarrer Karl Feser wäscht den Gläubigen in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Althausen die Hände und bezieht so alle Gottesdienstbesucherinnen und -besucher in das Abendmahlgeschehen mit ein. Eine Fußwaschung für alle Gemeindeglieder wäre für den Pfarrer zwar eindrücklicher, würde aber zu lange dauern, sagt er. Der Symbolik des ursprünglichen Zeichens ist sich Pfarrer Feser durchaus bewusst: „In der antiken Lebenswelt gehört die Fußwaschung zum Dienst der Sklaven an den Gästen.“ Obwohl sie eine niedere Dienstleistung ist, drücke die Fußwaschung Achtung und Verehrung, Zuvorkommen und Zuwendung aus. Die Geste Jesu in Form der Fußwaschung sei Ausdruck seiner Liebe zu den Menschen und dienender Selbsthingabe, fasst er zusammen.

Auch die Handwaschung ist ein Reinigungsritual mit symbolischer Bedeutung. „Der Herr erweist mir einen Dienst, so wie ich auch immer wieder anderen einen Dienst erweisen soll“, erläutert Feser. Die Handwaschung verbindet sich schließlich auch mit dem Auftrag der Nächstenliebe. Deshalb sieht Feser die Handwaschung als persönliches Zeichen für jeden einzelnen Christen auf dem Weg hin zu Ostern.

Gebet zur Handwaschung

Sanft sind diese Hände,

erfrischend ist das Wasser.

Zögerlich sind meine Hände,

sehnsüchtig ist meine Seele.

Unbeholfen ist meine Freude.

Verschämt ist mein Dank.

Eindeutig aber sind deine Worte,

unwiderstehlich ist deine Liebe.

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