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Kunst in der Direktvermarktung

Handlettering im Hofladen wirkungsvoll einsetzen

Ute-Graeber-Handlettering-Eierkarton
Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Dienstag, 11.10.2022 - 11:00

Kalligrafie-Künstlerin Ute Gräber zeigt, wie man Handlettering effektiv in der Direktvermarktung einsetzen kann. Das Schreiben tut gleichzeitig der Seele gut.

Ute-Graeber-Handlettering-Kartoffelsack

Geschriebene Worte strahlen eine starke Kraft aus. Dessen ist sich Ute Gräber sicher. Sie ist Künstlerin und Kalligrafin und unter dem Namen „Schriftkraft“ in Neumarkt in der Oberpfalz ansässig. Sie zeigt, wie man Schrift als Kunst im Hofladen, an der Milchtankstelle, am Markt oder im Verkaufshäusl einsetzen kann. Die schön gestalteten Schilder und Auszeichnungen schaffen Aufmerksamkeit und sprechen damit noch mehr Kunden an.

Gräber nutzt dafür die Technik des Handletterings, was wörtlich übersetzt „schreiben mit der Hand“ heißt. Mittlerweile ist der Begriff aber schon fest verankert in der Künstlerszene. Die Schrift des Handletterings hat eine ganz eigene Charakteristik. Die Buchstaben gleichen der Schreibschrift, sind aber stark geschwungen und teils verschnörkelt. Die Kalligrafin betont gleich zu Beginn: „Es ist eine Technik, die jeder und jede lernen kann. Es braucht kein Talent, sondern nur Übung.“

Kalligrafie folgt Regeln, Handlettering ist frei

Ute-Graeber-Handlettering-Stuhl-Kalligrafie: Auf einem goldenen Holzstuhl ist mit schwarzer Farbe in Fraktur etwas darauf geschrieben.

Handlettering unterscheidet sich von der klassischen Kalligrafie. Bei der Kalligrafie gibt es ganz viele Regeln. Etwa, wie breit die Feder, wie hoch und breit der Buchstabe sein darf. Und jede Schriftart hat einen Namen. Gelernt hat Gräber fast alle historischen Schriften. Am liebsten schreibt sie aber die Unziale und Textur. Die Unziale ist eine alte Schriftart aus dem 4. Jahrhundert, die nur aus Großbuchstaben besteht und vermutlich aus der alten römischen Schrift abgeleitet wurde. „Die ist heute aber immer noch sehr schön. Sie ist sehr rund, sehr weiblich und für Vieles gut geeignet“, erzählt die Kalligrafin. Die Textur ist laut Gräber „eine recht steife, gradlinige Schrift“, die im Hochmittelalter für den Buchdruck entstanden ist und zur Gruppe der gebrochenen Schriften zählt. Das bedeutet, dass die Bögen eines Buchstabens ganz oder teilweise gebrochen sind. Das heißt, man erkennt durch die Schreibbewegung ein oder mehrere abrupte Richtungswechsel in der Strichführung mit der Feder.

Beim Handlettering gibt es keine Regeln „es ist einfach nicht so starr, einfacher und bunter“, sagt Gräber. „Damit ist viel mehr möglich!“, erklärt sie weiter. Es sei eine Art Vorstufe zur Kalligrafie und eigene sich für alle, als Einstieg in die Kunst der Schönschrift. Üben müsse man es aber trotzdem genauso.

Handlettering-Workshop begeistert Landfrauen

Ute-Graeber-Handlettering-schreiben

Ute Gräber hat vor 20 Jahren mit ihren ersten Versuchen begonnen. Mittlerweile ist sie selbstständige Künstlerin und lebt von ihrer „Schriftkraft“. Außerdem gibt sie auch Kurse, in denen sie schon zahlreiche Interessierten geschult uns inspiriert hat. Anfang des Jahres war sie auch schon mit einem Workshop zu Gast bei den Landfrauen des BBV in Ingolstadt. „Das kam sehr gut an“, betonten die Organisatoren im Nachhinein. Deswegen haben auch wir die Künstlerin in ihrer Werkstatt besucht. Sie zeigte dem Wochenblatt ihre Ideen, wie man Schönschrift praktisch im Hofladen einsetzen kann.

Viele Ideen für den Einsatz im Hofladen

Ute-Graeber-Handlettering-Tafel

Der erste Eindruck geht schon vor der Tür los. „Ein besonderer Hingucker sind schön gestaltete Fenster oder eine schön beschriebene Tafel vor der Tür“, rät Ute Gräber. Direktvermarktern sind dabei keine Grenzen gesetzt, theoretisch könnten sie auch ganze Wände ihres Ladens, ihrer Milchtankstelle oder ihres Selbstbedienungs-Häuschens verschönern.

Auch bei den Produkten sind keine Grenzen gesetzt. Mit nur wenigen Pinselstrichen gelingt etwa eine Banderole für den Eierkarton. Oder wer Säfte oder Marmeladen einmacht und verkauft, gestaltet schöne Etiketten. „Es darf nicht zu viel zusätzliche Arbeit schaffen, deswegen reicht es, einmal das Design zu schreiben und anschließend zu kopieren“, rät Gräber. Auf den ausgedruckten Etiketten könne man nach Belieben beispielsweise per Hand noch eine paar Highlights setzen. Auf die Frage hin, wie oft man so ein Design erneuern sollte, sagt die Künstlerin ganz klar: „Sobald es einem nicht mehr gefällt!“ Das könne schon nach ein paar Wochen oder aber auch erst nach ein paar Jahren sein.

Handlettering-Produkte ebenfalls im Hofladen anbieten

Ute-Graeber-Handlettering-Wilkommensschild lehnt neben einer Haustür.

Doch nicht nur für die Auszeichnung und die Deko des Hofladens kann man Handlettering einsetzen. Wer Gefallen daran gefunden hat, kann eigene Produkte gestalten und diese ebenfalls verkaufen. Das fängt an bei Grußkarten, über beschriebenen Holzelemente, wie eine Türschild, bis hin zu einer Einkaufstasche aus einem Kartoffelsack, auf dem eine motivierender Spruch steht.

Handlettering lernen mit unseren Übungsblättern

Ute-Graeber-Handlettering-Eierlikoer-Schild

Sobald die Ideen da sind, bleibt nur noch die Frage: Wie mit dem Üben anfangen? Künstlerin Ute Gräber betont „Einfach drauf los!“ Wie man erste Handlettering-Striche zieht, zeigt die Expertin in einem YouTube-Video (oben oder unter www.dlv-agrar.de/bruschpentutorial). Darin nutzt sie sogenannte „Brush Pens“, also Stifte, die mit einer weichen Filz-Pinselspitze schreiben. Beim Schreiben damit kommt es auf den Druck an. Bei den Strichen, die nach unten gezogen werden, drückt man fester hin, so entsteht eine dickere Linie. Bei Strichen, die nach oben gezogen werden, nimmt man den Druck weg und lässt nur die feine Spitze des Brush Pens über das Papier gleiten, so entsteht eine feine Linie. Wendet man diese Technik bei Schreibschrift-Buchstaben an, bekommt man den charakteristischen, geschwungenen Handlettering-Stil hin.

Auch das Wochenblatt hat zu Weihnachten 2020 schon einmal erklärt, wie Handlettering funktioniert. Wir haben damals Ideen für weihnachtliche Grußkarten geteilt und Übungsblätter erstellt. Unter www.dlv-agrar.de/handlettering (oder direkt durch die Verlinkung hier unten) können Sie diese kostenlos herunterladen. Wo wir schon bei Weihnachten sind: Wer sich während des Advents die Technik des Handletterings beibringen will, sollte sich den Adventskalender von Ute Gräber ansehen. Sie bietet dieses Jahr zusammen mit der Firma „Online“ einen Kalligrafie-Adventskalender mit Online-Kursen an. Alles Infos dazu gibt es rechtzeitig auf ihrem Instagram-Kanal @graeber_ute_schriftkraft oder unter www.online-pen.de/adventskalender-2022-kalligrafie/18026.

Schreiben ist wohltuend für die Seele

Ute-Graeber-Handlettering-Marille

Auch die Übungsblätter sind nichts für den Müll. Die Künstlerin nutzt ihre beschriebenen Blätter beispielsweise zur Gestaltung von Karten oder Bildern. „Da steckt so viel Zeit und Mühe drin, die Blätter sind viel zu schade zum Wegwerfen“, schmunzelt sie. Gräber hat sich dieses Jahr auch eine ganz persönliche Herausforderung gesetzt. Sie will kein Papier kaufen und nur mit dem arbeiten, was sie ohnehin zu Hause hat oder über Verpackungen und andere Wege zu ihr kommt.

Ute Gräber fasziniert am Schreiben aber nicht nur das Ergebnis, sondern auch das Tun: „Diese Ruhe beim Schreiben ist fast wie Meditation.“ Sie geht sogar noch weiter. Sie ist sich sicher, dass von den geschriebenen Worten auch Kraft ausgeht. „Ich bin immer der Überzeugung, dass alles, was in den Schriftbildern drinnen ist, auch nach außen hin wirkt“, beschreibt die Künstlerin. Dabei sei es egal, ob man die Worte liest, sie bewusst ansieht oder vielleicht auch gar nicht lesen kann. Nach diesem Motto hat sie auch beispielsweise ihr Esszimmer gestaltet und könnte sich vorstellen, dass das auch im Hofladen wirken könnte. An den Küchenwänden von Ute Gräber stehen Worte wie „genießen, Freude, Lachen, Essen, Wertschätzung“.

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