Naturphänomen

Glühende Partnersuche

Glühwürmchen ziehen ihre hellen Spuren durch den dunklen Wald.
Ludwig Holly
am Sonntag, 04.07.2021 - 07:13

Glühwürmchen schwirren in lauen Sommernächten durch Wälder und Gärten und bringen ein mystisches Licht ins Dunkle. Wir erklären das Naturschauspiel.

Der Name von Glühwürmchen ist in doppelter Hinsicht irreführend: Sie sind zum einen keine Würmchen und zum anderen glühen sie nicht. Die Bezeichnung Glühwürmchen geht auf das larvenähnliche, wurmartige Aussehen und das Leuchtvermögen der Weibchen zurück. „In Wirklichkeit handelt es sich um Käfer, die unter dem Oberbegriff Leuchtkäfer (Lampyridae) eingeordnet werden und von denen weltweit rund 2000 Arten bekannt sind“, erklärt Olaf Schmidt, ehemaliger Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising-Weihenstephan (LWF).

Drei heimische Arten

Glühwürmchen

In Deutschland gibt es aber nur drei heimische Arten: Den Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca), den Kurzflügel-Leuchtkäfer (Lampyris hemipterus) und den Kleinen Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula). Letzterer ist es, den man an einem warmen Sommerabend nach Einbruch der Dämmerung leuchtend umherfliegen sieht.

Die Weibchen des Kleinen Leuchtkäfers sind hell, rund 10 mm lang und leuchten am stärksten, um die Männchen anzulocken. Da sie keine Flügel haben, müssen sie am Boden bleiben. Sie sitzen in erhöhter Position und warten, bis ein Partner in ihre Nähe kommt. Diesen locken sie dann durch ein intensives gelb-grünliches Leuchten am Hinterende ihres Körpers, das durch die fehlenden Flügel besonders gut sichtbar ist, an und signalisieren ihm ihre Paarungsbereitschaft.

Die etwas kleineren, umherschwirrenden Männchen lassen sich dann zielgenau aus rund zwei Metern Höhe auf die Weibchen fallen. Nach dem feurigen Rendezvous legen die Weibchen 60 bis 90 Eier in den Boden, aus denen nach etwa vier Wochen kleine Larven schlüpfen. Fast die ganze Zeit ihres Lebens leben die Glühwürmchen als Larven im Boden: Nach drei Jahren und fünf Häutungen sind die Larven mit einer Größe von 2,0 bis 2,5 cm ausgewachsen, sie verpuppen sich und nach rund 10 Tagen schlüpfen etwa ab Mitte Juni die Käfer.

Das leuchtende Dasein der Käfer dauert also nur ein bis zwei Wochen und dient allein der Fortpflanzung. Nach der Paarung ist die Liebesgeschichte vorbei, das Männchen stirbt nach wenigen Tagen. Das Weibchen lebt noch paar Tage länger, um die Eier abzulegen, und dann erlischt auch ihr Licht.

Auf Schneckenjagd

Leuchtkäfer leben in lichten Laubwäldern, an Wald- und Gehölzrändern, auf feuchten Wiesen, in Gärten und in Parks. Gerne haben sie es, wenn ein Gewässer in der Nähe ist. „Im Schutz der Nacht gehen sie auf Futtersuche. Ihre Leckerbissen sind Schnecken, vor allem Nacktschnecken“, erzählt Experte Schmidt. „Sie töten die Schnecken durch einen Giftbiss und bringen sie an einen geschützten Platz, wo sie die Beute fressen können.“

Die Leuchtkäfer überwintern in einer Art Winterstarre im Boden. Sobald es im Winter aber mildere Phasen gibt, kommen sie hervor und gehen auf Schneckenjagd. So sind sie gern gesehene Nützlinge im Garten. Wenn sie nicht da sind, dann werden sie aber wohl auch künftig nicht kommen, denn Glühwürmchen wandern nicht und wechseln auch nicht ihren Lebensraum. „Man kann sie nur dort fördern, wo sie schon vorkommen“, betont Schmidt.

Neben ihren natürlichen Feinden, wie Vögeln, Echsen und Fröschen, ist es der Mensch, der den Käfern das Leben schwer macht. Lebensraumzerstörung durch Urbanisierung und Industrialisierung, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die zunehmende Lichtverschmutzung setzen ihnen schwer zu, sodass sie fast überall im Rückzug sind.

Das Leuchten fördern

Will man etwas Gutes für die Glühwürmchen tun, dann sollte man im Garten nicht zu häufig mähen und ungemähte Bereiche belassen. Auch kleine Asthaufen in einer schattigen Ecke helfen ihnen, denn diese werden gerne vom Weibchen als Sitzplatz angenommen. Wenn man dann noch während der Flugzeit der Käfer abends das Licht ums Haus und im Garten ausschaltet, kann sich jedes Jahr wieder an ihrem magischen Leuchten erfreuen. Denn ein Sprichwort sagt: „In einem Garten, in dem Glühwürmchen leuchten, herrscht ein guter Geist“.

Glühwürmchen sind fliegende LED

Glühwürmchen verwenden seit Jahrmillionen ein Prinzip, das von den Menschen zur Energieeinsparung erst seit einigen Jahren bei LED-Leuchtkörpern zur Anwendung kommt. Den Leuchtkäfern gelingt dies durch eine biochemische Reaktion, auch Biolumineszenz genannt:

Im teils durchsichtigen Hinterleib der Käfer befindet sich das Leuchtorgan, das aus spezialisierten Zellen (Photocyten) besteht. Sie enthalten als Leuchtstoff das Luciferin, das mit dem Enzym Luciferase einen Komplex bildet. Kommt Sauerstoff hinzu, beschleunigt die Luciferase als Katalysator die Oxidation des Luciferins. Dabei wird Energie frei, die als grün-gelbliches Licht leuchtet.

Um Energie zu sparen, können die Glühwürmchen das Licht auch durch einen komplexen Vorgang in Bruchteilen einer Sekunde ein- und ausschalten. So kommt zu dem einmaligen und fantastischen Naturschauspiel der blinkenden Lichtpunkte.

Das leuchtende Schauspiel beginnt, sobald es dunkel wird. Am besten kann man es ab etwa 22 Uhr bis gegen Mitternacht beobachten.

„Auch die Eier und Larven der Kleinen Leuchtkäfer können leuchten. Die Larven leuchten über zwei seitliche punktförmige Leuchtorgane, allerdings selten und wesentlich schwächer als die Käfer selbst“, erklärt Olaf Schmidt von der LWF. „Das schwache Leuchten der Eier und Larven soll Fressfeinde abschrecken, was sehr gut funktioniert, denn weder Vögel noch Ameisen machen sich über sie her.“

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