Weihnachtsbaum

Die Geschichte des Christbaums: Gabenbaum wird Schmuckobjekt

Ein Kupferstich mit dieser Szene: Zwei Männer sitzen am Tisch, der eine mit Bierkrug in der Hand. Vor dem Tisch sind zwei Kinder im Kindergartenalter. Ein Bub mit Kniebundhose, Weste und Stiefel. Er spiel Trompete. Daneben steht ein Mädchen im Kleid mit Rüschen am Kragen. Am rechten Rand steht vor dem Tisch eine Frau mit aufwendigem Kleid und einem Kind auf dem Arm. Sie zeigt ihm den Christbaum, der auf dem Tisch hell erleuchtet steht.
Wolfgang Wirt/SG
am Freitag, 25.12.2020 - 08:15

Längst ist der Christbaum eines der wichtigsten Symbole für Weihnachten geworden. Dabei ist der Brauch, am Heiligen Abend einen Baum aufzustellen, erst im letzten Jahrhundert richtig in Mode gekommen. Ein Rückblick.

Wer hat damit angefangen, an Weihnachten einen Christbaum aufzustellen? Worauf dieser Brauch genau zurückgeht, ist nicht final geklärt, aber es gibt viele Theorien.

Es ist davon auszugehen, dass sich der Brauch, einen Christbaum aufzustellen, aus dem Paradiesspiel begründet. Dieses wurde im späten Mittelalter neben Krippenspielen als Auftakt zum Weihnachtsfest in den Kirchen aufgeführt. Das szenische Spiel sollte an Adam und Eva erinnern, deren Namenstag noch heute am Heiligen Abend gefeiert wird. Als „Früchte der Versuchung“ schmückten rote Äpfel die Bäume, die auf den Sündenfall verwiesen.

Häufig wird behauptet, dass das Ritual des Christbaums auf ältere Kulturen wie die Germanen oder Römer zurück geht. Diese holten sich zum Jahreswechsel grüne Zweige ins Haus. Die Wissenschaft sieht diese Theorie als Ursprung des Christbaums aber kritisch.

Erster Christbaum war ein Gabenbaum für Arme

„Die ältesten Dokumente, die einen geschmückten Tannenbaum innerhalb eines Hauses belegen, stammen aus dem Umfeld der Festbräuche des städtischen Handwerks“, erklärt Brauchwiki, das Internetportal des Bayerischen Landesverbands für Heimatpflege. 1419 habe die Bäckerzunft in Freiburg einen weihnachtlichen Gabenbaum für die Armen aufgestellt. Geschmückt wurden diese Bäume mit Äpfeln und Oblaten, aber auch Birnen, Nüssen und Blumen aus Papier. Dazu Zuckerzeug und anderes Naschwerk, das Erwachsene und Kinder zum Jahreswechsel oder am Dreikönigstag schließlich zum Verzehr von den Christbäumen schüttelten.

Bis Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Christbaum als Allgemeingut angesehen. Standen die ersten Bäume vor allem in oberrheinischen Städten wie Freiburg, wurden sie später in den protestantischen Großstädten des Nordens und Ostens Mode. In Fürstenhäusern und Hofgütern fing man an, die Geschenke unter dem Christbaum zu platzieren.

Für den Großteil der katholischen Bevölkerung aber blieb der Nikolaus weiter Gabenbringer, erhielten die Kinder schon Anfang Dezember ihre Geschenke. Kein Wunder, dass man in den katholischen Regionen den Protestantismus schließlich als „Tannenbaumreligion“ verspottete.

Schiller und Goethe als Wegbereiter

Christbaum

Den Boden für die weitere Verbreitung des Christbaumes bereiteten Deutschlands Geistesgrößen. Friedrich Schiller wünschte sich zum Besuch seiner Schwiegereltern 1789, dass sie ihm „einen grünen Baum im Zimmer aufrichten!“ Auch Johann Wolfgang von Goethe notierte im Jahr 1821: „Bäume leuchtend, Bäume blenden, überall das Süße spendend. In dem Glanze sich bewegend. Alt und junges Herz erregend, solch ein Fest ist uns bescheret; mancher Gaben Schmuck verehret, staunend schaun wir auf und nieder, hin und her und immer wieder“.

Passend zu dem Baum entwickelte sich eine Industrie, die eine Vielzahl von Schmuck für die Bäume anbot: Engel mit Windeln und Krippenfiguren aus Wachs fertigten sie, kleine Früchte, Rüben und Brezeln in Körben, die man an den Baum hängte. Auch die Christbaumständer wurden immer perfekter. In den 1860er Jahren kamen schwere, aus Eisen gegossene Ständer in Mode, die den Bäumen immer mehr Stabilität verliehen und das Schmücken der Christbaumspitze beförderten. Ein Platz, den sich Verkündigungsengel sicherten. Himmlische Boten mit Spruchbändern wie „Ehre sie Gott in der Höhe“ oder „Friede den Menschen auf Erden“. Viele Bürger krönten ihre Bäume mit Sternen, die an den Stern von Bethlehem erinnern sollten.

19. Jahrhundert: Christbaumkugeln wurden modern

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen schließlich Christbaumkugeln in Mode. Der Legende nach war es ein Lauschaer Glasbläser, der sich die gewohnten Äpfel als Baumschmuck nicht leisten konnte. Eine ähnliche Geschichte erzählt man sich auch im ostfranzösischen Glasbläser-Dorf Meisenthal. Dort soll ein Arbeiter 1858 die ersten Christbaumkugeln geblasen haben. Zu den Christbaumkugeln gesellten sich Goldpapierketten, Strohsterne, mit Lackbildchen überklebte Zuckerfiguren oder Schokolade, und auch Lametta.

„Für die Entwicklung des Christbaumbrauchs von einer exklusiven Erscheinung hin zum populären Ausdruck familiärer Innigkeit, war der Deutsch-Französische Krieg von 1870 / 71 maßgeblich“, beschreibt Brauchwiki die weitere Entwicklung. „Im Kriegswinter wurden die Voraussetzungen für eine Verbreitung des Christbaumes als „echt deutschem“ Festsymbol geschaffen.“ Bis zur großflächigen Akzeptanz des Christbaumes aber dauerte es noch lange. Denn echt katholisch, argumentierten manche Geistliche noch Anfang des 20. Jahrhunderts, sei nur die Krippe ohne Baum.

Aktuelle Trends: neuer Schmuck und Zweitbaum

Ein reich geschmückter Christbaum.

Inzwischen ist der Christbaum in dem meisten Familien Mittelpunkt der Weihnachtsfeier. Der Trend geht sogar zum Zweitbaum. Viele Familien kaufen sich bereits für die Vorweihnachtszeit einen Baum, den sie draußen aufstellen und mit Lichterketten erleuchten. Genutzt werden dafür auch Bäume, die im Garten wachsen. Auch der Schmuck des Christbaums unterliegt der Mode, jedes Jahr werden neue Kollektionen gefertigt. Auf der Suche nach immer neuen Trends greift die Industrie auch zu einer Ausführung des Brauchs, der uns heute als kurios erscheint: Früher war es in manchen Regionen, zum Beispiel in Teilen Frankens oder Steiermark verbreitet, den Christbaum an der Decke aufzuhängen – verkehrt herum.

Auch der Baum selbst wird immer weiter entwickelt: Vor allem die Dänen als großer Exporteur experimentieren mit geklonten Christbäumen. So suchen Fachleute nach Bäumen mit perfekter Form und hohem Wasseranteil, die möglichst wenig entflammbar sein sollen. Und auch Schädlingen sollen die neuen Christbäume trotzen. Kein Wunder, dass längst künstliche Weihnachtsbäume auf dem Markt sind, die große Kaufhäuser gleich schon festlich geschmückt in alle Welt verschicken.

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