Musik

Die Geschichte der bekannten Weihnachtslieder

Eine Gedenktafel darauf steht: "Dem unvergesslichen Schöpfer des Liedes Stille Nacht, Josef Mohr, Vikar, welcher vom Jahre 1828-1837 in Hintersee treuer Seelenhirte war. Die dankbare Pfarrgemeinde Hintersee: Du hast durchs Liedchen Stille Nacht die ganze Welt erfreut. Dafür hat Dir Gott Lohn gebracht in ewiger Seeligkeit.
Peter Beyer/Pia Hoffmann/SG
am Freitag, 18.12.2020 - 14:00

Woher kommen fünf unserer beliebtesten Weihnachtslieder und wer hat sie geschrieben? Wir geben einen Überblick.

Hört man in der Adventszeit ein Weihnachtslied im Radio oder Fernsehen, summt man ganz automatisch mit. Einmal als Kind gelernt, hat man den Text ein Leben lang parat. Obwohl uns diese Lieder wie selbstverständlich durch die Vorweihnachtszeit begleiten oder wir sie mit der Familie am Heiligen Abend singen, kennen die wenigsten Menschen ihren Ursprung. Deshalb haben wir fünf bekannte deutschsprachige Lieder genauer unter die Lupe genommen.

Stille Nacht, heilige Nacht

Ein Gemälde von Joesf Mohr. Er schreibt mit Feder und Tinte auf ein Blatt Papier.

Dieses Lied kennt man nicht nur im deutschen Sprachraum – es gilt als das bekannteste Weihnachtslied der Welt. Der Text des ursprünglichen Gedichtes wurde in mehr als 300 Sprachen und Dialekte übersetzt. Verfasst hat es der österreichische Vikar Joseph Mohr in Mariapfarr im Salzburger Bezirk Lungau bereits im Jahr 1816. Franz Xaver Gruber, Arnsdorfer Dorfschullehrer und Organist, komponierte dann vor Weihnachten 1818 auf Wunsch von Mohr eine Melodie zu seinem Gedicht.

An Heiligabend des gleichen Jahres war es schließlich soweit: Gruber und Mohr führten in der Kirche Sankt Nikola in Oberndorf bei Salzburg das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ erstmals auf. Das Zusammenspiel von Text und Musik war enorm: Mit seiner suggestiven Melodie und seinem schlichten, dafür umso eingängigeren Text vermittelte das Lied Trost und Hoffnung in schweren Zeiten.

Ein Orgelbauer nahm das Lied aus Oberndorf mit ins Zillertal, wo es durch die Sängerfamilie Rainer in alle Welt verbreitet wurde. 1822 wurde es bei Kaiser Franz I. und Zar Alexander I. aufgeführt – und schon 1839 in New York. Knapp zweihundert Jahre später, 2011, wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ gar zum Immateriellen UNESCO Kulturerbe in Österreich erklärt.

Ihr Kinderlein, kommet

Ein Porträt von Christoph von Schmid.

Der Autor dieses Weihnachtsliedes, Christoph von Schmid, wurde im Jahr 1768 in Dinkelsbühl im Landkreis Ansbach geboren. Der katholische Pfarrer und geistliche Schriftsteller war der erfolgreichste Jugendschriftsteller seiner Zeit. „Kindererziehung ist ein Engelsgeschäft“, predigte von Schmid, der es als Lebensaufgabe ansah, die sanfte Pädagogik voranzutreiben in einer Zeit, als im Kinderzimmer der Rohrstock regierte.

Auch wenn sein Name nicht jedem geläufig ist, ist zumindest eines seiner Werke mehr als 200 Jahre später noch in aller Munde. Sein Gedicht „Die Kinder bey der Krippe“ bildete die Grundlage für das Weihnachtslied „Ihr Kinderlein, kommet“. Gedruckt erschien der Text erstmals 1811, es gibt dazu mehrere Vertonungen, die uns bekannte stammt von aus dem Jahr 1837 von Franz Xaver Luft.

Ein Glühweinbecher mit weißer Glasur, darauf das Bild einer Steinstatue, goldene Sterne und der Text "Ihr Kinderlein kommet..." mit dem Namen des Autors Christoph von Schmid

In seiner mittelfränkischen Heimatstadt wird Christoph von Schmid bis heute verehrt. Dort sind ihm nicht nur ein Denkmal, Museumsräume, Gebäude und Straßen gewidmet, sondern sein Konterfei ziert sogar einige Glühweinbecher auf dem Dinkelsbühler Christkindlmarkt.

O Tannenbaum

Kein anderes Weihnachtslied wurde wohl so häufig umgedichtet wie dieses. So ist die Melodie Grundlage der Hymne einiger US-amerikanischer Bundesstaaten, des Fan-Gesangs des englischen Fußballvereins FC Chelsea und auch im Deutschen Sprachgebrauch wurde das Lied häufig parodiert. Bevor es allerdings der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz zu dem heute weit bekannten Stück machte, war „O Tannenbaum“ ein tragisches Liebeslied: August Zarnack, ein deutscher Prediger und Pädagoge, schrieb seinen Text im Jahr 1819 auf eine Melodie, die aus dem 16. Jahrhundert stammte. In seinem Lied symbolisierte er den Tannenbaum als treuen, beständigen Liebenden mit der Zeile „... wie treu sind deine Blätter.“ Im Kontrast dazu stand dessen lotterhafte Geliebte, die in der zweiten Strophe mit den Worten „O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte“ besungen wurde.

Im Jahr 1824 machte sich schließlich Anschütz ans Werk: Die erste Strophe des Liedes behielt er bei, dichtete aber die zweite und dritte Strophe zu dem uns heute bekannten Lied um.

Kommet, ihr Hirten

Dieses berührende Lied stammt ursprünglich aus Böhmen. Den Text, wie wir ihn heute singen, hat der Leipziger Komponist Carl Riedel im Jahr 1868 geschrieben. Sprachlich hatte er sich dabei stark von der Originalübersetzung entfernt, inhaltlich blieb der Komponist aber bei der Verkündigung der Geburt Jesu durch die Hirten. So passte auch der ursprüngliche Titel gut, der anfangs noch „Die Engel und die Hirten“ lautete. Dieses Hirtenlied führte Riedel schließlich mit seinem Chor auf. So wurde es auch in Deutschland populär.

Oh du fröhliche

Seine Melodie beruht auf einer sizilianischen Volksweise. Diese nahm der Weimarer Kirchenlieddichter Johannes Daniel Falk auf und dichtete darauf um das Jahr 1815 seinen eigenen Text. Im Original handelt dieser nicht rein von Weihnachten. Falk schrieb ein „Allerdreifeiertagslied“, in welchem die drei Hauptfeste der Christenheit –Weihnachten, Ostern und Pfingsten – besungen werden.

Besonders die Worte „Welt ging verloren“ geben Einblick in die damalige Situation: Falk, der während Kriegs-reicher Zeit vier seiner sieben Kinder durch Typhus verloren hatte, gab mit seiner Frau Caroline Kriegswaisen ein Zuhause. Den Waisen soll er sein Lied gewidmet haben.

In dem Weihnachtslied, wie wir es heute singen, stammt nur noch die erste Strophe von Falk. Weiterentwickelt und schließlich im Jahr 1826 veröffentlicht hat es Heinrich Holzschuher. Der im oberfränkischen Wunsiedel geborene Gehilfe Falks war Sozialarbeiter und ein Dichter von Kirchenliedern.

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