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Kräuterexpertin

Eva hat Erfolg mit Löwenzahn auf Instagram

Melanie Bäumel-Schachtner
am Donnerstag, 22.09.2022 - 15:45

Wie gut sich altes Kräuterwissen und moderne Medien wie Instagram vertragen, zeigt die Kräuterpädagogin und Bäuerin Eva Wührer aus Simbach bei Landau.

Eva-Wührer-Kräuterpädagogin

Wenn der Löwenzahn im Garten wuchert, greifen viele Menschen ärgerlich zum Spaten. Wer als Ziel einen gepflegten Rasen hat, der legt auf das vermeintliche Unkraut wahrlich keinen Wert. „Sehr schade“, findet Kräuterpädagogin Eva Wührer aus Simbach bei Landau. Auch sie holt eine silberfarben blitzende Gabel mit vier großen Zinken hervor, wenn sie die Pflanze sprießen sieht. Aber nicht, um der Pflanze den Garaus zu machen, sondern um sie zu gewinnen und damit ihre Gesundheit und die ihrer Familie zu stärken.

Löwenzahn ist eine Vitamin C-Bombe

Im Frühjahr und Sommer verwendet Eva die frischen, grünen Blätter vom Löwenzahn in ihrer Kräuterküche. Ab Herbst ist dann Wurzelzeit. Mit einem kräftigen Tritt auf das obere Ende ihres Arbeitsgeräts und dennoch mit Vorsicht gräbt die zierliche junge Frau tief in die Erde. Die Wurzel des Löwenzahns schaut aus wie ein verwunschener Bodenschatz und genau das ist sie auch für Eva. Die 33-Jährige befreit die Wurzel vom Erdreich und schneidet mit dem Messer eine Scheibe der braunen Wurzel ab. Strahlend weiß ist die Fläche, die ihr entgegen schimmert.

Und sogleich tritt die Milch aus, die jeder schon einmal gesehen hat, wenn er den Stängel von Löwenzahn geknickt hat. Diese Milch gibt es auch in der Wurzel. Egal, ob Blatt oder Knolle: „Löwenzahn hat zehnmal mehr Vitamin C als ein Kopfsalat und ist immer leicht bitter“, weiß Eva und erklärt: „Bitter im Mund ist im Magen gesund. Derjenige, für den er besonders bitter schmeckt, der hat die Bitterstoffe unbedingt nötig.“

Den Hof und die Landwirtschaft geheiratet

Schon als Kind hat sie der Oma über die Schulter geschaut, wenn diese zum Beispiel Lindenblütentee oder Holunderbeerensaft hergestellt hat. „Das Interesse an den Pflanzen war immer da“, erzählt sie. Als die gebürtige Altöttingerin dann ihren Ehemann Tobias, einen Landwirt aus der Gemeinde Simbach im Landkreis Dingolfing-Landau kennen und lieben lernte und vor fünf Jahren zu ihm auf den Hof zog, machte sie sogleich den Bulldog-Führerschein und packte von Anfang an fleißig an, ob bei der Kartoffelernte, im Stall oder auch als „Verpflegerin“ auf dem Hof. „Ich hab’ den Mann und die Landwirtschaft geheiratet“, sagt Eva schmunzelnd.

In diesem Umfeld wuchs auch der Wunsch, noch mehr über die heimische Natur und über Heilkräuter zu erfahren. Die gelernte Industriekauffrau, die hauptberuflich eigentlich in der IT-Abteilung einer Baufirma digitale Projekte betreut, suchte eine Möglichkeit, ihr Wissen zu erweitern und wurde an der Katholischen Landvolkshochschule Niederalteich fündig: Im Jahr 2020 entschloss sie sich, sich zur Kräuterpädagogin ausbilden zu lassen und drückte dann eineinhalb Jahre lang ein Wochenende pro Monat die Schulbank.

Die harte aber gesellige Ausbildung zur Kräuterpädagogin

Kräuterpädagogin-Eva-Wührer-Löwenzahnwurzeln: Jemand hält die Wurzeln vor sich, nah in die Kamera.

Über Google fand Eva die Ausbildung und schwärmt noch heute sehr davon: „Wir hatten tolle Dozenten, die uns das Gesamtbild der Pflanzenheilkunde vermitteln konnten. Das war nicht nur Schulwissen aus den Büchern. Vom Kochen mit Pflanzen bis zur Herstellung von Gesichtscreme haben wir alles ganzheitlich erfahren dürfen, auch im Wald und auf der Wiese.“

So wurden die angehenden Kräuterpädagogen von Grund auf fit gemacht, wie die unterschiedlichen Pflanzen aussehen und wie man sie erkennen kann, was man daraus machen kann und was man damit bewirkt. Bei der Prüfung wurde den Kursteilnehmern aber wahrlich nichts geschenkt: „Man musste schon ganz schön büffeln“, blickt Eva zurück und freut sich, alles gemeistert zu haben. Und schön war es obendrein. „Die Gemeinschaft, das Übernachtbleiben und das tolle Essen – es war großartig“, begeistert sie sich.

Als @kraeuther.kathe auf Instagram erfolgreich

Diese Begeisterung über Heilpflanzen teilt sie auf ihrem Instagram-Kanal kostenlos mit allen, die etwas darüber erfahren wollen, und das macht ihr eine Menge Spaß: „kraeuter.kathe“, heißt ihr Kanal – denn mit zweitem Namen heißt sie Katharina, wie ihre Großmutter. Für Instagram setzt sie Gänseblümchen-Gesichtswasser an und erklärt, wie es geht. Oder sie mixt einen köstlichen Holunder-Erdbeer-Sprizz mit gesundem Inhalt und einem guten Schuss Sekt. „Gesundes muss nicht immer grob schmecken“, sagt Eva lächelnd.

Mit geschickten Händen richtet sie die von ihr hergestellten Produkte aus der Natur an und sucht mit viel Geduld und einem guten Auge nach dem richtigen Blickwinkel. So entstehen mit ihrem Smartphone appetitliche Fotos, die sie auf Instagram postet. Über 1000 Follower verfolgen nun schon mit Spannung, was die Kräuter-Expertin auftischt und welche Tipps sie parat hat. Das freut Eva: „Das alte Wissen droht sonst verloren zu gehen.“

Neue Ideen gehen der Kräuterpädagogin nie aus. Ihre Lieblingspflanzen wechseln immer mal, doch heuer stand der Beifuß bei der „Kräuter Kathe“ hoch im Kurs – auch deshalb, weil so ein stattliches Exemplar bei ihr im Bauerngartl wächst. Sie lässt die schon trocken gewordenen Rispen sachte durch ihre Hände gleiten. Besonders Frauen sollten diese Pflanze kennen, erklärt Eva: „Sie kann eingesetzt werden, wenn die Pille abgesetzt wird, damit deren Stoffe aus dem Körper gelangen und der Zyklus wieder angeregt wird. Und zwei Wochen vor der Geburt macht der Beifuß alles weich.“

Positive Wechselwirkung mit der Landwirtschaft

Eva-Kräuterpädagogin-Ernte-Brennnessel über einem Tonteller mit einer Gartenschere.

Was sie aus ihrer Ausbildung letztendlich machen wird, das will sich die 33-Jährige im Moment noch offenlassen. Eva findet es jedenfalls sehr spannend, dass es Landwirte gibt, die Heilkräuter anbauen. In jedem Fall hat sie das Rüstzeug an der Hand, um ihren Wissensschatz weiterzugeben. Heilen oder therapieren darf sie jedoch nicht. „In erster Linie nutze ich meine Ausbildung gerade dafür, dass ich das, was ich gelernt habe, für mich und meine Familie anwende“, sagt sie und trinkt einen Schluck Löwenzahnkaffee aus ihrem roten Haferl.

Die Männer am Hof sind nicht immer gleich auf Anhieb begeistert über das, was ihnen da aufgetischt wird. „Manchmal mische ich ihnen schon etwas in den Salat“, sagt sie und lacht. Ehemann Tobias trägt es aber mit Fassung. Überhaupt macht es dem Ehepaar Spaß, sich auszutauschen. Denn Tobias kennt als Landwirt die Pflanzen, mit denen seine Frau arbeitet, schon dann, wenn sie noch ganz klein sind und am Feldrand wachsen. „Ich sage ihm dann, wie ihre Wirkungsweise ist. Das hat seine Betrachtungsweise manchmal schon ein wenig verändert“, gibt sie Einblick und erzählt schmunzelnd: „Und er sagt immer: Wahnsinn, was man alles essen kann.“

Gut möglich, dass im kommenden Jahr ein anderes Kraut dem Beifuß den Rang abläuft und bei Eva Hitliste ganz oben steht. Auch daraus wird sie wieder gesunde Präparate herstellen. „Ich mache einfache Dinge, die nicht kompliziert sind“, gibt sie Einblick, und das kommt gut an. Einer ihrer großen Bewunderer ist ihr Neffe: Der trinkt, wenn’s im Hals kratzt, nur noch den Hustensaft, den seine Tante mit viel Liebe für ihn hergestellt hat. Denn gegen sehr vieles ist in der Natur ein Kraut gewachsen, und die „Kräuter Kathe“ kennt sie alle.

So wird man in Bayern Kräuterpädagogin

Wer die Vielfalt der heimischen Pflanzenwelt genau kennenlernen und dieses Wissen gerne weitergeben möchte, kann sich zur Kräuterpädagogin oder zum Kräuterpädagogen fortbilden. An mehreren Seminarterminen, über ein bis eineinhalb Jahre verteilt, beschäftigt man sich unter anderem mit folgenden Inhalten: heimische Wildkräuter bestimmen, Überblick über Inhaltsstoffe und ihre Wirkung, Anwendung und Verwertung, Pflanzensymbolik, methodisch-didaktische Fähigkeiten, eigene Naturbeziehung erkennen und stärken.

Die zertifizierte Fortbildung endet mit einer Abschlussprüfung. Anschließend kann man sein Wissen bei selbstständig organisierten Führungen oder in Familienbildungsstätten, Schulen, Kindergärten, Tourismus-Organisationen etc. weitergeben.

In Bayern gibt es zwei Anbieter für die Fortbildung zur Kräuterpädagogik. Weitere Informationen findet man unter:

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