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Weihnachtliche Kunst

Einzigartige Weihnachtskrippen mit Liebe gebaut

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Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Donnerstag, 23.12.2021 - 15:25

Oskar Langl und sein Vater bauen seit 25 Jahren maßangefertigte Krippen. In mühevoller Kleinstarbeit, mit vielen Tricks und Kniffen, erstellen sie Bauernhöfe, Hütten und orientalische Gebäude. Wir durften sie in ihrer oberbayerischen Werkstatt besuchen.

Krippenbauer-Langl-Weihnachten: Die zwei Herren stehen in der Werkstatt und arbeiten jeweils an einer Krippe.

Seit dem ersten Advent steht die Krippe jedes Jahr im Wohnzimmer von Familie Langl. Sie ist dort kein statisches Schmuckobjekt, sondern ein echtes Glaubenssymbol. So stehen die Figuren der Heiligen Drei Könige am ersten Advent noch weiter entfernt auf einem Schrank. Bis Weihnachten wandern sie jeden Tag etwas näher in Richtung Krippe und auch die anderen Figuren bewegen sich, dabei wird je eine Geschichte erzählt. „Ein Kripperl soll leben“, verrät Oskar Langl. Er ist leidenschaftlicher Kripperlbauer und hat das Kripperl in seiner Küche selbstverständlich selbst gebaut. Er sieht in dem Miniaturgebäude aber nicht nur den christlichen Glauben, sondern vor allem auch die Liebe zur handwerklichen Arbeit.

Angefangen hat der Krippenbau in der Familie Langl vor etwa 25 Jahren. Langl‘s Vater, Oskar Langl Senior, hatte damals seine erste eigene Krippe gebaut. Nach und nach wollten viele Verwandte ebenfalls eine Krippe und das Kripperlbauen wurde zum großen Hobby von Oskar Langl (53 Jahre) und seinem Vater (75 Jahre). Heute bauen die zwei Oberbayern Bauernhöfe, Hütten oder orientalische Gebäude in allen möglichen Ausführungen. In ihrer Werkstatt auf einem Hof in Sollach (Lks. Miesbach) erfüllen sie von September bis Februar jedes Jahr zahlreiche Kundenwünsche. So entstehen jährlich vier bis fünf neue Krippen und die Auftragsliste ist weiterhin lang. In den vergangenen zwei Jahren stellte Oskar Langl seine Krippen außerdem auf einem Krippenpfad in Holzkirchen aus.

Die Figur des Josef dient als Maßstab für die Größe

Krippenbauer-Langl-Weihnachten: Eine große Krippen mit Figuren im alpenländischen Bauernhaus-Stil.

Die große Besonderheit der Langl-Krippen sind die realistischen Proportionen. So stimmen in ihren Krippen alle Maßstäbe. Die Größe der Türen, Fenster, Bäume, Kamine, das gestapelte Brennholz, die Türgriffe und der gesamte Rest sind auf die Größe der Figuren abgestimmt und werden individuell von Oskar Langl berechnet: „Wir gehen immer vom stehenden Josef aus“, erklärt der Krippenbauer. Deswegen ist für jede neue Krippe ein intensives Vorgespräch mit den späteren Krippeneigentümern notwendig. Es gilt zu klären, welche Figuren sie bereits haben oder haben wollen, wo das Kripperl stehen soll: Am Fensterbrett, auf einer Kommode oder unter den Christbaum? Außerdem denkt Langl auch an den Sommer: Wo kann es eingelagert werden?

Gleichzeitig werden viele Fragen zur Gestaltung geklärt. Dabei ist nahezu alles möglich. Inspiration holt sich Oskar Langl von Häusern, die es tatsächlich gibt, Bildern, Kalenderblättern, anderen Krippen oder Skizzen. Oft kommen auch Leute zu ihnen mit dem Anliegen, den eigenen Hof nachzubauen. Egal was gewünscht wird, Oskar Langl und sein Vater machen es möglich. „Wir erfinden nichts neues, das gibt es alles schon“, sagt er. Trotzdem ist jeder Bau ein individueller Prozess, bei dem am Ende ein Unikat herauskommt.

Holz dient nur als Deko und nicht für die Statik

Krippenbau-Langl-Weihnachten-Holz-Statik: Ein Rohbau einer Krippe. Auf den Mauern aus Styrodur sind Balken aus Holz gelegt.

Über WhatsApp hält Langl seine Kunden auf dem Laufenden und schickt ihnen ständig Updates. So kann man individuell immer noch Änderungen vornehmen, wenn etwas nicht gefällt oder funktioniert. Früher mussten die Kunden alle ein- bis zwei Wochen persönlich vorbeikommen und den Baufortschritt besprechen. Die Digitalisierung macht die Abstimmungen nun einfacher: „Man kann sich das wie eine Baubesprechung bei einem großen Hausbau vorstellen“, erklärt Oskar Langl.

Als Basismaterial nutzen die Krippenbauer Styrodur. Das ist ein besonders festes Styropor, das mal pink, mal blau, mal gelb ist. Holz wird nur zur Dekoration und nicht zu statischen Zwecken eingesetzt. Oskar Langl und sein Vater haben auch jeweils ihre Fachgebiete im Kripperlbau. Der Junior entwirft die Krippen, schaut, dass alle Maße passen, baut den groben Korpus des Gebäudes, macht den Holzverschlag und übernimmt die Dachschalung. Langl senior macht dann das Dach fertig. Zudem verputzt er die Wände, übernimmt die Steinarbeiten, verlegt die Elektrik und kümmert sich um die Landschaft. Können tut jeder der beiden alles und macht halt grad das, was anfällt. Wie Oskar Langl sagt: „Wir sind ein eingegroovtes Team!“

Wissen und Tricks aus jahrelanger Erfahrung

Krippenbau-Langl-Weihnachten-Fenster: Nahaufnahme eines Fenster in der Krippe. Es sieht aus, wie ein echtes Fenster aus einem alten Bauernhaus mit Holzladen.

Das Können, die Handgriffe und Tricks haben sich die zwei Krippenbauer selbst beigebracht. Heute schöpfen sie aus einem jahrelangen Erfahrungsschatz. „Lernen kann man so was schlecht“, erklärt Oskar Langl. „Beim Krippenbau gibt man sich völlig hin, man muss sich in die Sache hineinfühlen, das ist eine Begabung“, schwärmt er für seine Arbeit. Das sei wie beim Stricken, Kochen oder Backen, manche Menschen könnten es gut, manche könnten es gar nicht. Es gäbe schon Kurse und sogar Krippenmeister, die auch Meisterkurse anbieten, sagt Langl. Doch die sind oft in Vereinen organisiert. An denen hat er aber kein Interesse, da deren Vorgaben ihn in seiner Kreativität einschränken würden.

Am Beispiel der Fenster sieht man, wie die Langls jedes Jahr ihre Erfahrung ausbauen. Zu Beginn verwendeten die Kripperlbauer noch Fensterscheiben aus Pergamentpapier. Jetzt bauen sie Fenster ein, die aussehen wie mundgeblasen. Entstanden ist die Technik für die Miniaturfensterscheiben durch ein Missgeschick. Ihnen ist eine Flasche Kleber umgekippt. Der durchsichtige Kleber ist auf einer Folie ausgelaufen und getrocknet. Als Langl die Kleberschicht abgezogen hat, sah das Material genauso aus, wie mundgeblasenes Glas, mit den eingeschlossenen Luftblasen, wie man es von den alten Bauernhäusern kennt.

Moderne Modelliermasse ersetzt Ton

Krippenbau-Langl-Weihnachten-Fimo-Ziegel: Links ein Bild, wie die Ziegel aus ausgerolltem, ziegelfarbenem Fimo ausgestochen werden. Rechts, wie die gebrannten Fimo-Ziegel arrangiert werden.

Vor allem bei den orientalischen Gebäuden werden spezielle Dachziegel verlegt, die sich „Mönch und Nonne“ nennen. Für so ein Dach brauchen die zwei Krippenbauer schon allein 40 Stunden. Die Technik haben sie ebenso jahrelang optimiert: Mit dem Metallaufsatz eines Pinsels, bei dem sie die Pinselhaare entfernt haben, stechen sie aus Fimo jede Ziegel per Hand aus. Ihre Wölbung bekommen sie, indem sie über einen konischen Gegenstand geformt werden. Früher haben sie für die Ziegel lufttrocknenden Ton genommen. Der Aufwand war der Gleiche, doch über die Jahre hinweg ging der Ton schnell kaputt.

Durch einen Zufall hat Oskar Langl bei Kindern eine Bastelaktion mit Fimo mitbekommen. Fimo ist eine an der Luft oder durch Hitze im Backofen trocknende Modelliermasse. Das Material sei laut Langl „relativ kostengünstig“, die Farben könne man mischen und einfach verarbeiten. Den Brennprozess hat er aber von der Küche in die Werkstatt verlegt. „Ich brenne die Bauteile nicht im Backofen, sondern mit dem Heißluftföhn“, erzählt er und ergänzt: „Mit dem Föhn härtet das Material in nur wenigen Minuten aus und der Backofen stinkt dabei nicht.“

Von den Grundmauern bis hin zum Jesuskind

Krippenbauer-Langl-Weihnachten-Krippenfiguren: Viele Figuren stehen in einem Verkaufsregal nebeneinander, Nachaufnahme.

Bei Familie Langl bekommt man nicht nur die Krippe, sondern kann diese auch voll ausstatten. Die Figuren schnitzen die Langls allerdings nicht selbst. Oskar Langl kauft sie von vier ausgewählten Herstellern in Südtirol. Somit kann man die selbstgebaute Krippe direkt mit dem passenden Zubehör, wie Menschen, Tiere, Beleuchtung und allerlei Deko-Elementen ausstatten. Bei den Pflanzen greifen die Krippenbauer auf echte Pflanzen zurück. Die Bäume sind Zweige einer Thujen-Hecke oder vom Holunder. Diese halten ein Jahr und lassen sich einfach auswechseln. Das Moos ist ebenfalls echt und hält für etwa zwei bis drei Jahre, wenn man es in der Weihnachtszeit immer ein wenig mit einem Wasserbestäuber wässert.

Verkauft wird das Krippenzubehör im alten Verkaufswagen der Familie. Dieser steht direkt vor dem Wohnhaus, bzw. der Kripperlwerkstatt am Hof. Mit dem Wagen war die Familie fast 20 Jahre lang auf den Weihnachtsmärkten im Oberland unterwegs. Vor ein paar Jahren hat er keinen TÜV mehr bekommen, das hohe Alter seiner Eltern und der enorm große Aufwand, jedes Wochenende vor Weihnachten die Märkte zu besuchen, haben die Familie dazu bewogen, die Krippen und das Zubehör nur noch daheim zu verkaufen. So haben sie endlich auch etwas von der „staaden Zeit“, berichtet Oskar Langl. Schließlich sei das Geschäft mit den Krippen nur ein Hobby. Unter der Woche arbeitet Langl als Bauhhofleiter im Holzkirchner Bauhof. In der Schneesaison fährt er zusätzlich im Winterdienst. „Ohne die große Hilfe meiner Eltern, meiner Schwester und meiner Tochter würde das nicht funktionieren.“

Der Preis stimmt für Kunde und Verkäufer

Krippenbauer-Langl-Weihnachten-Verkaufswagen-Hof: Im Hof steht vor dem Hauseingang ein Verkaufswage, wie man ihn von einem Weihnachtsmarkt kennt. Er ist weihnachtlich beleuchtet und es stehen verschiedene Schilder und Waren daneben.

Trotzdem nimmt sich Langl für jeden seiner Kunden Zeit. Er vergibt Beratungs- und Shoppingtermine an den Wochenenden. Damit es „nicht ausartet“, wie Langl sagt, macht er auch keine Werbung. Inzwischen hat er so viele Stammkunden und ihn kennen so viele Leute, dass sich das alles per Mundpropaganda weiterträgt, „das geht schneller und besser wie jede Anzeige in der Zeitung“, schmunzelt er.

Die Krippen, welche die Langls verkaufen, kosten so viel, wie für „uns und die Kundschaft angemessen ist“, sagt Langl. Müsste er von dem Verkauf leben, würden sie das Doppelte oder Dreifache kosten: „Es soll ja allen Spaß machen“, erklärt er sein Konzept. Der Preis ist auch immer individuell, es kommt auf die Größe, das Material und den Aufwand an. Langl bewegt sich ungefähr in einem preislichen Rahmen zwischen 300 und 1200 Euro.

Auch der Aufwand für eine Krippe ist schwer einzuschätzen, grob brauchen er und sein Vater für eine Krippe etwa einen Monat – mal mehr, oft auch weniger Zeit. Ihre Arbeitszeit beschränkt sich hauptsächlich auf Abende und das Wochenende. So kann man grob mit 40 Stunden Arbeit für eine Krippe rechnen. Das geht nur so schnell, weil die Routine seit 25 Jahren einstudiert ist: „Bis ein Anfänger die erste Idee und einen Plan hat, haben wir schon das halbe Haus stehen“, schmunzelt er.

Neukunden sind überwiegend junge Leute

Krippenbauer-Langl-Weihnachten: orientalische Krippe aufgebaut mit Figuren und Deko.

Oskar Langl‘s Neukunden sind überwiegend junge Leute. So ist es vor Ort zum Beispiel zur Tradition geworden, dass viele junge Paare zu ihrer Hochzeit eine eigene Krippe bekommen. Vor allem in der ortsansässigen Blaskapelle sei das ein beliebtes Geschenk, bei dem sich auch weitere Hochzeitsgäste gerne beteiligen. Der Verein zahlt die Krippe, Freunde und Bekannte zahlen je einzelne Figuren. Am Hochzeitsfest wird die Krippe dann aufgestellt und die Figuren werden von dem jeweiligen Käufer eingestellt. Im Vorhinein kommt das junge Paar selbst in die Kripperlwerkstatt, um die Krippe mit Oskar Langl nach ihren Vorstellungen zu planen. „So eine Krippe kostet immer viel Geld, deswegen muss einfach alles stimmen“, erklärt Langl. „Die Leute müssen am Ende zur Tür raus gehen und sagen: Des passt!“ Oft schenken auch Eltern den Kindern eine Krippe. Die fangen dann meistens kleiner an, mit nur der Heiligen Familie in der Krippe. So kann die Krippe Jahr für Jahr mit neuen Figuren und Deko-Elementen wachsen. Im Normalfall hat man eine Krippe ein Leben lang und wird oft sogar vererbt. Deswegen nimmt sich Oskar Langl auch dem Kundenservice an. So tauscht er nach ein paar Jahren das Moos, wechselt Glühbirnen oder nimmt kleinere Renovierungen vor.

Jedes Kripperl verlässt die Werkstatt mit Wehmut

Krippenbauer-Langl-Weihnachten-Krippenverkauf

Das schönste am Krippenbau ist für Oskar Langl die Übergabe der Krippe an den Kunden. „Wenn man sieht, wie sie sich freuen, das ist für mich das Schönste“, schwärmt er. Wie viele Kripperl er in den letzten 25 Jahre gebaut hat, kann er nicht sagen – „Hundert reichen nicht“, schätzt er. Welche seiner Krippen ihm am meisten gefallen hat, kann er nicht sagen. Er und sein Vater hängen an jeder Einzelnen mit dem Herzen. Deswegen sind sie auch jedes Mal etwas wehmütig, wenn eine fertige Krippe die Werkstatt verlässt: „Jedes Kripperl ist fast wie ein Lebewesen, es gibt keines ein zweites Mal“, sagt Oskar Langl.

Wie es um die Nachfolge für den Langl-Krippenbau steht, kann Oskar Langl noch nicht sagen. Seine 14-jährige Tochter Johanna zeigte aber in den letzten zwei Jahren starkes Interesse und half oft in der Werkstatt und im Verkauf mit. Auch bei seinen zwei Söhnen sei nicht ausgeschlossen, dass sie vielleicht noch das Kripperl-Fieber packt.