Mariä Himmelfahrt

Zu Ehren Mariens

Eine Skulptur der Schutzmantelmadonna hängt an der Wand.
Maria Burkhardt
Maria Burkhardt
am Freitag, 13.08.2021 - 12:00

In vielen Gemeinden Bayerns ist Mariä Himmelfahrt ein Feiertag. Verehrt wird die Muttergottes in der katholischen Kirche das ganze Jahr. Viele Gläubige suchen ihren Beistand und zünden in den Kirchen Kerzen an. Eine Annäherung an den Mythos Maria.

Die Pfarrkirche in Westendorf im Landkreis Ostallgäu ist ein Kleinod, wie es viele in Bayern gibt. Ein Ort zum Innehalten, nicht allzu groß, aber auch nicht klein, eher schlicht als prunkvoll, bewahrt sie dennoch all die Kostbarkeiten des Glaubens, die den Menschen seit Generationen wichtig sind. Es sind Zeugnisse der Frömmigkeit, die auch in der heutigen Zeit Halt geben können, weiß Hans Mentner.

Als Mesner kennt er jeden Winkel der Dorfkirche, die dem Hl. Michael geweiht ist. Seit seiner Kindheit ist der 53-Jährige in der Pfarrgemeinde aktiv. Jahrzehntelang als Ministrant und seit 2002 offiziell auch als Mesner. In seinem Amt kümmert er sich nicht nur um den Messdienst und die Ministranten. Er hält auch Andachten und Gottesdienste mit Kindern, wofür er sich daheim auf dem Hof intensiv vorbereitet und in der Gemeinde sehr geschätzt wird.

 

Hans Mentner, der Mesner steht neben einem Marienaltar in der Kirche.

So kam ihm zu Mariä Himmelfahrt im vergangenen Jahr der Gedanke, bei einer Kirchenführung den Blick auch mal auf die vielen Bilder und Figuren Marias zu lenken. 25 an der Zahl. „Alle strahlen eine tiefe Botschaft aus, erzählen sie doch vom Leben und Wirken Marias, als Mutter Jesu und über dessen Tod hinaus“, erklärt Hans Mentner.

Aus dem Weihnachtsevangelium nach Lukas kennen alle das Geheimnis von der Geburt Jesu, von der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel, der Maria die frohe Botschaft überbringt. „Die Begegnung mit dem Engel war die Stunde ihrer Berufung, die nicht nur ihr Leben veränderte. Mit ihrem Ja will sie auch uns zu einem glaubwürdigen Leben bewegen“, interpretiert der Mesner ein Bild, das Pfarrer Neuner erst 2004 in Auftrag gegeben hat. Das Ave Maria, Gegrüßet seist du Maria, hat in der Verkündigungsszene und im Besuch der Base Elisabeth seinen Ursprung.

 

Maria am Kreuz, ein Gemälde

Zwei große Reliefs, die der Bildhauer und Künstler Otto Kobel aus Luimoos vor gut 50 Jahren geschaffen hat, erzählen in zehn biblischen Szenen von der Geburt und der Kindheit Jesu, mit Maria und Josef, als heilige Familie. Neben vertrauten Motiven vom Kind in der Krippe und den drei Weisen aus dem Morgenland, wird auch an die Flucht nach Ägypten, an die Begegnung mit Simeon und an Jesus als Junge bei den Gelehrten im Tempel erinnert. Auch der Tod des Hl. Josef ist dargestellt. Auf jedem Motiv ist die Muttergottes zu sehen. Beim Pfingstwunder steht sie sogar im Mittelpunkt, inmitten der Apostel, die das Feuer des Heiligen Geistes empfangen.

Ein schweres Kapitel in ihrem Leben ist die Verurteilung und Kreuzigung Jesus. An fünf Stationen des Kreuzwegs begegnet den Kirchenbesuchern Maria als Schmerzensmutter. Trotz des Leidens ist hier ihre tiefe Liebe zum Ausdruck gebracht, „die in den dunklen Augenblicken des Lebens stärkt und tröstet“, drückt es Hans Mentner aus. Tod und Trauer vergegenwärtigt auch das Bild am Hochaltar, auf dem Maria im blauen Gewand bei ihrem sterbenden Sohn am Kreuz steht. Vor einigen Jahren wurde eine Pieta gestiftet, die ebenfalls im Altarraum ihren festen Platz hat.

 

Die Höhen und Tiefen eines Mutterdaseins

Kobelbild-maria

Als Mutter durchlebte Maria alle Höhen und Tiefen des Lebens. Doch an ihrem Lebensende durfte sie erfahren, woran sie geglaubt hat. Ihre Aufnahme in den Himmel und Vollendung in der Herrlichkeit Gottes wird als ältestes Marienfest in der Kirche gefeiert. Es könnte auch als Marias Osterfest bezeichnet werden. In der Heiligen Schrift wird das Ereignis nur angedeutet. Der Legende nach fanden die Jünger am Grab statt ihres Leichnams duftende Kräuter und Blumen vor. Daraus entstand im Volksglauben der Brauch der Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt, erklärt Hans Mentner.

Zu den ältesten Ausstattungsstücken in der Michaelskirche zählt ein Ölbild von Anfang des 18. Jahrhunderts. Es zeigt die in den Himmel aufgenommene Muttergottes neben dem Erzengel Michael mit der Seelenwaage, die die guten und schlechten Taten aufwiegt. Beim Weltgericht ist Maria an der Seite ihres Sohnes und hält Fürsprache für die armen Seelen im Fegefeuer, die um Erlösung flehen. Solche Bilder rühren in der heutigen Zeit kaum noch an, geben aber kunstgeschichtlich Aufschluss über die Geschichte der Pfarrkirche.

 

Fatima-Maria-Kirche

Im Mittelpunkt steht damals wie heute, Menschlichkeit und Barmherzigkeit, die Jesus und Maria verkörpern. Durch sie kam Gott auf die Welt. Deshalb ist der Marienaltar, auf dem Maria ihren Sohn dem Betrachter entgegenstreckt, für Hans Mentner das bedeutungsvollste Gemälde in der Kirche. Das Altarbild stammt aus der Zeit des Kirchenneubaus um 1850 und lag 20 Jahre unbeachtet auf dem Dachboden. Nach der Restauration wurde es 1990 wieder aufgehängt.

Die Freude am Glauben kann auf dem Lebenweg viel Kraft geben, ist Hans Mentner überzeugt. Maria hat dabei viel Symbolkraft. Sie gibt durch ihr mütterliches Herz die göttliche Gnade an die Menschheit weiter. Dargestellt wird sie oft auf der Erdkugel stehend, am Boden die teuflische Schlange, der sie den Kopf zertritt.

 

Schutzpatronin und Rosenkranzkönigin

Rosenkranz-Maria

An einer Prozessionsstange ist die Muttergottes als Rosenkranzkönigin zu sehen. Umgeben von Sternen und dem Strahlenkranz der Sonne, die Mondsichel unter den Füßen und die erlegte Schlange als Symbol für das Böse. 15 Rosen ringsum symbolisieren die ursprünglich 15 Rosenkranzgeheimnisse.

Eine Aufforderung zum Gebet und zur inneren Einkehr stellt auch die Marienfigur aus Fatima dar. Bei der Kirchenrenovierung vor 50 Jahren wurde eigens eine Nische angefertigt, die an die Marienerscheinungen im Jahr 1917 erinnern. Dass Menschen ihr wahres Wesen erkennen, um mit verwandeltem Herzen die Beziehung zu Gott zu erneuern, darum geht es in dieser Botschaft.

Es rankt viel Volksglauben um die Muttergottes. Sie ist vielen Gläubigen sehr nah, als Vertraute, als Fürsprecherin und Schutzpatronin. „Trotz ihrer Berufung ist sie Schwester der Menschen geblieben. Sie hat reinste Freude erlebt und bittere Erfahrungen gemacht, ohne zu verzweifeln“, fasst der Mesner zusammen und zitiert aus einem Buch: „Maria hat vor ihrer Krönung im Himmel die staubige Luft dieser Erde geatmet“.

 

Gedenktage im Kirchenjahr

maria-figur

Mit Mariä Himmelfahrt am 15. August ist der Muttergottes in Teilen Bayerns, im Saarland und in Österreich, in Gemeinden mit überwiegend römisch-katholischer Bevölkerung ein staatlicher Feiertag gewidmet. Im Kirchenjahr gibt es darüber hinaus weitere Gedenktage zu Ehren Mariens. Dazu zählen:

  • Das Hochfest der Gottesmutter am 1. Januar, als Pforte des Heils ins neue Jahr.
  • Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes, 11. Februar.
  • Maria Schutzpatronin von Bayern am 1. Mai.
  • Gedenktag Unserer Lieben Frau in Fátima, 13. Mai.
  • Der Pfingstmontag als Gedenktag der Hl. Maria als Mutter der Kirche.
  • Das Fest Maria Hilfe, am 24. Mai, wird auch Schutzmantelfest genannt.
  • Das Fest Mariä Heimsuchung wird am 2. Juli gefeiert. Acht Tage nach dem Fest Johannes d. Täufers erinnert das Fest an den Besuch Marias bei ihrer Kusine Elisabeth, der Mutter des Johannes, der als Jesu Wegbereiter gilt.
  • Mariä Himmelfahrt, das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel, am 15. August.
  • Fest Maria Königin, 22. August, ihre Erhebung zur Königin der Engel und Heiligen.
  • Fest Mariä Geburt, 8. September.
  • Das Fest Mariä Namen, am 12. September.
  • Der Gedenktag zum Gedächtnis der Schmerzen Mariens, am 15. September.
  • Rosenkranzfest am 7. Oktober.
  • Mariä Empfängnis am 8. Dezember: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.
  • Gedenktag der Jungfrau Maria von Guadalupe am 12. Dezember.
  • Traditionell ist der Mai Marienmonat mit feierlichen Andachten, der Oktober ist Rosenkranzmonat.

Die beiden Feste Mariä Lichtmess, 2. Februar, und Mariä Verkündigung, 25. März, stehen in engem Bezug zu Maria, gelten aber als Feste zur Darstellung und Verkündigung Jesus Christus. Nach alttestamentlicher Schrift mussten Mütter 40 Tage nach der Geburt eines Jungen dem Priester im Tempel ein Reinigungsopfer bringen. Auch Maria und Josef hielten sich an die Regel und so kam es zur Begegnung mit Simeon. Genau neun Monate vor Weihnachten erinnert sich die Kirche an die Verkündigung des Engels an Maria und ihr Ja zu Gott. Beide Feste werden auch von den evangelisch-lutherischen Kirchen gefeiert. Der 15. August gilt hier schlicht als Todestag Marias.