Landleben

Ein digitaler Volltreffer

Anna Knon
Anna Knon
am Freitag, 26.02.2021 - 08:08

Der Erste Bayerische Landfrauentag war ein Erfolg: Zwei Stunden voller Impulse zum Thema „Richtig gut leben!?“ und voller positiver Gedanken, um den Corona-Alltag zu verkraften.

Göller

Schwierige Zeiten schafft man am besten, wenn man sich nicht allein fühlt. Corona zwingt zwar zu Abstand, aber nicht dazu, sich aus den Augen zu verlieren – die modernen Medien machen es möglich.

Und so wählten sich vergangene Woche mehr als 2000 Landfrauen in den Livestream des Bayerischen Landfrauentags. Tausende weitere Klicks hatte das Video auch noch nach der Veranstaltung; wer nämlich den Termin nicht geschafft hat, kann es nachträglich schauen, unter www.BayerischerBauernVerband/landfrauentag.

Über die virtuelle Bühne ging eine Veranstaltung ganz nach dem Vorbild der Landfrauentage, an denen üblicherweise die Säle brechend voll sind und die den Frauen Vieles bieten, um mit neuen Impulsen, positiven Gedanken und einer Portion Abstand wieder in den Alltag zurückzukehren: Festrede, Grußworte, musikalisches Rahmenprogramm.

Festrednerin war Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Sie würdigte die Landfrauen

  • als verlässliche Größe in den ländlichen Räumen,
  • als tragende Pfeiler im sozialen Gefüge,
  • als engagierte Hüterinnen der Lebensqualität im Land,
  • als Bewahrerinnen und Zukunftsgestalterinnen.

Wertvolle Dienste für die Gesellschaft

Ilse Aigner

Aigner: „Das sind wertvolle Dienste für die Gesellschaft, die Halt geben und die auf traditionellem Wege das Miteinander bereichern. Mit diesem virtuellen Landfrauentag demonstrieren Sie, dass sie genauso entschlossen die modernen Wege gehen, professionell die technischen Möglichkeiten nutzen und auch in der schweren Coronazeit sichtbar sind.“

Bevor Aigner das Jahresthema „Richtig gut leben!?“ aufgriff, ging sie auf die Herausforderungen der Pandemie ein. Sie sehe die Sorge um die Gesundheit der Familie, der Älteren und Schwächeren, um das wirtschaftliche Wohlergehen, Job-Unsicherheit, wegbrechende Einnahmen und die Sorge, im Familienalltag den Überblick zu bewahren.

Sie sehe auch die speziellen Fragen der Landwirtschaft: die Frage nach Saisonarbeitern, Schließung von Schlachtbetrieben, Wegfall von Exportmärkten. Als ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin seien ihr Krisen nicht fremd, Stichwort Dioxin und Ehec, aber eine Pandemie dieses Ausmaßes heble alles aus, es gebe keine einfachen Antworten.

Warnung vor hetzenden Worten

„Was mich ernsthaft mit Sorge erfüllt, ist, dass es in unserer Gesellschaft Kräfte gibt, die wissenschaftliche Fakten leugnen. Es ist unerträglich zu sehen, wie diese Radikalen dann im nächsten Schritt dazu ansetzen, das Parlament zu stürmen, ob den Deutschen Bundestag in Berlin oder das Kapitol in Washington. Wer die Stimmung anheizt am digitalen Stammtisch oder in der privaten Chatgruppe, der muss nach den vergangenen Monaten wissen: Aus hetzenden Worten können fanatische Taten werden!“

Als Präsidentin des Bayerischen Landtages sei es ihr überaus wichtig gewesen, zu zeigen, dass das Parlament alle Meinungen im Volk abbilde. Auf ihren Vorschlag hin sei die Debatte von der Straße in Parlamente geholt worden. „Wir diskutieren über die Coronamaßnahmen. Wir treffen die Entscheidungen und die Maßnahmen treten erst in Kraft, wenn der Bayerische Landtag zugestimmt hat“, erklärte Aigner. Die Demokratie sei keinesfalls im Lockdown.

"Wir leben im besten Staat, den wir je hatten"

Zum Thema „Richtig gut leben!?“ sagte Aigner: „Wir sind nicht frei von Fehlern, aber wir leben im besten Staat, den wir je hatten. Denn „Richtig gut leben!?“ – das kann ich mir nur in einer Demokratie wie der unsrigen vorstellen.“

Aigner zeigte auch auf, dass die Coronakrise wieder Bewusstsein geweckt habe für anscheinende Selbstverständlichkeiten, z. B. die Verfügbarkeit von Lebensmitteln. Aigner: „Ich hoffe schon, dass wir die Lehren aus der Krise nicht so schnell vergessen. Und dazu gehört für mich auch die Wertschätzung für das, was wir zum Leben brauchen, nämlich Lebensmittel und die Wertschätzung für die Erzeuger unserer Lebensmittel!“
Die Landtagspräsidentin sieht zwar grundsätzlich die Anerkennung für die Bauernfamilien aus der Mitte der Gesellschaft, aber auch, dass Verbraucher im Laden dann am Ende doch auf den Preis schauen – allen Umfragen und Selbstbekenntnissen zum Trotz.
Andi Weiss

Aigner: „Ich weiß, dass Sie mit immer neuen und immer höheren Ansprüchen konfrontiert werden. Größere Diversität auf den Feldern, weniger Dünger, mehr Tierwohl sind nachvollziehbare gesellschaftliche Interessen.“

Jede zusätzliche Auflage sollte aber auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, praxisorientiert und für die Bauernfamilien leistbar sein! Zum Gesetzentwurf Insektenschutz sagte Aigner: „Wichtig ist, dass nicht gegen die Länderprogramme gearbeitet wird, die – wie bei uns in Bayern – auf der Basis von Freiwilligkeit sehr gut funktionieren!“

Brüche müssten vermieden werden: „Sonst sucht der Handel die Ware im Ausland und wir werden das Höfesterben daheim weiter beschleunigen!“

Botschafterinnen der Lebenswirklichkeit

Wie die Landfrauen sehe auch sie, dass mangelndes Verständnis für die Arbeit in der Landwirtschaft an mangelndem Kontakt liege. Die Landfrauen seien Botschafterinnen, um die Menschen wieder näher an die Lebenswirklichkeit der Bauernfamilien heranzuführen. Das gleiche gelte für die Vermittlung von Alltagskompetenzen, wo es bei Kindern, Jugendlichen, aber auch Eltern erschreckende Wissenslücken gebe.

Nachhaltigkeit war ein weiteres Thema im Referat von Ilse Aigner. Der Klimawandel sei eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Sie verstehe die jungen Aktivisten, aber auch sie müssten sich eingestehen, dass sie – wie alle anderen Menschen – Bedürfnisse haben, z. B. nach Wärme im Winter, moderner Technik und Mobilität. Die Politik könne also nicht so radikal sein, wie Fridays for Future es fordere.

Weiterer wichtiger Punkt der Rede war die Rolle der Frauen in der Gesellschaft: „Es ist nicht immer gesehen und gewürdigt worden, aber Frauen tragen große Verantwortung, sie treten damit auch immer mehr öffentlich in Erscheinung und wenn sie in Zukunft bis in die Spitze des Deutschen Bauernverbandes reichen würde, würde es mich noch mehr freuen!“ Gemischte Teams seien auch das Erfolgsrezept in den Bauernfamilien: „Frauen kommunizieren anders. Frauen entscheiden anders. Frauen führen anders.“ Verantwortung zu übernehmen, sich auch außerhalb von Job und Familie mit Gleichgesinnten für die gemeinsame Sache stark zu machen, so gehe „richtig gut leben“. Die Landfrauen seien dafür Vorbild.

Weitere Stimmen sowie die Möglichkeit, sich selbst an der Diskussion zu beteiligen unter:

-------------

Richtig gut leben, heißt für mich...

Landfrauen

... Achtsamkeit zu üben mit sich und den Mitmenschen, also ganz einfach Menschsein. (Landesbäuerin Anneliese Göller)

... zum Beispiel Zeit mit Familie und Freunden, gutes Essen, Gesundheit. Als Vertreterin der Jugend danke ich den Landfrauen ganz besonders, denn Sie ermöglichen es, dass wir als junge Generation richtig gut leben können – mit Ihrem Engagement auf den Betrieben, im ländlichen Raum und als unsere Mütter. (Magdalena Eisenmann, Vorsitzende Bayerische Jungbauernschaft)

... ist etwas, worüber wir uns nicht nur in Zeiten der Pandemie immer wieder einmal Gedanken machen sollten. Ganz oben steht, mit der Familie in Frieden und Freiheit zu leben in einem toleranten Miteinander. (Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbands)

... gesund zu leben, sich ausgewogen zu ernähren, geistig und körperlich aktiv zu sein, sich um Freunde, Verwandte und Nachbarn zu kümmern, Kontakte zu halten. (Daphne Mucchai, Vorsitzende des kenianischen Landfrauenverbands)

... zusammenzuhalten und miteinander gut umzugehen in Familie, Beruf, Ehrenamt. (Rita Blümel, Bezirksbäuerin Oberpfalz)

... als Familie zusammenzuhalten und den Hof zu bewirtschaften, jedem Menschen mit Wertschätzung zu begegnen und den Menschen zuzuhören. Und dankbar zu sein. (Maria Hoßmann, Bezirksbäuerin Unterfranken)

...sich vor Ort als Kreis- und Markträtin zu engagieren, denn hier kann man richtig viel erreichen für die Menschen. (Irene Waas, Bezirksbäuerin Niederbayern)

... im Dorf und in meiner Heimat gut eingebunden zu sein und mich im gesellschaftlichen Leben einzubringen und Gemeinschaft zu pflegen, zum Beispiel beim Musizieren. (Christiane Ade, Bezirksbäuerin Schwaben)

-------------