Veranstaltung

Bäuerinnenstudie: Frauen sichtbar machen

Ministerin Michaela Kaniber steht links und hält die Studie in den Händen. Recht steht mit Abstand Landesbäuerin Annelise Göller. Zwischen ihnen steht ein Banner des STMELF, auf dem ein bayerisches Bauernhaus zu sehen ist.
Anna Knon
Anna Knon
am Freitag, 05.03.2021 - 12:45

Vor zwei Tagen wurden die Ergebnisse der neuen Bäuerinnenstudie vorgestellt. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber deutete die Ergebnisse und spricht über erste Handlungsschritte aufgrund dieser.

Braucht es eine Bäuerinnenstudie? Es weiß doch ohnehin jeder, dass Höfe ohne Frauen wenig Zukunftsperspektiven haben und die Bäuerinnen viel arbeiten. Eine Studie braucht es, weil der Beitrag der Frauen für das Funktionieren der landwirtschaftlichen Betriebe in der offiziellen Agrarstatistik praktisch nicht auftaucht. Beispiel: 50 % der in der aktuellen Studie befragten Frauen geben an, dass sie zusammen mit dem Mann den Betrieb leiten. In der Agrarstatistik gibt es „gemeinsam“ nicht, es kann nur eine Person genannt werden und das ist in Bayern zu 92 % der Mann. „Die Lebenswirklichkeit auf den Höfen wird in Agrarstrukturerhebungen nicht abgebildet“, so Prof. Jutta Roosen von der TU München, die die Studie durchgeführt hat.

Ändert eine Bäuerinnenstudie etwas an der Situation der Bäuerinnen?

Ändert die Studie etwas an ihrem Arbeitspensum, ihren Herausforderungen, ihren Sorgen? Nicht unmittelbar, aber die Ergebnisse einer wissenschaftlich fundierten Studie sind Grundlage für politische Entscheidungen, die auf die Situation und Bedürfnisse der Bäuerinnen reagieren (sollten).

„Politik braucht klare Fakten. Nur so können wir die Weichen richtig und unsere Maßnahmen auch immer wieder auf den Prüfstand stellen“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber als Erklärung dafür, warum das Bayerische Landwirtschaftsministerium die Studie in Auftrag gegeben hat. Aus den Ergebnissen griff sie in der Online-Vorstellung der Studie drei Schwerpunkte heraus: „Das sind drei Aspekte, die mich bewegen und die ich aktiv angehen kann.“

Kaniber will Ansehen der Bäuerinnen in der Öffentlichkeit verbessern

Die Ministerin sprach von Unterstützung, Fortbildung und Entlastung bezüglich Arbeitspensum, Aufgaben im Agrarbüro, Erschließung von Einkommenskombinationen. Auch die Aufstockung der Mittel für die Verbesserung des Ansehens der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit nannte Kaniber, nachdem die Studie belegt, dass die Bäuerinnen so sehr unter dem schlechten Image des Berufsstands leiden, dass sich nur wenige als Bäuerin bezeichnen.

Hoher Handlungsbedarf bei der sozialen Absicherung der Bäuerinnen

„Hohen Handlungsbedarf sehe ich bei der sozialen Absicherung“, sagte die Ministerin. „Mehr als jede dritte Frau sieht sich für Alter und bei Pflegebedürftigkeit schlecht abgesichert. Das gilt auch für 35 Prozent der Befragten im Falle einer Trennung. Fraglich ist auch, ob die Absicherung im Falle einer Berufsunfähigkeit ausreichend ist.“

Erfreut zeigte sich die Ministerin darüber, wie sehr sich die Bäuerinnen mit ihrem Beruf identifizieren und dass sie hohe allgemeine Lebenszufriedenheit äußern. Über die Bedeutung für den Erhalt der Höfe hinaus seien die Bäuerinnen aber auch Stabilitätsanker im ländlichen Raum. Die Studie belegt, dass 61% der Bäuerinnen ehrenamtlich aktiv sind.

Das plant die Ministerin mit den Ergebnissen

Wie geht es nun weiter mit den Ergebnissen der Studie? Dazu die Ministerin: „Ich favorisiere den Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe und Vernetzung. Daher plane ich ein Landfrauen-Forum. Es soll im Rahmen von Regionalkonferenzen und Workshops anhand der vorliegenden Erkenntnisse Lösungsansätze und Ideen für Politik und Berufsstand entwickeln.“

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