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Porträt

Bäuerin Sabine Schindler: "Zusammen geht alles besser"

Schindler-Sabine
Christine Wunsch - entnommen aus „Glücksgriff Bauernhof“
am Montag, 13.06.2022 - 17:20

Wie kann man sich als junge Frau auf einem Betrieb wohlfühlen und ein gutes Verhältnis zur Schwiegermutter schaffen? Kreisbäuerin Sabine Schindler erzählt von ihren Erfahrungen.

Sabine Schindler konnte sich lange nicht vorstellen Bäuerin zu werden. Aufgewachsen in Bad Tölz, absolvierte die heute 39-Jährige vor ihrem Studium zur Sozialpädagogin in Benediktbeuern ein freiwilliges soziales Jahr im Kloster Reichenbach (Lks. Schwandorf). Durch eine Kollegin lernte sie damals Martin kennen, der von einem kleinen Hof in Oed bei Nittenau in der Oberpfalz stammte. Der Bad Tölzerin fiel es schwer, nach dem Studium zu Martin auf dessen landwirtschaftlichen Betrieb zu ziehen. Trotzdem ging sie diesen Schritt.

15 Hektar Grünland und 5 Hektar Wald bewirtschafteten Martin und seine Mutter Josefa auf dem Schindlerhof im Nebenerwerb. Damals, im Jahr 2008, stand noch ein Dutzend Kühe mit Nachzucht im Stall. Der heute 42-jährige Martin arbeitete Teilzeit in seinem erlernten Beruf als Heizungsbauer. Die Stallarbeit erledigte er mit seiner Mutter Josefa (73). Sabine war als Sozialpädagogin tätig.

Was ist für den anderen wichtig? Darüber reden!

Doch bald kollidierten die Interessen: Martin wollte den Hof zu einem Vollerwerbsbetrieb ausbauen. Für Sabine schien es undenkbar. Doch das Paar, das schon immer viel miteinander geredet hat, blieb im Gespräch. „Dabei wurde mir immer klarer, dass das wichtig für Martin ist, weil es sein Lebenstraum ist“, erzählt Sabine. Sie zog sich zwei Tage nach Bad Tölz zum Nachdenken zurück. Als sie wieder auf den Schindlerhof kam, hatte sie ihre eigenen Lebensvorstellungen im Gepäck. Sie entdeckte für sich das Konzept der „Erlebnisbäuerin“ und holte erfolgreich Kindergarten- und Schulkinder auf den Schindlerhof. Martin begann mit dem Stallbau, absolvierte die landwirtschaftliche Ausbildung und die Höhere Landbauschule. Das Paar heiratete.

Dass sich auf dem Hof wieder mehr rührte, gefiel auch Sabines Schwiegermutter Josefa. Sie selbst hatte früher eine Ferienwohnung vermietet und genoss es, dass wieder fremde Menschen am Hof waren, die sich für die Landwirtschaft interessierten.

Langsam näherten sich die beiden sehr unterschiedlichen Frauen an. Doch galt es, einige Kommunikationsprobleme zu bewältigen. Sabine stammt aus einem offenen Elternhaus, in dem ein herzlicher Umgang gepflegt wird. Auf dem Schindlerhof ging es um einiges wortkarger zu, hatte Josefa doch einiges mitgemacht in ihrem Leben. Martins Vater war jung verstorben, ebenso ihr späterer Lebenspartner. Auch ihren Vater und ihre Mutter begleitete Josefa bei sich im Haus bis zu deren Tod. Den Schindlerhof führte sie als Frau alleine weiter – gegen alle Widerstände und Offerten.

Alle wünschen sich ein friedliches Klima am Hof

So war für Josefa ein Umstand unwichtig, der Sabine dagegen schwer beschäftigte: Als einzige im Dorf sprach die junge Frau die ältere Josefa „per Sie“ an. „Wie es sich gehört, habe ich gewartet, dass mir Josefa das Du anbietet“, blickt Sabine zurück. Nach vier Jahren nahm die junge Frau endlich all ihren Mut zusammen und sprach Josefa darauf an, ob sie denn nicht auch „Du“ zu Josefa sagen dürfe. „Ja, sagst halt Du“, erwiderte Josefa knapp und das Thema war für sie erledigt.

Sabine hat sich Josefa Stück für Stück angenähert. Ein bisschen so, wie man einen Schatz ausgräbt, indem man viele Erdschichten freilegen muss. Diese manchmal anstrengende Arbeit hat sich gelohnt. Denn alle hatten den Wunsch, am Hof in Frieden leben zu können. Dieser Wunsch hat sich erfüllt. Sie wechseln sich beim Kochen ab, die Türen beider Wohnungen stehen offen, aber es wird geklopft, wenn man sich besuchen will. Josefa versorgt den Garten und Sabine ist heute für Josefa enge Vertraute und große Stütze. „Josefa war immer bereit und in der Lage, bei allem mitzugehen, was der Martin und ich so angegangen sind“, erzählt Sabine anerkennend. „Später habe ich ihr immer wieder ganz bewusst unsere Kinder in die Hand gedrückt, denen sie eine tolle und ganz liebevolle Oma ist.“

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