Populismus

Argumentationshilfe: Nichts sagen ist keine Lösung!

Zwei Bauern diskutieren mit viel Gestik auf dem Feld.
Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Freitag, 10.09.2021 - 10:15

Wie soll man auf populistische Aussagen im Gespräch reagieren? Der Argumentationsratgeber des Deutschen Landfrauenverbands gibt Tipps.

Immer öfter begegnen wir in unserem sozialen Umfeld Menschen, die sich populistisch äußern. Sie äußern sich rechtsextremistisch, hasserfüllt und menschenfeindlich. Oft ist man selbst in der Situation so perplex, dass man gar nicht weiß wie man reagieren soll. Der Deutsche Landfrauenbund hat für solche Momente einen Argumentationsratgeber herausgegeben. Darin werden konkrete Gesprächstechniken beschrieben und Tipps gegeben, wie man selbst die Demokratie stärken kann. Sie können sowohl im Vier-Augen-Gespräch, in Gesprächsrunden, bei der Familienfeier oder online in der Kommentarspalte bei Facebook angewendet werden.

Drei Tipps zur Gesprächsführung haben wir zusammengefasst:

1. Präzisionsfragen stellen

Oft sind bei heftigen Auseinandersetzungen Emotionen im Spiel. Die Person handelt währenddessen nur noch danach, die Gegenseite zu besiegen. Eine sachliche Auseinandersetzung ist dabei so gut wie unmöglich. Mit der Technik, Präzisionsfragen zu stellen, kann es gelingen, diesen Kampfmodus zu verlassen. Wichtig ist zunächst das Zuhören. Danach kann man vorsichtig die W-Fragen stellen (warum, wieso, weshalb, wie). Damit regt man die Person zum Nachdenken an. Die Fragen sollten dabei offen gestellt werden, sodass sie nicht einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können.

Beispiel: Person A sagt: „Es ist unerträglich, dass Lesben und Schwule Kinder adoptieren dürfen.“ Person B kann mögliche Fragen stellen: Warum ist das für Dich unerträglich? Was stört Dich daran? Für wen ist das Deiner Meinung nach problematisch?

2. Die analytische Methode

Populisten berufen sich meist auf andere Zahlen, Statistiken und Belege als man selbst. Das liegt daran, dass unterschiedliche Menschen auch verschiedenen Quellen und Medien vertrauen. Im Gespräch kann man so vorgehen.

Beispiel: Person A schildert ihre Sicht auf die Situation: „Siehst Du nicht die schleichende Islamisierung in unserer Gesellschaft?“ Person B kann daraufhin ihre Sicht auf die Situation schildern. Statt dann aber nur Zahlen und Fakten über die Entwicklung der Islamisierung zu tauschen, kann Person B nach einiger Zeit nach den Zielen von Person A fragen: „Worum geht es Dir eigentlich? Wovor hast Du Angst?“ Person A könnte antworten: „Ich möchte auch morgen noch in einer freien Gesellschaft leben und als Frau anziehen können, was ich will.“ Vermutlich werden sich beide Personen über dieses Ziel einig sein. Daraufhin kann Person B nach der Strategie fragen: „Wie wollen wir dauerhaft sichern, dass wir in einer freien Gesellschaft leben?“ Danach ist die Bereitschaft bei Person A womöglich größer, sich offen und zugleich kritisch mit neuen Informationen auseinanderzusetzen und wurde zum Nachdenken angeregt.

3. Notwendiges Distanzieren

Manche Diskussionen können eine „rote Linie“ überschreiten. Meist sind die Aussagen dabei diskriminierend, beleidigend oder verletzend. Man sollte dies nicht einfach stehen lassen, da das Zustimmung signalisieren könnte. Es gibt drei Möglichkeiten zu reagieren:

  • Die Aussage wiederholen und um Klarstellung bitten. „Habe ich gerade richtig verstanden, dass …?“
  • Seine Gefühle äußern, welche die Aussage in einem auslöst: „Was Du sagst, macht mich wütend/traurig. Ich möchte so etwas nicht noch einmal hören“
  • Sich offen von den Äußerungen distanzieren: „Ich bin damit nicht einverstanden und will so etwas nicht hören!“

Den Argumentationsratgeber des Deutschen Landfrauenverbands gibt es in voller Länge auf www.landfrauen.info.

 

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