Weihnachten

Advent oder Vorweihnachtszeit?

Ein Pfarrer predigt hinter dem Altar, vor der Gemeinde nur bei Kerzenschein.
Anna Knon
Anna Knon
am Sonntag, 13.12.2020 - 08:00

Christbaum, Geschenke oder Warten auf die Ankunft Jesu Christi: Weihnachten zwischen christlichem Ursprung und Konsumstress.

Advent ist eine ganz besondere Zeit im Jahr. Das Wort bedeutet ankommen. Gemeint ist die Ankunft Gottes auf Erden, die Ankunft des Messias, den das geknechtete Volk Israel sehnlichst erwartete – so steht es im Alten Testament. Der Advent gilt in den christlichen Kirchen und bei den Gläubigen als Wartezeit vor Weihnachten, um sich auf das Kommen Jesu Christi vorzubereiten – nicht nur als das Kind in der Krippe, sondern auch als Erlöser der Welt und der Menschen am Ende der Zeiten.

 

Rorate: Eine Messe im Kerzenschein

Solch dramatischen Ereignissen bzw. deren Gedenken gehen in allen Religionen Zeiten des Fastens und der Buße voraus, und so ist auch im christlichen Glauben der Advent eine Fastenzeit und noch vielmehr eine Zeit des Innehaltens, des Nachdenkens, des sich Abwendens von allem Lauten, eine „staade“ Zeit also mit Hinwendung auf das Wesentliche, auf das Kommen Jesu Christi. Diese zentrale Botschaft steht auch im Mittelpunkt der sogenannten Rorate oder Engelämter im Advent; das sind Messen in der Dunkelheit des frühen Morgens oder am Abend, nur beleuchtet durch Kerzenschein als Symbol für Christus als kommendes Licht der Welt.

Rorate gibt es nach wie vor; das Fasten ist eher in den Hintergrund gerückt. Bis in die 1960er Jahre war es durchaus üblich, auch den Heiligen Abend komplett als fleischlosen Fastentag zu begehen; erst nach der Christmette in der Mitte der Nacht wurden Würste und andere Spezialitäten der „Mettensau“ aufgetischt, große Braten ohnehin erst am Weihnachtstag. So ist das übrigens in Osteuropa noch heute Brauch.

 

Geschenke, Christbaum und Stress statt "staade" Zeit

Dass die Zeit des Nachdenkens und Fastens heutzutage eher ins Gegenteil umschlägt, ist eine Folge der Profanisierung des Kirchenjahrs. Die religiösen Feste werden mit der Abkehr von Kirche und Glauben nicht einfach ad acta gelegt, sondern nach wie vor gefeiert. Und so ist aus dem Advent die Vorweihnachtszeit geworden. Das ist ebenfalls das Vorbereiten auf ein großes Fest, aber mehr als Hinfiebern und Optimieren – keineswegs nur egoistisch, sondern auch geprägt von der Hinwendung zum Mitmenschen: Man überlegt sich, wie anderen eine Freude gemacht werden kann, es wird gewichtelt, Geschenke werden besorgt und liebevoll verpackt, Pakete und Grüße verschickt, Plätzchen und Lebkuchen verschenkt, und zu keiner Zeit des Jahres wird mehr gespendet als in diesen Wochen.

Geschäftigkeit entsteht auch, weil noch das Drumherum für das Fest organisiert werden will: ein Christbaum heimgeholt, das perfekte Weihnachtsmenü organisiert... So kommt eins zum anderen und klammheimlich wieder Hektik in die „staade“ Zeit und das Bedauern darüber. Denn das Bedürfnis nach Besinnung und Besinnlichkeit ist auch in der weltlichen Ausprägung des Advents nicht verloren gegangen. Auch nicht die Sehnsucht nach einer heilen Welt und nach Rettung, wie sie sich in den Adventsliedern sowohl der katholischen als auch evangelischen Kirche ausdrückt: „Tauet Himmel den Gerechten“, „Macht hoch die Tür“, „O Heiland reiß’ die Himmel auf“.

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