Wettbewerb Agrar-Familie

Vom Acker auf den Teller

Fritz Arnold
am Freitag, 07.02.2020 - 11:02

Kategoriesieger "Betriebsentwicklung": Familie Schwarz aus Ohrenbach im Landkreis Ansbach.

Tanz

Innovation, Organisation und die Gemeinschaft sind die drei wichtigen Auswahlkriterien beim Wettbewerb Agrar-Familie, den der Bayerische Bauernverband, der Bayerische Rundfunk und das Wochenblatt im vergangenen Jahr wieder durchgeführt haben. Beim Bayerischen Landwirtschaftlichen Hofball am vergangenen Sonntag konnten die Gewinner ihren Preis entgegennehmen.

So auch Familie Schwarz, die Sieger in der Kategorie "Betriebsentwicklung". An ihrem Betrieb in Ohrenbach im Landkreis Ansbach haben sie von der Milcherzeugung auf Wagyu-Fleischrinder umgestellt und sind in die Direktvermarktung eingestiegen.

Möglichst viele Lebensmittel selbst verarbeiten und direkt an den Konsumenten bringen, ist das Ziel der Familie Schwarz, die ihren Betrieb in Ohrenbach im Nebenerwerb führt. Obwohl alle Familienmitglieder in ihren Berufen ein ausreichendes Einkommen haben, engagieren sie sich im denkmalgeschützten Hof und wollen die Direktvermarktung weiter ausbauen.

Eine Wertschöpfung über die Herstellung von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln in einer Kette „vom Acker auf den Teller“ ist die Haupttriebfeder für die Arbeit der Familie. Schließlich ist Vater Karl Schwarz (51) als Küchenchef im Hotel Eisenhut in Rothenburg vom Fach. Das Pendeln vom Bauernhof in die Hotelküche in täglich zweigeteilten Dienstzeiten ist der Nebenerwerbslandwirt und Koch nach über 25 Jahren längst gewöhnt.

Regionales im Trend

Agrar-Familie

Im Hotel Eisenhut erlebt Karl Schwarz, dass der Trend hin zu regionalen Produkten auch bei gut betuchten Hotelgästen immer mehr zunimmt. Klimathematik, CO2 -Vermeidung, Tierschutz und Weidehaltung seien nicht mehr nur Schlagworte, sondern auch bei breiten Schichten der Bevölkerung angekommen. Dies habe ihn und die gesamte Familie bestärkt, den Weg einzuschlagen, Nahrungsmittel den Verbrauchern auf kurzem Wege anzubieten.

Bevor Karl Schwarz die Landwirtschaft im Nebenerwerb von seinen Eltern übernahm, war er vor seiner Tätigkeit im Eisenhut als gelernter Koch in renommierten Hotels in Berlin, München und Grindelwald in der Schweiz tätig. Ehefrau Birgit Schwarz hat ihr Engagement als Konditoreifachverkäuferin auf 20 Stunden pro Woche reduziert und will sich mit Tochter Jennifer (24), die als junge Konditormeisterin in einer Bäckerei arbeitet, daheim mehr engagieren. Sie backen Schneeballen, Zimtrollen, Küchle, Torten und andere fränkische Spezialitäten auf Bestellung und zu hofeigenen Events.

Ein erster Probelauf mit vielen Gästen bei einem Hoffest schlug voll ein. Dies ermutigte die Familie sich an dem Wettbewerb der Agrarpresse für den Titel Agrar-Familie zu beteiligen und errang in der Kategorie Betriebsentwicklung auf bayerischer Ebene gleich den ersten Preis.

Events am direkt Hof

Bislang werden Kuchen, Küchle und andere Spezialitäten in einem dafür eingerichteten Container gebacken, denn die Baugenehmigung für den Umbau bestehender Gebäude in Produktionsräume oder einem Neubau für einen Hofladen oder ein Café lässt noch immer auf sich warten.

Wenn es „nauswärts“ geht, will die Familie unter anderem eine Märzenbecherwanderung in den nur einen Kilometer entfernten Wald mit anschließender Mahlzeit am Hof anbieten. Im Mai ist nach der guten Erfahrung vor einem Jahr wieder ein Hoffest geplant.

Von Milchvieh zu Wagyus

Schwarz Agrar-Familie

In den Ställen stehen derzeit 60 Mutterschweine mit Ferkeln sowie sechs Kühe in Anbindehaltung. Die Rinder sind vor allem eine Leidenschaft von Sohn Dominik (26), der als gelernter Busmechatroniker jetzt bei einer Landtechnikfirma arbeitet. Er hat damit begonnen, anstelle von Milchkühen die Rinderhaltung auf die Weidehaltung mit der Fleischrinderrasse Wagyu umzustellen. Den schwarzen Weidetieren wird eine hervorragende Fleischqualität nachgesagt. Die ersten Tiere wurden den eigenen Kühen per Embryotransfer eingepflanzt. Mit ihnen auf die Weide geht der Fleckvieh-Ochse „Ringo“.

Weil Karl Schwarz als Hotel-Koch in besonderer Weise auf hohe Fleischqualität setzt, plant er in Zukunft auch die Schlachtung der Tiere auf der Weide einzuführen. Wie sich die Weidemast entwickelt, wird von der Nachfrage abhängen. Fleischwaren vom Schnitzel über Gulasch bis zum Nackensteak gibt es nur auf Bestellung. Lang ist dagegen die Liste an Konfitüre – von Quitte, Birne-Safran über Winterzauber mit Schlehe, Birne und Mirabelle. Zu den weiteren Spezialitäten gehören Bärlauchschmalz mit Röstzwiebeln und Himbeeressig.

Ein Berater statt fünf Kontrolleure

Die bewirtschafteten 35 Hektar liegen alle in Sichtweite des Hofes. Der Aufwuchs dient in erster Linie der Ernährung der Tiere. Auf den Äckern werden Getreide, Mais und Luzerne angebaut. Vor allem bei den Feldarbeiten und den Reparaturen des Maschinenparks ist der Partner von Tochter Jennifer, Patrick Stahl, eine große Hilfe.

Das denkmalgeschützte Anwesen liegt an der Straße zwischen Ohrenbach und Hinterpfeinach. Es entstand aus dem Abbau des Pfeinacher Landturms und handelte sich um einen von 18 ehemaligen Rothenburger Zolltürmen in der sogenannten „Landhege“. An diese Ära erinnern ein restaurierter Wappenstein und zwei Info-Tafeln. Von der Agrarverwaltung wünscht sich der „Tura-Karl“, wie schon sein Vater genannt worden war, dass anstelle von fünf Kontrolleuren öfter einmal ein Berater auf den Hof käme. Der Spitzname von Karl Schwarz leitet sich übrigens ab vom historischen „Landturm“.

 

Die Kategoriesieger im Überblick

Sieger Kategorie "Sonderpreis": Am Ferlhof der Familie Demmelmair in Hilgertshausen können Kinder und Jugendliche den Alltag auf einem Bauernhof erleben.

Sieger Kategorie "Soziale Landwirtschaft": Familie Ebenbeck aus Sinzing bietet Reit- und Arbeitstherapie in Kooperation mit einem Kinder- und Jugendheim.

Sieger Kategorie "Öffentlichkeitsarbeit": Der Wieserhof von Familie Hörmannskirchner in Mauern bietet Einblicke in die Milchviehhaltung für Kinder und Erwachsene. Die Bauernhofgastronomie samt Brotbackhaus sorgt für kulinarische Genüsse.

Sieger Kategorie "Betriebsentwicklung": Familie Schwarz aus Ohrenbach hat von der Milcherzeugung auf Wagyu-Fleischrinder umgestellt und ist in die Direktvermarktung eingestiegen.