Interview

Wein: Mehr als nur ein Getränk

Der junge Winzer steht mit einem Glas Wein auf seinem Weinberg. Hinter ihm die Reben.
Anja Kersten
am Sonntag, 24.01.2021 - 08:00

Winzer Alexander Jonas erzählt im Interview von seinem Alltag, ärgert sich über Weinpreise und erklärt, warum junge Leute immer noch lieber Bier trinken.

Steckbrief

Der junge Mann hält das Messgerät in seinen Händen. Er steht inmitten seiner Weinberge.

Wie heißt Du? Alexander Jonas

Wie alt bist Du? Ich bin 35 Jahre alt.

Was treibst Du? Ich habe mich nach meiner Ausbildung zum Kfz-Elektriker für eine weitere Ausbildung zum Winzer entschieden und danach die Weinbauschule in Oppenheim am Rhein besucht (Rheinland-Pfalz).

Wo wohnst Du? Zusammen mit meinem Vater führe ich unseren Weinbaubetrieb Jonas in Eußenheim (Lks. Main-Spesssart). Er umfasst 6,5 Hektar Rebfläche.

Das Interview mit dem Jungwinzer

Wochenblatt: Wie müssen wir uns die Arbeit eines Winzers vorstellen? Trinkst du vormittags schon Wein?

Alexander: Man trinkt als Winzer natürlich nicht den ganzen Tag Wein, aber den Wein zu probieren, gehört auf jeden Fall dazu. Wie sollte man sonst das Aroma und den Geschmack beurteilen? Es ist schön und immer wieder spannend, zu schmecken wie der Wein reift und sich während der Lagerung verändert. Der Wein wird dann auch oft wieder ausgespuckt. Die meiste Zeit meiner Arbeit verbringe ich auch nicht im Weinkeller, sondern im Weinberg.

 

Wochenblatt: Was ist für dich das Schönste an Deinem Beruf?

Alexander: Ein Produkt zu erzeugen, dass einem selbst und auch anderen gut gefällt. Etwas, wofür man Anerkennung bekommt, das gibt einem ein gutes Gefühl und ist Ansporn. Wenn ein Kunde zu mir sagt: „Der Wein schmeckt mir!“, dann gibt es für mich als Winzer kein größeres Lob. Ich mag aber auch die körperliche Arbeit in den Weinbergen. Draußen bei den Weinstöcken ist das meiste Handarbeit und mit der Pflege der Weinstöcke lässt sich die Qualität des Produktes beeinflussen. Vieles ist Routine, aber die Witterung ist in jedem Jahr anders und entsprechend muss man seine Entscheidungen treffen. Das ist jedes Jahr wieder eine neue und spannende Herausforderung.

 

Wochenblatt: Heißt das, dass ein Wein vom selben Winzer und derselben Rebsorte jedes Jahr ein bisschen anders schmeckt?

Alexander: Das Grundgerüst des Geschmackes ist gleich, aber in Nuancen unterscheidet sich der Wein schon. Schon allein das unterschiedliche Alter der Weine trägt dazu bei, dass sie nicht genau gleich schmecken.

 

Wochenblatt: Jüngere Menschen trinken wenig Wein, dafür mehr Bier? Warum eigentlich?

Alexander: Historisch gesehen war Bier das Getränk der einfachen Leute. Wein konnte sich nicht jeder leisten und man trank Wein deshalb nur zu besonderen Anlässen. Auch heute noch ist Bier billiger als Wein. Wer nicht in einer Weinregion aufgewachsen ist, hat wohl auch weniger Bezug dazu. Wein trinkt man eher mit Mitte/Ende 20 und nicht mit 18 Jahren. Das war auch bei mir so.

 

Wochenblatt: Woran könnte das sonst noch liegen?

Alexander: Bei meinen Weinproben merke ich schon, dass auch jüngere Leute Wein gegenüber interessiert sind. Wein ist ein spannendes Getränk mit einer unheimlich großen Bandbreite. Es gibt nicht nur Weiß- und Rotwein und Rosé, sondern auch viele unterschiedliche Rebsorten, Anbaugebiete, Qualitäten. Heute gibt es sehr viele Weine, die gerade den Geschmack von jungen Leuten treffen. Die kann man nicht nur beim Winzer kaufen, sondern auch im Supermarkt. Aber da ist man schnell überfordert, wenn man vor dem Weinregal steht. Da gibt es eine Vielzahl von Weinen aus aller Welt und man weiß gar nicht, was man kaufen soll.

 

„Mit Weinstöcken bindet man sich 20 bis 25 Jahre an eine Rebsorte.“

 

Wochenblatt: Da ist der Bocksbeutel gar nicht schlecht, weil er unter den anderen Flaschen hervorsticht?

Alexander: Der Bocksbeutel gehört zu Franken, er ist ein Aushängeschild und Qualitätsmerkmal. Wir haben damit ein Alleinstellungsmerkmal. Der Bocksbeutel spricht alle Altersgruppen an. Seine speziellen Form wird bei Weinproben auch immer diskutiert, allen voran die Frage auf, ob wirklich 0,75 Liter hinein passen. Was sich bewährt hat, auch wenn es alt ist, muss nicht automatisch schlecht sein. Der Überzeugung bin ich auch bei der Rebsorte Müller-Thurgau. Das ist eine alte und für unseren Standort gut geeigneten Rebsorte. Sicher ist es spannend, neue Rebsorten anzubauen, aber mit Weinstöcken bindet man sich 20 bis 25 Jahre an eine Rebsorte. Ob der Kunde die neue Rebsorte mag, weiß man vorher nicht.

 

Wochenblatt: Ärgert es dich, wenn im Supermarkt wenig Flaschen aus Deutschland und viele Weine teils für 2,99 € angeboten werden?

Alexander: Ja, das ärgert mich schon. Denn wer weiß, wie viel Arbeit hinter jeder einzelnen Flasche Wein steckt, der weiß auch, dass mit dem günstigen Preis etwas nicht stimmen kann. Deshalb erzähle ich bei unseren Weinproben auch von meiner Arbeit im Weinberg. Da wird dann auch klar, warum eine Flasche bei uns diesen Preis hat.

 

Wochenblatt: Die Sprache bei Weinproben ist für Laien manchmal schwer nachvollziehbar. Sprichst Du dabei auch so?

Alexander: Es gibt ausgewählte Adjektive, um einen Wein in Aussehen, Geruch, Geschmack, Körper und Gesamteindruck zu beschreiben. Ich bin da eher für eine einfache Sprache, die auch jeder nachvollziehen und schmecken kann, wie zum Bespiel nach „grünem Apfel“ oder „tropischen Früchten“. Ich muss einen Wein so beschreiben, dass der Kunde die Weinbeurteilung gut versteht und Spaß am Wein trinken hat.

 

Wochenblatt: Hast du schon mal einen Wein getrunken, der dir immer in Erinnerung bleiben wird?

Alexander: Ich habe mit Freunden mal einen Chateauneuf du pape von 1969 getrunken. Der Wein war geschmacklich etwas sehr Besonderes und immer noch von sehr hoher Qualität.

 

„Wer immer nur den eigenen Wein trinkt, wird ‚weinblind‘.“

 

Wochenblatt: Trinkst Du auch mal Bier oder nur noch Wein?

Alexander: Als Winzer trinkt man schon hauptsächlich Wein, gern auch den eines Kollegen. Wer immer nur den eigenen Wein trinkt, wird „weinblind“. Mit Freunden trinke ich auch gerne Bier, keine Frage. Es gibt in Franken sehr gutes Bier. In Bezug auf Essen und Wein: Selbst zum Schweinebraten kann man einen guten Rotwein trinken. Bei fränkischen Schäufele würde ich allerdings ein Bier bevorzugen.

 

Wochenblatt: Welchen Wein schlägst Du für einen Abend zu zweit vor?

Alexander: Im Sommer würde ich die Weißweinsorte Bacchus empfehlen. Den kann man zu zweit gut trinken, auch ohne Essen. Als Weißwein und wenn es etwas Besonderes sein darf, würde ich für den Winter einen trockenen Lagenwein (Anm. d. Red.: begrenzte Rebflächen mit besonderen Anbaubedingungen) wählen, zum Beispiel einen Silvaner oder einen Weißen Burgunder vom Eußenheimer First. Als Rotwein einen Domina oder Spätburgunder. Als Winzer empfehle ich natürlich, den Wein von einem Winzer aus Deutschland oder Franken zu kaufen. 

 

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