Berufswettbewerb

Wald: Sicherheit ist keine Glückssache

Petra Stemmler-Richter, SVLFG
am Donnerstag, 09.01.2020 - 16:50

Berufswettbewerb der Landjugend: Als einzige weibliche Teilnehmerin im Bereich Forstwirtschaft hat Francine Fortagne den vierten Platz geholt und den SVLFG- Sicherheitspreis gewonnen. Mit uns hat sie über ihre Arbeit gesprochen.

Landjugend

Francine Fortagne ist im letzten Ausbildungsjahr zur Forstwirtin und mit Begeisterung bei der Sache. Sie macht ihre Ausbildung beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald am Hauptstützpunkt Sankt Peter. Forstwirtschaft ist für sie eine Herzensangelegenheit, die Entscheidung für den Beruf hat sie noch nie bereut. Um noch lange gesund leben und arbeiten zu können, sind ihr Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sehr wichtig. Mit dieser Einstellung hat sie am Bundesentscheid der Landjugend in der Kategorie für angehende Forstwirte teilgenommen und den Sicherheitspreis der SVLFG gewonnen.

Wie gut ein Wettbewerbsergebnis ausfällt, ist immer auch abhängig von der Tagesform. Bei der Arbeitssicherheit überlässt die junge Frau allerdings nichts dem Zufall – nicht nur im Wettbewerb, sondern vor allem bei der täglichen Arbeit.

Der Ausbildungsleiter lebt Arbeitsschutz vor

In ihrem Ausbildungsbetrieb werden Sicherheit und Gesundheitsschutz groß geschrieben. Einen großen Anteil an ihrem Erfolg schreibt Francine Fortagne deshalb auch ihrem Ausbildungsleiter zu: „Dank der großen Unterstützung durch Matthias Schneider konnte ich mich optimal vorbereiten. Der Bogen mit den Wissensfragen der SVLFG war für mich nicht schwierig und die meisten praktischen Aufgaben kannte ich aus meinem beruflichen Alltag“, erzählt sie. Zum Beispiel auch die Sicherheitsfälltechnik, wie sie beim Bundesentscheid gefordert wurde.

„Wir sind in der Holzernte immer mindestens zu dritt unterwegs. Bevor wir mit der Arbeit beginnen, wird zusammen überlegt, was zu tun ist und wie man die Aufgaben am sichersten lösen kann“, erklärt sie. Von Matthias Schneider hat sie gelernt, wie wichtig es ist, immer genügend Zeit für die Arbeit im Forst einzuplanen und alle Arbeitsschritte sehr sorgfältig auszuführen.

Auch wenn sie selbst noch keinen Unfall miterleben musste, weiß sie doch, dass die Arbeit im Wald sehr gefährlich sein kann. Jeder Arbeitsablauf muss deshalb sitzen. „Wir machen zu Beginn immer eine Gefährdungsbeurteilung. Matthias Schneider sagt dann jedem Einzelnen noch einmal genau, was er zu tun hat“, erklärt sie. Zuerst wird die Fläche beurteilt. „Das ist gerade im schwierigen Gelände wichtig, in Hanglagen oder bei der Aufarbeitung von Sturmholz“, sagt Francine Fortagne. „Dann überlegen wir, wie wir im Einzelnen vorgehen wollen.

Beim Fällen werden problematische Bäume besonders ausführlich angesprochen. Gefällt wird erst, wenn alle Schritte ganz klar sind, wenn die Rückweiche sorgfältig vorbereitet ist und wenn sich niemand mehr im Gefahrenbereich aufhält.“ Inzwischen hat sie Erfahrungen gesammelt und eine gewisse Routine entwickelt. Beides hat ihr auch beim Wettbewerb sehr geholfen.

Wackelbretter hoch im Kurs bei Waldarbeitern

Bei aller Liebe zum Beruf – eine körperlich schwere Arbeit ist die Forstwirtschaft doch. Trotzdem sagt Fortagne, dass sie mit den passenden Hilfsmitteln und der richtigen Technik bis jetzt jede Aufgabe ausführen konnte. „Ich muss ja keinen Baum von Hand aus dem Wald ziehen“, schmunzelt sie. Um ihr Muskel-Skelett-System zu schonen, legt die angehende Forstwirtin Wert auf ergonomisch sinnvolles Arbeiten und treibt aktiv Ausgleichssport. „Ich will meinen Beruf noch lange gesund ausüben können. Am liebsten hier am Stützpunkt.“

Wie wichtig ihr die eigene Gesundheit ist, zeigt sich an ihrer Arbeitsweise und der Pausengestaltung: „Ich nehme mir zum Beispiel bewusst vor, mit geradem Rücken zu arbeiten, versuche besonders beim Entasten die Bewegungen korrekt auszuführen und achte darauf, keine Wege mit Gepäck doppelt zu gehen.

Am Stützpunkt gibt es Balanceboards, die wir nutzen; die Waldarbeitergruppe hat sogar welche in ihren Dienstfahrzeugen dabei.“ Auf den Wackelbrettern kann man sehr gut die stabilisierende Muskulatur trainieren und üben, wie man das Gleichgewicht hält – so kann man Verspannungen vorbeugen. Insgesamt bringt Francine Fortagne  also beste Voraussetzungen für ein gesundes und unfallfreies Berufsleben mit – und auch wenn Sicherheit bei der Waldarbeit keine Glückssache ist, wünschen wir ihr, dass sie immer auch das nötige Quäntchen Glück im Gepäck hat, wenn es nötig ist.