Berufsbild

Traumberuf Landwirt mit schwindender Faszination

Bauer
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 09.09.2021 - 11:47

Wird der Beruf des Landwirts in Zukunft an Attraktivität gewinnen? Eine Mehrheit der Bevölkerung erwartet das nicht. Vor allem die Jungen sind skeptisch.

Attraktivität

Sonnengegerbte Gesichter, wogende Kornfelder, glückliche Tiere auf saftigen Wiesen und strahlende Hofbesitzer in Karohemden und Gummistiefeln – Hochglanzbilder von Landwirten und ihrer Umgebung gibt es in der Werbung oder den sozialen Medien genug. Auch beliebte TV-Formate der letzten Jahre tragen ihren Teil dazu bei, dass Landwirte eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit genießen.

Doch wie ist es um das Image des Berufs bestellt? Wollen vielleicht sogar aufgrund solcher Bilder mehr junge Menschen Landwirt werden? Eine Umfrage der Rabobank zeigt: Mehr als die Hälfte der Deutschen (54,1 Prozent) glaubt nicht daran, dass der Beruf des Landwirts in Zukunft attraktiver wird. Immerhin ein Drittel (30,5 Prozent) bewertet die Anziehungskraft des Berufs positiv. Gleichzeitig sprechen sich 46,4 Prozent der Befragten dafür aus, Landwirte fairer zu entlohnen.

Wenig Interesse bei den Jüngeren

Berufsbild Landwirt

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe schrumpft: 2001 gab es noch rund 450.000 Betriebe in Deutschland, 20 Jahre später sind es noch knapp 263.000. Das ist ein Rückgang um 42 Prozent.

Damit sinkt auch die Zahl der Ausbildungsplätze. Zwar können viele Ausbildungsbetrieb ihre Stellen noch besetzen, dennoch sind laut den Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft die Ausbildungszahlen rückläufig. 2010 nahmen noch 38.667 junge Menschen (davon 8.772 Frauen) eine Ausbildung in landwirtschaftlichen Berufen auf. 2019 sank die Zahl der Nachwuchslandwirte um rund 6.000 auf 32.331 (davon 7.470 Frauen).

​​​​​​Die Umfrage zeigt: Je jünger die Befragten, desto weniger gehen sie davon aus, dass der Beruf des Landwirts in Zukunft an Attraktivität gewinnen wird. Während bei den 65-Jährigen Zustimmung und Ablehnung noch relativ gleichauf liegen – 42,8 Prozent glauben nicht daran, 19,8 Prozent sind unentschieden und 37,4 Prozent sind überzeugt, dass der Beruf attraktiver werden wird, – klafft bei den 18- bis 29-Jährigen eine deutlich größere Lücke: 71,0 Prozent sehen die Attraktivität schwinden, fast doppelt so viele wie die Generation der Eltern und Großeltern. Dagegen kann sich nur ein Sechstel (16,0 Prozent) der jungen Menschen vorstellen, dass der Beruf des Landwirts in Zukunft spannender wird. Bei den Altersgruppen dazwischen zeigt sich eine lineare Entwicklung: Je jünger die Befragten, desto weniger attraktiv finden sie diesen Beruf.

Unterschiede zwischen Stadt und Land

Stadt Land

Die Bevölkerungsdichte ist in der nebenstehenden Grafik über die Eingruppierungen "Sehr niedrig", "niedrig", "mittel", "hoch" und "sehr hoch" dargestellt. Damit sind die Kategorien Stadt (= hohe Bevölkerungsdichte) und Land (=niedrige Bevökerungsdichte) noch in Unterkategorien unterteilt.

Der Blick auf die Bevölkerungsdichte zeigt zunächst wenig Unterschiede bei Land- und Stadtbewohnern: In der Stadt ist man mit 57,7 Prozent am ehesten überzeugt, dass Landwirte künftig mehr Werbung für ihren Beruf machen müssen, auf dem Land sehen das 53,1 Prozent so.  Auf der anderen Seite leben hier – sicherlich der Nähe geschuldet – auch die meisten, die weiterhin an eine positive Entwicklung des Berufs glauben (31,3 Prozent). Nur in Kleinstädten finden sich noch etwas mehr Befürworter (31,5 Prozent).

Ost und West nahezu gleichauf

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Bei den Geschlechtern glauben etwas mehr Männer als Frauen, dass der Beruf des Landwirts künftig nicht attraktiver wird: Mehr als die Hälfte der Männer (56,1 Prozent) kann sich das nicht vorstellen. Die Frauen liegen mit 52,1 Prozent etwas dahinter. Auf der anderen Seite glauben mehr Frauen (32,8 Prozent) als Männer (28,2 Prozent), dass der Beruf künftig interessanter für den Nachwuchs wird.

Ost- und Westdeutsche sind sich ziemlich einig in der Annahme, dass das Dasein als Landwirt an Attraktivität verliert – im Osten sehen das 54,0 Prozent so, im Westen 54,2 Prozent. Auf der anderen Seite sind die Menschen im Osten zuversichtlicher, dass es eben nicht so kommt: Ein Drittel (33,9 Prozent) glaubt an die wachsende Attraktivität, während es im Westen nur 29,5 Prozent sind.

Für die Erhebung der Daten kooperiert die Rabobank mit Civey, einem Unternehmen für digitale Markt- und Meinungsdaten in Deutschland. Die Umfrage zum Thema Verantwortung für eine nachhaltigere Landwirtschaft ist repräsentativ und wurde online durchgeführt. Dafür wurden am 3. und 4. September 2021 mehr als 2.800 Teilnehmer*innen befragt. Die Stichprobengröße liegt bei über 2.500 Personen.