Ausbildung

Die Traktortypen am Klang erkannt

Milan Jurkat (3)
Fritz Arnold
am Donnerstag, 20.08.2020 - 14:05

Milan Jurkat hat beim Berufswettbewerb Fachkraft Agrarservice bundesweit den ersten Platz geholt. Landtechnik fasziniert ihn schon sein Leben lang.

Milan-Jurkat (18)

Wenn ich als Kind einen Traktor gehört habe, bin ich gleich ans Fenster gelaufen und habe geschaut, welcher es ist“, erinnert sich Milan Jurkat. Schon am Klang konnte er bald die einzelnen Typen unterscheiden. Er stammt zwar nicht aus der Landwirtschaft, doch Milan ist schon von klein auf beim benachbarten Bauern auf dem Schlepper mitgefahren. Während die anderen Buben in Abenberg (Lks. Roth) mit zunehmendem Alter allmählich das Interesse an der Landtechnik verloren haben – seine Begeisterung blieb!

Deswegen stand für ihn der berufliche Weg schnell fest: eine Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice. Schon vier Tage nachdem er seine Abschlussprüfung an der Fachoberschule in Triesdorf geschrieben hatte, fing Milan mit 18 Jahren beim Lohnunternehmen MFS in Wattenbach (Lks. Ansbach) mit der Ausbildung an. Die Firma kannte er, da diese in seiner Umgebung arbeitete. „Die nötigen Führerscheine für Schlepper und Auto habe ich natürlich schon so früh wie möglich gemacht“, erzählt er und schmunzelt.

Fortbildung zum Meister steht für ihn schon fest

Im Unternehmen, bestehend aus dem Chef Martin Messerer und den fünf jungen Mitarbeitern, durfte er bald Transportarbeiten übernehmen und Gülle fahren. Parallel besuchte er in wöchentlichen Blöcken jeden Monat die Berufsschule in Triesdorf. Inzwischen steuert Milan routiniert die bis zu eine halbe Million Euro teuren Großmaschinen. Für ihn steht jetzt schon fest, dass er auch die Fortbildung zum Agrarservicemeister anschließen wird, um dann noch mehr Verantwortung – auch für die Planung des Maschineneinsatzes – übernehmen zu können.

Durch seine Begeisterung für seinen Beruf sicherte sich Milan kürzlich auch den ersten Platz beim Bundesentscheid des Berufswettbewerbs Fachkraft Agrarservice, der in Triesdorf stattfand. Besonders punkten konnte er mit seiner praktischen Erfahrung. Zusammen mit seinen Arbeitskollegen gilt es nämlich, nicht nur die Großmaschinen zu steuern, sondern auch jeden Vormittag die bis zu 70 Schmiernippel mit Schmierstoff zu versorgen, Staub zu entfernen, Filter zu wechseln und die Scheiben sauber zu machen sowie die bis zu 1000 l Diesel fassenden Treibstofftanks aufzufüllen. Nach Ende der Saison müssen in einem Lohnunternehmen außerdem die Maschinen teilweise auseinander gebaut, gründlich gereinigt und repariert werden. Nur so können sie im Frühjahr beim Säen, Düngen und im Pflanzenschutz wieder störungsfrei zum Einsatz kommen.

Lob für bayerische Ausbildungsstätte

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Beim Berufswettbewerb ist für Milan außerdem deutlich geworden, welch hervorragend ausgestattete Ausbildungstätte in Triesdorf vorhanden ist. Die Teilnehmer aus den anderen Bundesländern waren angetan, wie gut und vielfältig der Bereich Energie und Landtechnik dort aufgestellt ist.

Ohnehin war für den Bundessieger das Treffen mit den anderen jungen Leuten, die bis von der dänischen Grenze, aus Mecklenburg-Vorpommern und vom Bodensee kamen, sehr aufschlussreich.

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„Viel Zeit zum Feiern hatte ich nach dem Wettbewerb in Triesdorf nicht, da der Bundesentscheid in die Zeit des Mähdreschens und der Strohernte fiel“, berichtet Milan. Gefeiert hat er dann vor allem im Kreis der Familie, in dem er auch einen interdisziplinären Austausch erlebt. Schließlich ist nur er – der jüngste Spross der Familie – in der Landwirtschaft tätig. Da ist stets für interessante Gespräche gesorgt, wenn beispielsweise der große Bruder nach Details im Pflanzenschutz oder Ackerbau fragt oder wenn die Landwirtschaft in den Medien wieder einmal unter Beschuss gerät.

Generell ist für Milan das Thema, wie man bei landwirtschaftlichen Arbeiten rücksichtsvoll mit der Bevölkerung umgeht, ständig präsent. „Selbst in der Hochsaison, wenn die Ernte drängt, versuchen wir die Arbeiten so einzuteilen, dass wir am späteren Abend möglichst nicht durch Siedlungsstraßen fahren oder nahe an Wohnhäusern arbeiten“, betont er.

Der Weg zur Fachkraft Agrarservice

  • Wer sich für eine Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice entscheidet, sollte technisches Interesse und Freude am Umgang mit Maschinen mitbringen. Bewerber sollten kontaktfreudig sein und mit Kunden umgehen können, die Arbeit in der Natur lieben und die Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten mitbringen.
  • Die Ausbildung beginnt mit dem Berufsgrundschuljahr, das drei Wochen überbetriebliche Lehrgänge mit Schlepperlehrgang, Schweißlehrgang und mit Geräten der Außenwirtschaft beinhaltet.
  • Unter gewissen Voraussetzungen kann man auch gleich die zweijährige duale Ausbildung im Ausbildungsbetrieb beginnen. Jeweils eine Woche im Monat erfolgt Blockunterricht an der Berufsschule. In Bayern findet der Berufsschulunterricht zentral am Standort Triesdorf statt. Dabei wird eng mit dem Fachzentrum für Energie und Landtechnik (früher Landmaschinenschule Triesdorf) zusammengearbeitet, das auch in jedem Jahr einen Speziallehrgang anbietet. Die Auszubildenden können während dieser Zeit im Internat wohnen.