Die Jugend packt an

Öl ist sein Hobby

Paul der Ölmüller mit einem Öl in der Hand lehnt auf Kartons mit Öl gefüllt. Er trägt ein gelbes T-Shirt. Darüber eine Latzhose. Auf dem Kopf trägt er einen Hut. Rechts ein Bild mit vier verschiedenen Ölflaschen.
Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Montag, 08.11.2021 - 15:45

Paul Belthle ist 15 Jahre alt und betreibt seine eigene Ölmühle. Uns erzählt er im Interview von seinen Anfängen und seinem Erfolg mit regionalem Öl.

Steckbrief

Wie heißt Du? Ich heiße Paul Belthle.

Wie alt bist Du? Ich bin 15 Jahre alt.

Was treibst Du? Hauptberuflich bin ich Schüler. Nebenbei betreibe ich meine eigene Ölmühle, namens „Die Ölfreunde“.

Woher kommst Du? Ich komme aus Beuron/Thiergarten, im Herzen des Naturparks Obere Donau, in Baden-Württemberg.

 

Interview

Wochenblatt: Wie kam es dazu, dass Du so jung schon Ölmüller bist?

Paul: Angefangen habe ich Weihnachten 2018, da hat mir mein Vater eine Ölmühle geschenkt. Er wollte, dass ich was anderes als Apfelchips mache, damit es in unserer Küche nicht immer so aussieht wie im Saustall. Also hat sich mein Papa überlegt, was er mir schenken kann. Dabei ist er auf eine alte Ölmühle gestoßen. Da wir zu diesem Zeitpunkt noch eine Jugendherberge mit Gastronomie hatten, brauchten wir eh ca. 20 Liter Öl pro Woche. So habe ich mit meiner ersten Ölmühle angefangen. Nach und nach ist das immer größer geworden. Am Anfang habe ich nur die Gastronomie beliefert. Irgendwann haben dann meine Lehrer gefragt, ob sie mein Öl kaufen könnten. Dann verkaufte ich das Öl im Hofladen eines Freundes. Groß wurde unser Unternehmen erst, als Corona kam. Da mussten wir unsere Jugendherberge schließen. Gemeinsam haben wir in der Familie beschlossen, die Gastronomie aufzugeben und komplett in die Ölherstellung einzusteigen. Mittlerweile ist in unserem Gebäude alles drin, von der Produktion bis zum Lager und dem eigenen Hofladen. Meine Eltern haben sich um das Lebensmittelkonzept und gutes Marketing gekümmert. Daraufhin sind wir schnell in den ersten Edeka reingekommen und das mit dem Öl lief immer besser.

 

Wochenblatt: Bist Du auch offiziell der Geschäftsführer „Deines“ Unternehmens?

Paul: Nein, natürlich nicht. Ich bin 15, das darf ich noch nicht. In Deutschland gilt man mit 18 Jahren als geschäftsfähig, somit darf man auch erst dann ein Unternehmen führen. Aber inoffiziell bin ich schon der Chef. Im Prinzip läuft es bei uns aber wie in einer Demokratie. Wir sind eine große Familie, wo alle mithelfen: meine Mutter, mein Vater, meine Onkel, mein Bruder, meine Oma, mein Opa. Wenn ich eine Idee habe, dann basteln alle daran mit und so entstehen unsere guten Produkte. Wir arbeiten immer zusammen!

 

Wochenblatt: Hattest Du vorher schon Interesse an der Ölherstellung?

Paul: Ich habe schon immer viel gekocht, hauptsächlich mit meiner Uroma. Sie hat mir viel beigebracht. Vor allem Salate habe ich gerne gemacht und da habe ich mich schon damals durch verschiedene Öle getestet. Aber von der Ölherstellung hatte ich bis zu dem Geschenk meines Vaters noch keine Ahnung.

Wochenblatt: Wie hast Du Dir das Wissen angeeignet?

Paul: Learning by doing. Es gab deshalb auch schlechte Erfahrungen, aber oft funktionierte es.

 

Wochenblatt: Was fasziniert Dich so sehr an der Ölherstellung?

Paul: Das handwerkliche gefällt mir so daran. Am Anfang hat man einen Sack voll Raps und leere Flaschen, am Ende richtig gutes Öl, wo man weiß, dass es auch schmeckt. Zusätzlich mag ich den Austausch mit den Kunden im Hofladen. Es gefällt mir richtig gut, wenn mir die Leute erzählen, was sie mit dem Öl kochen. Außerdem kann ich meine ganzen Kollegen, meine Landwirte, unterstützen.

 

Ölfreunde-Team-Ölmühle: Ein Gruppenfoto. Fast alle tragen dieselbe Kleidung. Gelbes Oberteil, blaue Latzhose mit dem Logo der Ölfreunde.

                     

Wochenblatt: „Hauptberuflich“ gehst Du noch zur Schule, wie schaffst Du es trotzdem, so für die Ölmühle da zu sein?

Paul: Nur durch die tolle Unterstützung meiner Familie geht das. Früher habe ich alles selbst gemacht, jetzt schaffen wir das Öl palettenweise aus der Tür. Ohne meine Familie würde ich das nicht schaffen. Morgens bin ich in der Schule, ab mittags arbeite ich dann voll in der Ölmühle mit.

 

Wochenblatt: Woher beziehst Du die Rohstoffe für Dein Öl?

Paul: Wir haben um die 30 Landwirte, bei denen wir die Rohstoffe einkaufen. Gerade beim Raps beziehen wir sehr große Mengen. Dann haben wir zusätzlich aber auch noch andere Saaten, Leindotter zum Beispiel oder Schwarzkümmel. Da ist es oft schwierig, jemanden zu finden. Aber alle sind aus der näheren Region, die am weitesten entfernten sind etwa 15 Kilometer von uns weg. Meine Landwirte kann ich alle in maximal einer Stunde mit dem Fahrrad erreichen.

 

Wochenblatt: Du hast die Landwirte alle selbst persönlich angesprochen?

Paul: Ja. Ein paar kannte ich. Aber bei Landwirten, die eher ausgefallene Saaten produzieren, musste ich mich durchfragen. Ich habe auch an den Feldern gewartet, bis jemand kommt, dann habe ich sie angesprochen.

 

Wochenblatt: Eure Öle haben teilweise kreative Namen: Der Keltenfreund zum Beispiel.

Paul: Ja, das war lustig, wie der entstand. Wir haben ihn zusammen mit dem Keltendorf Heuneburg gemacht. Wir haben herausgefunden, dass der Leindotter, den wir als Grundlage für das Öl nehmen, eine ganz alte Saat ist, die auch die Kelten schon nutzten. Also haben wir noch ein paar keltische Kräuter hinzugetan: Schabzigerklee, Brennnessel, Gundelrebe und so weiter. Mit dem Öl haben wir kürzlich sogar einen Preis gewonnen.

 

Der junge Ölmüller steht in seinem Hofladen. Hinter ihm volle Regale mit vielen Flaschen Öl.

                 

Wochenblatt: Was ist dein Lieblingsöl?

Paul: Tatsächlich inzwischen das Keltenöl, weil das so einen ganz frischen Geschmack hat und auch leicht salzig ist. Früher mochte ich das Kräuteröl am liebsten. Ich empfehle es immer noch gerne zum Verschenken, denn es mag wirklich jeder und man kann es für alles benutzen.

 

Wochenblatt: Was sagen Deine Freunde zu Deinem Hobby?

Paul: Die helfen teilweise auch mit. Und die, die nicht mithelfen wollen, weil sie inhaltlich kein Interesse haben, unterstützen mich, indem sie meine Öle kaufen.

 

Wochenblatt: Wenn Du mit der Schule fertig bist, willst du dann auch den Beruf Ölmüller lernen?

Paul: Nein, das ist nichts für mich als Lehrberuf. Ich will Schreiner lernen, aber die Ölmühle bleibt trotzdem.

 

Wochenblatt: Welchen Tipp hast Du für die Verwendung Deines Öls, beziehungsweise, was kann man damit noch machen außer einem Salat?

Paul: Das beste Rezept, das ich immer wieder gern mache, ist ein Pesto. Das ist so einfach, das kann wirklich jeder! Einfach zwei Hände voll Kräuter, ein bisschen Nüsse, ein bisschen Käse, Salz, Pfeffer und unser gutes Öl natürlich. Alles in einem Mixer vermengen. So einfach hat man ein gutes Pesto, das man aufs Frühstücksbrot oder zum Mittagessen zu den Nudeln geben kann.

 

Wochenblatt: Wo kann man euer Öl überall kaufen?

Paul: Bei Edeka und Rewe vereinzelt deutschlandweit und regional in vielen kleinen Märkten, Bioläden und Hofläden. Außerdem kann man es über Ebay, bald auch Amazon und natürlich über unseren eigenen Onlineshop kaufen. Auf unserer Webseite dieoelfreunde.de haben wir eine Karte mit allen Märkten, wo unsere Öle verkauft werden. Denn gutes Öl braucht jeder!

 

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