Die Jugend packt an

Mit nur 21 Jahren im Kreistag

Der junge Landwirt lehnt im Stall an einer Holzwand. Der Kopf eines Kälbchen kuschelt sich an seine Brust. Das schwarz-weiße Kälbchen saugt an seinem Daumen.
Anja Kersten
am Dienstag, 06.04.2021 - 07:00

Landwirt, Student und Kreistagsabgeordneter: Johannes Pfanner ist der zweitjüngste im Kreisrat und setzt sich für die regionale Landwirtschaft ein. Uns erzählt er, warum sich mehr junge Leute politisch engagieren sollten.

Steckbrief

Wie heißt Du? Johannes Pfanner

Wie alt bist Du? Ich bin 21 Jahre alt.

Was treibst Du? Ich wurde im März 2020 für die Junge Union in den Kreistag gewählt worden und bin damit der zweitjüngste Abgeordnete im Kreistag.

Woher kommst Du? Ich wohne in Scheidegg (Lks. Lindau) und besuche aktuell die Landwirtschaftsschule in Kempten. Nebenbei arbeite ich auf dem elterlichen Betrieb.

 

Interview

Wochenblatt: Dein Vater ist seit 2006 Bürgermeister. Damit bist Du quasi mit der Politik aufgewachsen. War das für Dich der Auslöser, um Dich ebenfalls politisch zu engagieren?

Johannes: Ich denke schon. Bei uns wurde viel über Politik gesprochen und durch die Arbeit meines Vaters habe ich gesehen, dass man etwas bewegen kann, wenn man sich engagiert. Er hat mir und meinen Geschwistern vermittelt, dass man nicht immer nur von den anderen fordern darf, sondern selbst auch dafür etwas tun muss. Deshalb habe ich mich, wie auch meine Schwester, in der Jungen Union (JU) engagiert. Dass ich in den Kreisrat gewählt wurde, war aber dann doch eine Überraschung. Eigentlich sollte ich nur die Liste füllen und war auch auf dem letzten Listenplatz.

 

Wochenblatt: Du hast keine Wahlwerbung für Dich gemacht?

Johannes: Ich war schon viel im Landkreis unterwegs, aber ohne damit zu rechnen, gewählt zu werden. Ich habe mit den Leuten gesprochen, ihnen zugehört und diskutiert. Man kennt mich, weil ich hier daheim bin, meine zwei Ausbildungen (Metallbauer und Landwirt) vor Ort gemacht habe und in vielen Vereinen bin. Das ist bestimmt ein Vorteil. Möglicherweise genauso, dass die Leute meinen Vater kennen und schätzen. Ich habe trotzdem nicht mit so vielen Stimmen gerechnet. Daher freut es mich umso mehr.

 

Wochenblatt: Die einen sagen: Junge Menschen interessieren sich nicht für Politik. Die anderen sagen: Die Politik interessiert sich nicht für junge Menschen. Wie siehst Du das?

Johannes: Es stimmt beides. Wenn ich an meine Schulzeit denke, hat sich fast niemand für politische Themen interessiert. Das lag aber auch daran, dass man zwar lernt wie gewählt wird, aber wie politische Arbeit in Wirklichkeit, in der Gemeinde, im Kreisrat aussieht oder wie ein Haushalt verabschiedet wird, darüber haben wir nichts erfahren. Daraus entsteht das Unverständnis, wie Politiker handeln. Dabei wäre es so einfach, Schülerinnen und Schülern zu erklären, was ein Haushalt ist und wie er verabschiedet wird. Ich denke aber auch, dass Politiker jungen Leuten mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Da muss sich noch viel ändern. Vielleicht könnten sie in Schulklassen gehen oder schon Kinder in der Grundschule ins Rathaus einladen. Wobei generell, was schulische Themen betrifft, auch immer viel von den jeweiligen Lehrkräften abhängt. Der Bürgermeister einer Nachbargemeinde organisiert zum Beispiel regelmäßig eine Fete für junge Leute, ohne dass das gleich politisch ist. So erfährt er, welche Themen die Jugendlichen beschäftigen.

 

Wochenblatt: „Fridays for future“ hat gezeigt, dass junge Leute sich durchaus für Politik interessieren. Könnte das auch der Kommunalpolitik zugutekommen?

Johannes: Das könnte schon sein. Aber etwas zu fordern ist einfach, es dann in die Praxis umzusetzen, ist weitaus schwieriger. Das sehen und verstehen viele Leute nicht. Ich weiß, dass ich mit meiner Arbeit im Kreistag nicht den Regenwald retten werde, aber ich kann dazu beitragen, dass wir weiterhin im Westallgäu eine Kulturlandschaft haben, in der Landwirte ihre Höfe bewirtschaften können. Ich führe viele Diskussionen mit jungen Leuten, die meinen, Landwirtschaft und vor allem Kühe seien klimaschädlich und die Lösung wäre, dass sich alle vegan ernähren. Was das für ihre Heimat und für die Menschen bedeuten würde und dass das alles nicht so einfach ist, das führe ich ihnen dann vor Augen. Und selbst wenn ich sie nicht überzeugen kann, habe ich sie hoffentlich zum Nachdenken angeregt. Meiner Meinung nach ist wichtig, dass jeder den Teil beiträgt, den er beitragen kann: Der Fleischliebhaber braucht dafür vielleicht nicht ständig neue Klamotten, sondern trägt Second-Hand.

 

Wochenblatt: Bei Deiner Arbeit im Kreistag setzt Du Dich also vermehrt für die Landwirtschaft ein?

Johannes: Ich bin für die JU-Fraktion im Haushaltsausschuss sowie im Landwirtschafts- und Umweltausschuss. Da ich selbst Landwirt bin und mit vielen Landwirten im Landkreis in Kontakt stehe, kenne ich die Probleme und Sorgen. Daher war auch innerhalb unserer JU-Fraktion schnell klar, dass ich in den Ausschuss gehöre. Ich möchte bei Entscheidungen, welche die Landwirtschaft betreffen auch diejenigen einbeziehen, deren Existenz davon betroffen ist.

 

Wochenblatt: Gibt es schon einen Erfolg, den Du mit Deinem Engagement erreicht hast?

Johannes: Ich stehe noch relativ am Anfang und es braucht bei manchen Themen Zeit sich einzuarbeiten. Gut finde ich jedoch, dass mehrheitlich gegen die Forderung der Grünen, im kompletten Landkreis Pflanzenschutzmittel zu verbieten, gestimmt werden konnte. Dies hätte sonst der Versuchsanstalt, einer ortsansässigen Obstbaumschule, die an umweltverträglichen Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln forscht, die Grundlage hierfür entzogen.

 

Wochenblatt: Wie sieht konkret deine Arbeit im Kreisrat aus?

Johannes: Das Meiste findet in den Ausschüssen und Sitzungen innerhalb unserer Fraktion statt. Dort wird diskutiert, ob und für was Anträge gestellt werden sollten. Hier ist es wichtig, auch andere für die eigenen Ideen zu begeistern, denn es geht darum, eine Mehrheit zu finden. Man selbst ist schließlich nur eine Stimme von vielen. Um andere zu überzeugen, muss man sich mit dem Sachverhalt auseinandersetzen und Argumente sammeln. Politische Arbeit ist quasi wie eine Beziehung – meistens läuft es dann auf einen Kompromiss hinaus. Wird ein Antrag dann angenommen und beschlossen, muss man hinterher auch mit Kritik klar kommen, dass man es nicht allen recht machen konnte. Auch das gehört dazu.

 

Wochenblatt: Trotzdem macht dir die Arbeit Spaß?

Johannes: Kritik und Diskussionen gehören zur politischen Arbeit. Mir macht die Arbeit als Kreistagsabgeordneter jedenfalls große Freude und ich kann sie gut neben der Arbeit auf dem elterlichen Betrieb und der Landwirtschaftsschule ausführen. Wenn wir als junge Leute Gehör finden wollen, dann müssen wir etwas dafür tun. Politik lebt davon, dass eine Parlamentszusammensetzung die echte Gesellschaft abbildet. Und da ist bis dato immer noch zu wenig die junge Generation vertreten. Bis zur nächsten Gemeinderats- und Kreistagswahl dauert es noch, aber junge Leute können sich jetzt schon ein bisschen an die Politik „herantasten“, indem sie, wenn es wieder möglich ist, mal eine öffentliche Sitzung besuchen oder direkt auf politische Mitglieder zugehen.

 

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