Ausbildung

Die neue (Fort-)Bildung an Landwirtschaftsschulen

Einige Studierende stehen in einem Kuhstall und bilden sich praxisnah weiter.
Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Montag, 18.01.2021 - 09:40

Wie laufen die Versuche an den Landwirtschaftsschulen? Nachgefragt beim Landwirtschaftsministerium, einem Schulleiter und einem Studierenden.

Junge Landwirte, die sich Zeit für eine Fortbildung nehmen, erwarten hochwertige, praxisnahe Inhalte. Deshalb hat sich das Referat für Bildung und Schulwesen in der Agrarwirtschaft (A3) im bayerischen Landwirtschaftsministerium zum Ziel gesetzt, angehenden Betriebsleitern bestmögliche Bildung an die Hand zu geben. Das Ergebnis: Ein Schulversuch an zwei Landwirtschaftsschulen, jeweils kombiniert mit einer Höheren Landbauschule (HLS).

1. Wo finden die Schulversuche statt und wie werden sie angenommen?

Der Schulversuch in Teilzeitform ist im Oktober 2020 an der Landwirtschaftsschule Weiden mit 20 Studierenden gestartet. Der anschließende Besuch der HLS ist in Almesbach möglich. Der Schulversuch in Vollzeitform startet Mitte 2021 an der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren. Dafür kann man sich ab sofort anmelden (siehe Kasten). Anschließend können die Studierenden jede HLS in Bayern besuchen. „Wenn der Schulversuch positiv verläuft und eine entsprechende Nachfrage da ist, kann man zu gegebener Zeit diskutieren, eine neue HLS aufzubauen“, erklärt Dr. Michael Karrer, Leiter des Referates A3 beim Landwirtschaftsministerium auf Nachfrage des Wochenblattes. Möglich könnte sein, dass ein neuer Schulstandort im Südwesten Bayerns entsteht, damit Studierende aus dieser Gegend eine gute Anbindung haben.

2. Welche Vorteile bringt das neue System für Studierende?

„Wer an einem der beiden Schulversuche teilnimmt, bekommt die aktuellste und bestmögliche Fortbildung in der Landwirtschaft, die der Freistaat derzeit zu bieten hat“, betont Karrer. Gleichzeitig ist es erstmals möglich, in Verbindung mit der Meisterprüfung und/oder dem Besuch einer HLS die gesamte Fortbildung in einem Zeitraum von drei, statt wie bisher in vier Jahren zu absolvieren.

Die Inhalte der Landwirtschaftsschule und der HLS wurden stärker miteinander verzahnt. Die Landwirtschaftsschule wird ihre Schwerpunkte verstärkt auf die Produktionstechnik, die Analyse und Reflexion des eigenen Betriebes sowie die Persönlichkeitsbildung legen.

In der HLS behandeln die Studierenden Möglichkeiten, den eigenen Betrieb weiterzuentwickeln. Ihnen werden zusätzlich produktionstechnische Kenntnisse vermittelt, außerdem wird das Wissen in Finanz-, Rechts- und Managementfragen vertieft sowie bayernweite Kontakte gefördert.

Auch ohne einen Besuch der HLS wird in der Meisterfortbildung die Durchführung von sogenannten Profimodulen möglich sein, in denen die Betriebsleiter spezielle Fertigkeiten, wie Herdenmanagement im Milchvieh- oder Schweinezuchtbereich vertiefen können.

3. Wie ist der Stand der Arbeitsgruppe, die sich mit den Meistermodulen beschäftigt?

„Derzeit arbeiten sechs interne Arbeitsgruppen, federführend mit Fachleuten der Regierungen, an der Organisation und den Inhalten der Meistermodule“, berichtet Karrer und ergänzt. „Mir ist sehr wichtig, dass diese Vorschläge anschließend nochmal mit allen Akteuren, die auch an der Gesamtkonzeption des Versuchs beteiligt waren, abgestimmt werden.“ Die Meistermodule werden im Jahr 2021 umfassend bearbeitet und sollen 2022, wenn der Versuch an beiden Landwirtschaftsschulen abgeschlossen ist, zur Anwendung bereit sein.

4. Wie wird es nach diesen ersten Schulversuchen weitergehen?

Beide Versuche an den Landwirtschaftsschulen, in Vollzeit und in Teilzeit, enden zeitgleich im Jahr 2022. Karrer blickt in die Zukunft: „Die Versuche werden anschließend evaluiert und dann wird eine Entscheidung für das weitere Vorgehen in ganz Bayern getroffen.“

Landwirtschaftsschule Weiden: Gute erste Erfahrungen trotz der Coronakrise

Der junge Mann steht auf einem verschneitem Feld am Wegrand. Er trägt eine blaue Jacke, eine braune Hose und eine schwarze Mütze.

Der Schulversuch in Teilzeitform ist Mitte Oktober 2020 bereits an der Landwirtschaftsschule in Weiden gestartet. Als einer von 20 Studierenden nimmt Markus Donhauser aus Raigering (Lks. Amberg-Sulzbach) teil. „Nachdem ich an der Akademie für Ökologischen Landbau Kringell meinen Öko-Bila abgeschlossen habe, hatte ich noch Lust auf eine Fortbildung! Im Internet bin ich auf den Schulversuch in Weiden gestoßen“, erzählt der 25-Jährige. Das Gespräch mit Schulleiter Reinhold Witt hat Donhauser schließlich überzeugt, sich anzumelden. Ihm kommt entgegen, dass er für die Teilnahme kein Praxisjahr vorweisen muss und er wird voraussichtlich die Meisterfortbildung ohne HLS absolvieren.

„Bisher sind die Studierenden sehr motiviert dabei, insbesondere beim Fach Persönliche Bildung und Kommunikation“, reflektiert der Schulleiter die ersten Monate. Der Unterricht konnte bis Mitte Dezember sogar in Präsenz mit Abstand und Maske stattfinden. In diesem Fach hat die Klasse zusammen mit den Lehrern ein Profil auf Instagram aufgebaut. Die Studierenden haben dort ihre Betriebe und deren Besonderheiten vorgestellt und versuchen, die Verbraucher für die Arbeit der Landwirte zu sensibilisieren und interessieren.

Dazu meint Donhauser: „Ich finde es super, dass die landwirtschaftliche Fortbildung weiterentwickelt wird und wir die Möglichkeit haben, durch solche Fächer Öffentlichkeitsarbeit zu lernen!“ Außerdem genießt er den offenen Austausch mit anderen Landwirten. „Wir lernen viel voneinander. Das ist wichtig, denn in der Landwirtschaft müssen wir gemeinsam etwas voran bringen, egal ob wir bio oder konventionell wirtschaften.“

Landwirtschaftsschule Kaufbeuren: Jetzt anmelden!

An der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren findet der zweite Schulversuch in Vollzeit statt. Es ist vorgesehen, den Unterricht in einem Block von zehn Monaten durchzuführen. Die Ferienregelung wird dabei dem Vegetationsverlauf angepasst.

Studierende, die am Schulversuch teilnehmen, können hier in zeitlich kompakter Form den Abschluss zum „Wirtschafter für Landbau“ erreichen. In Verbindung mit der Meisterprüfung oder dem Besuch einer Höheren Landbauschule ist es auch hier erstmals möglich, die gesamte Fortbildung in einem Zeitraum von drei Jahren zu absolvieren.

Der Vollzeit-Schulversuch in Kaufbeuren wird ab Mitte September 2021 angeboten. Informationen und Anmeldung bei Schulleiter Dr. Paul Dosch, Tel. 08341-9002-0 oder per Mail unter poststelle@aelf-kf.bayern.de.

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