Model, TV-Darstellerin - Landwirtin

Trecker Babes_Pressefotos_Margot2
Interview: Carmen Vitzthum
am Freitag, 16.10.2020 - 11:32

Margot Pölz ist Landwirtin und Teilnehmerin bei der TV-Serie „Trecker Babes“. Im Interview erzählt sie, wie so ein Dreh abläuft, wie wichtig Teamarbeit in der Familie ist und wie die Sendung das Image der Landwirtschaft stärken kann.

Wochenblatt: Du bist Teilnehmerin bei den „Trecker Babes“, schon in der 3. Staffel, wie kam es dazu?

Margot: Ich habe 2017 etwas sehr Ungewöhnliches für eine Landwirtin gemacht: Ich habe bei der Misswahl zur Miss Burgenland mitgemacht und gewonnen. Daraufhin hat sich das deutsche Fernsehen bei mir gemeldet. Es ist wohl sehr konträr, dass eine Landwirtin, die im Stall und bei den Maschinen anpacken kann, auf der Bühne eine Modenschau läuft. Das hat, glaube ich, Interesse geweckt.

Wochenblatt: Warum hast Du damals bei der Misswahl mitgemacht?
Margot: Ich wollte mir da selber was beweisen. Es heißt immer: Landwirtinnen können nur in Gummi- stiefel und Latzhose rumlaufen. Das stimmt nicht! Wir können genauso unsere Femininität zeigen. Wir sind genauso Frau, wie jede andere auch und wir können genauso auf High Heels auf einer Bühne performen. Das gehört für mich zusammen. Die Misswahl hat mir Spaß gemacht, aber ich habe nie den Fokus zur Landwirtschaft verloren. Egal wo ich hingekommen bin. Ich habe immer gesagt, ich bin Landwirtin und bin stolz drauf.
Wochenblatt: Hast Du bei „Trecker Babes“ sofort zugesagt?
Margot: Die erste Anfrage bekam ich über Social Media. Die habe ich aber erst nicht ernst genommen, denn ich bekomme oft Anfragen zu Fernsehdrehs oder Reportagen. Da weiß ich meist nicht, ob es eine seriöse oder Fake-Anfrage ist. Etwas später hat mich die österreichische Landwirtschaftskammer angerufen, dass mich das deutsche Fernsehen kontaktieren will. Die Anfrage ist also über drei Ecken ins Laufen gekommen. Dann habe ich gleich gewusst, das passt für mich und habe zugesagt.
Wochenblatt: Bei der Sendung geht es viel um Maschinen. Wie entstand Deine Leidenschaft dafür?
Margot: Als Kind bin ich immer mit meinem Papa im Traktor mitgefahren. Außerdem bin ich stundenlang mit ihm in der Werkstatt gewesen und habe ihm zugesehen, wie er an Motoren herumschraubt und Maschinen repariert. Später war für mich schnell klar: Was mein Papa kann, das will ich auch können.
Wochenblatt: Wie reagieren Menschen, wenn sie sehen, dass eine junge Frau so große landwirtschaftliche Maschinen fährt?
Margot: Im ersten Moment sind sie überrascht und müssen zweimal nachsehen, ob tatsächlich eine junge Frau am Traktor sitzt. Aber im zweiten Moment sind sie dann erstaunt und verblüfft. Mittlerweile bin ich solche Reaktionen gewöhnt. Die Leute im Dorf sind es gewohnt, dass ich mit dem Traktor herumkurve. Am Feld ist mir schon oft passiert, dass die Leute stehen geblieben sind und gewartet haben, bis ich wieder an den Feldrand hinfahre. Auch Autos sind mir schon nachgefahren. Das ist schon sehr auffällig.
Wochenblatt: Wie laufen die Dreh- arbeiten eigentlich ab?
Margot: Die Kamera ist der beste Freund, denn ich werde bei meinem täglichen Ablauf, die ganze Zeit von einem Kamerateam begleitet. Dabei werden mir ständig Fragen gestellt: „Margot, was machst Du da jetzt? Margot wieso machst Du das? Warum genau der Ablauf? Was hat das für Vorteile? Was hat das für Nachteile?“ Bei jedem Schritt wird man quasi verfolgt und ich versuche Rede und Antwort zu stehen, denn beim Zuschauer soll keine Verwirrung entstehen. Dieses Mal hat mich das Team von Donnerstagabend bis Sonntagmittag, von sieben Uhr morgens bis 19 Uhr abends begleitet. Manchmal dauerte es auch bis 20 oder 21 Uhr. Außerdem bin ich verkabelt, dadurch können mir Fragen übers Headset gestellt werden, wenn ich im Traktor unterwegs bin. Es macht sehr viel Spaß. Die Teams waren immer superwitzig. Wenn man bei so einem Termin mitmacht, muss man aber auch damit rechnen, dass die Arbeiten oft nicht so schnell von der Hand gehen wie sonst.
Wochenblatt: Denkst Du, Deine Teilnahme bei der Sendung stärkt das Image der Landwirtschaft?
Margot: Es kommt immer darauf an, wie man seinen Arbeitsbereich präsentiert. Ich kann nur von meiner Warte aus sprechen. Es ist aber sehr wichtig, dass der Konsument auch die Problematik und die Gegebenheiten in der Landwirtschaft versteht. Das kann er nur, wenn man die Praxis zeigt. In meinen Beiträgen sieht man, dass viel Herzblut und Liebe dahinter steckt, dass es Leute gibt, die wirklich 100 % geben und nur das Beste wollen. Ich denke schon, dass das Image der Landwirtschaft mit solchen Reportagen gestärkt werden kann.
Wochenblatt: Welche Rückmeldungen bekommst du auf Deine Beiträge?
Margot: Ich bekomme wahnsinnig gutes Feedback. Bis dato sind es nur positive Rückmeldungen. Das darf ich gar nicht verschreien. Es ist halt faszinierend, wenn junge Frauen zeigen was sie können, mitarbeiten, hart arbeiten und auch Betriebsführerinnen sein können. Besonders von meinen Berufskollegen gab es auch positive Rückmeldungen.
Wochenblatt: Thema Zeitmanagement: Wie schaffst Du das?
Margot: Ich bin nur so gut, wie mein Team ist. Alleine würde ich es nicht schaffen. Ich kann mich auf meine Familie zu 100 % verlassen, auf meine jüngeren Brüder, auf meine älteren Geschwister, die auch mitarbeiten und auf meine Eltern. Nur zusammen schaffen wir solche Sachen. Ich schaffe das tatsächlich nur, weil ich so eine starke Familie hinter mir stehen habe.
Wochenblatt: Wie findest Du einen Ausgleich zur Arbeit?
Margot: Ich kann echt sagen, dass ich mein Hobby, meine große Leidenschaft, zum Beruf gemacht habe. Für mich ist das Arbeiten am landwirtschaftlichen Betrieb kein Arbeiten, das macht einfach Spaß. Natürlich gibt es Höhen und Tiefen, aber da fängt mich meine Familie dann auf. Mein Ausgleich ist für mich tatsächlich, wenn ich in den Stall gehen und nach meinen Kühen sehen kann. Wenn es meinen Tieren gut geht, dann geht es mir auch gut. Dann habe ich meinen Ausgleich gefunden.
Wochenblatt: Worauf können sich die Zuschauer in den neuen Folgen freuen?
Margot: Dieses mal wird viel mehr vom Betrieblichen gezeigt – nicht nur von den Maschinen. Ich habe viel darüber gesprochen, mit welchen Gesetzen und Verordnungen wir Landwirtinnen und Landwirte tagtäglich zu tun haben. Mir liegt es am Herzen, die Landwirtschaft positiv darzustellen. Wir können stolz drauf sein, dass wir Landwirtinnen und Landwirte sind und dass wir tagtäglich unserer Arbeit nachgehen dürfen. Manchmal gibt es Höhen und Tiefen, aber unser Beruf ist genauso wichtig, wie jede andere Branche auch.

Die Jugend packt an - der Steckbrief

Trecker Babes_Pressefotos_Margot3

Wie heißt Du? Margot Pölz

Wie alt bist Du? 26 Jahre.

Was treibst Du? Ich bin Ingenieurin der Agrarwissenschaften und Mitbetriebsführerin unseres Familienbetriebs. Außerdem habe ich bereits zum dritten Mal bei der Fersehsendung „Trecker Babes“ mitgemacht.

Top Themen:
  • Lohnt sich die Umstellung auf Ökolandbau?
  • Grassilage 2. Schnitt: Zuckersüß
  • Landesschau des süddeutschen Kaltbluts
  • Festgesetzt im Markt für Pilze
  • Schöne, aber pflegeleichte Gräber
  • Warum die Schotten den Brexit nicht fürchten
Kostenfreies Probeheft Alle Aboangebote