Landwirtschaft einfach erklärt

Milch als Meisterprojekt

Elisabeth-Liegl-Hauswirtschaft-Milch-Buch
Bettina Hanfstingl
am Donnerstag, 04.11.2021 - 14:30

Elisabeth Liegl hat ihr Meisterarbeitsprojekt in der Hauswirtschaft der Milch gewidmet. Herausgekommen sind ein Buch und kurze Erklärvideos. Damit will sie Kindern und Eltern zeigen, wie vielfältig und wertvoll das Lebensmittel Milch ist.

Wie vielfältig und wertvoll das Lebensmittel Milch ist, ist immer weniger Menschen bewusst. Elisabeth Liegl hat sich deshalb in ihrem hauswirtschaftlichen Meisterarbeitsprojekt mit diesem Thema beschäftigt. Jetzt ist ihr schriftliches Lernprogramm für Kinder ab etwa 5 Jahren sowie für Erwachsene fertig – ergänzt um selbstgedrehte Erklär-Videoclips.

Landwirtschaft ins richtige Licht rücken

Die 28-Jährige, die in Rechtmehring (Lks. Mühldorf) lebt, ist gelernte Erzieherin. Sie arbeitet als Teilzeitkraft im AWO-Kindergarten in Kolbermoor, zudem besucht sie die Meisterschule für Hauswirtschaft in Rosenheim. Seit Jahren beobachtet sie, dass das Wissen um landwirtschaftliche Zusammenhänge und Ernährung bei Kindern und Erwachsenen abnimmt. Das will sie ändern. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen und schätze die Landwirtschaft sehr. Mit meinem Meisterprojekt will ich dazu beitragen, das verzerrte Bild von ihr gerade zu rücken“, erklärt Liegl und ergänzt: „Es ist mir auch ein Anliegen, das Bewusstsein für regionale Lebensmittel zu stärken.“

Schon früher dachte sie darüber nach, als Referentin zu den Themen Landwirtschaft und Milch in Kindergärten zu gehen. Sie wollte so ihre beiden Berufe Erzieherin und Hauswirtschafterin verbinden. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie stellten jedoch eine zu große Hürde dar, um dieses Vorhaben als Arbeitsprojekt zu realisieren. Die Arbeitsprojekte sind in vier Schritte unterteilt: Nach der Definitionsphase zur Projektfindung muss es selbstständig geplant, durchgeführt und abgeschlossen werden. In der letzten Phase ist vor allem die Evaluation wichtig.

Aus der Broschüre wurde ein gebundenes Buch

Elisabeth-Liegl-Buch-Milchkühe

Aus Liegls anfänglicher Idee, die Inhalte zu den Themen „Das Leben einer Milchkuh“ und „Milchprodukte“ schriftlich in einer Broschüre zusammenzustellen, wurde schließlich ein multimediales Projekt: ein gebundenes Buch mit Informationen und Rezepten sowie QR-Codes, mit denen selbstgedrehte Videos über Milchkühe, Kälber und die Zubereitung von Milchprodukten abrufbar sind. Liegl möchte auf diese Weise traditionelle und neue Medien verbinden. „Die Lehrkräfte an der Schule sagten mir, dass es sehr viel Arbeit werden würde“ erinnert sie sich. „Das war es auch, aber ich freue mich sehr, dass die Videos und das Buch mit dem Titel „Komm mit in meine Welt – in die Welt der Kühe“ nun fertig sind“ ergänzt sie.

Auf 84 Seiten hat Liegl Informationen zu den Abläufen in einem Milchviehbetrieb, zu Milchprodukten sowie Ausmalbilder, ein Quiz und ein Nachschlage-ABC zusammengestellt. Auch einige selbst kreierte Rezepte fehlen nicht. Damit die für Kinder gedachten Rezepte, wie etwa die Herstellung von Joghurt, praxistauglich sind, hat sie Liegl mit ihren Kindergartenkindern mehrmals ausprobiert. Im Buch gibt es außerdem Schritt-für-Schritt-Bilder.

Liegl findet es sehr wichtig, dass die Kinder durch das eigene Tun erfahren, wie Milchprodukte hergestellt werden. Für die Erwachsenen hat Liegl Rezepte wie den Schneeflocken-Punsch oder Rindergeschnetzeltes ergänzt. Sogar eine spezielle Torte hat sie entworfen, die Fleckii-Torte. „Die haben wir die letzten Wochen einige Male gegessen, bis die Zubereitung optimal war“ lacht Liegl.

Liegl liest selbst gern und findet es wichtig, auch Kinder dafür zu begeistern. Deshalb hat sie ihr Buch ansprechend gestaltet. Es ist quadratisch, für die Seiten wurde Naturpapier verwendet. Für die Fotos aus dem Stall und von den Rezepten engagierte Liegl eine befreundete Fotografin.

QR-Codes führen zu Erklärvideos über Milch

Im Buch verteilt sind außerdem zehn QR-Codes, die per Handy zu den ergänzenden Videoclips leiten. Die Videos mit einer Gesamtlänge von rund 60 Minuten hat sie selbst gedreht. Man kann zum Beispiel dem Futtermischwagen beim Vorlegen von Futter zusehen oder erlebt einen Melkroboter in Aktion. „Ich habe darauf geachtet, die Szenen in langsamem Tempo zu zeigen, um eine Reizüberflutung bei den Kindern zu vermeiden,“ betont Liegl.

Bei befreundeten Betrieben konnte sie die Beispielbilder und -filme über Kühe und Kälber anfertigen. „Die Videoclips auf der Plattform Youtube sind nicht frei im Internet, sondern nur über die QR-Codes im Buch aufrufbar und verfügen über einen Kopierschutz“ erklärt Liegl.

Ihre Familie und einige Freunde unterstützten sie beim Schneiden der Clips und bei der Gestaltung des Buchdesigns. „Alleine hätte ich das Projekt nicht stemmen können. Die Zusammenarbeit mit einem Verlag war jedoch wirtschaftlich nicht darstellbar. Da wäre der Verkaufspreis für das Buch zu hoch geworden“ erinnert sich Liegl. Schließlich ist die Wirtschaftlichkeit des Arbeitsprojektes eines der Bewertungskriterien bei der Evaluierung.

Das fertige Buch bietet Liegl nun zum Preis von 22 € zum Verkauf an. Neben 13 Kindergärten konnte sie 10 andere Orte wie Hofcafés oder Hofläden als Verkaufsstellen gewinnen. Auch Bestellungen per Mail unter lisas.buch@web.de sind möglich. Um ihren multimedialen Ansatz weiterzuführen, hat Liegl zwei Buchpräsentationen mit insgesamt 120 Teilnehmern online durchgeführt. „Die Infos zur Veranstaltung und zur Anmeldung habe ich zum Beispiel in meinem Whatsapp-Status gestellt, das lief ganz gut. Plakate haben dagegen eigentlich gar nicht funktioniert“ reflektiert Liegl.

Evaluierung durch Online-Fragebogen

Den vierten Teil ihres Arbeitsprojektes, den schriftlichen Abschluss mit Evaluierung, hat Liegl noch vor sich. Um herauszufinden, ob Inhalt und Gestaltung des Buchprojektes den Geschmack der kleinen und großen Leser getroffen haben, hat sie einen Online-Fragebogen erstellt. Einen Zugangslink und einen QR-Code zur anonymen Umfrage legt sie jedem Buch bei. Aus den Rückmeldungen, etwa auf welchem Weg man vom Buch erfahren hat, kann Liegl Rückschlüsse für die zukünftigen Schritte ihrer Buchvermarktung ziehen.

Im kommenden Winter will sie den Evaluierungsprozess abschließen und bald darauf auch die Meisterschule in Rosenheim. Ihre ursprüngliche Idee, Kindergartenkinder live vor Ort über Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel zu informieren und mit ihnen einfache Rezepte zuzubereiten, hat sie jedoch nach wie vor im Kopf. „Vielleicht ist so etwas im nächsten Frühjahr wieder möglich. Eine Tätigkeit als Referentin in diesem Bereich wäre schön“, sagt Liegl.

 

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