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Jugend forscht

Louisa schließt Forschungslücke

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Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Montag, 31.10.2022 - 11:30

Die 16-jährige Louisa Zajitschek forschte zur Fruchtbarkeit bei Rindern bei genetisch hornloser Zucht. Ihre Ergebnisse überraschen!

Mit ihrer Forschung zur Fruchtbarkeit von Rindern hat die Schülerin Louisa Zajitschek dieses Jahr bei „Jugend forscht“ gewonnen. Dem Wochenblatt verrät sie die Ergebnisse.

Steckbrief

Wie heißt Du? Mein Name ist Louisa Zajitschek.

Wie alt bist Du? Ich bin 16 Jahre alt.

Woher kommst du? Ich wohne im Landkreis Ansbach (Mittelfranken).

Was treibst Du? Ich bin Schülerin in der zehnten Klasse eines Gymnasiums. In meiner Freizeit beschäftige ich mich viel mit der Forschung im landwirtschaftlichen, tierischen Bereich. Meine Ergebnisse reiche ich immer wieder beim Wettbewerb „Jugend forscht“ ein.

Louisa, wie kam es dazu, dass Du zur Fruchtbarkeit von Rindern geforscht hast?

Ich interessiere mich seit etwa fünf Jahren für Rinder, als ich auf einem Milchviehbetrieb in meiner Nachbarschaft einmal bei der Aufzucht eines Kalbes helfen durfte. Seither zähle ich die Kälber mit. Mittlerweile sind es schon 864 Kälber, die ich mit aufziehen durfte. Letztes Jahr habe ich mir die Frage gestellt, ob die Fruchtbarkeit von Rindern unter der genetisch hornlosen Zucht leidet.

Wie kamst Du auf die Idee?

Von einer Freundin, die Ziegen hat, weiß ich, dass die Fruchtbarkeit bei genetisch hornlosen Ziegen sehr schlecht ist – vor allem bei Milchziegen. Ich wollte wissen, woran das liegt. Da habe ich herausgefunden, dass die Fruchtbarkeit bei Ziegen vom gleichen Allel beeinflusst wird wie der Hornstatus. Allele sind Abschnitte eines Gens. Und dann hat mich interessiert, ob das bei Rindern genauso ist. Ich habe festgestellt, dass es auch jeweils vom gleichen Allel beeinflusst wird, aber sich das noch niemand genauer angeschaut hat. Also habe ich das gemacht und mich damit bei „Jugend forscht“ angemeldet.

Und du warst erfolgreich.

Ja, im Februar habe ich im regionalen Wettbewerb in Schwaben in meiner Altersgruppe, von 15 bis 21 Jahren, gewonnen. Ebenso im Landeswettbewerb, weshalb ich dann beim Bundeswettbewerb in Lübeck teilnehmen durfte. Unterstützt hat mich meine Projektbetreuerin Rebecca Rieblinger. Dadurch sind auch viele Experten auf mich aufmerksam geworden. Meine Arbeit wird nun in Hannover in der tierärztlichen Fakultät veröffentlicht. Dass sie dann angehende Tierärzte lesen werden, finde ich schon krass gut. Ich hätte nie gedacht, dass auch mal andere von meiner Forschung profitieren können.

Wie bist Du bei Deiner Forschung vorgegangen?

Zuerst habe ich angefangen, die Besamungsanzahl zu dokumentieren. Also wie oft eine Kuh besamt werden muss. Alle meine untersuchten Tiere waren Kalbinnen und hatten die gleichen Voraussetzungen. Dabei kam heraus, dass die gehörnten Tiere meist schon nach der ersten Besamung trächtig wurden, während die hornlosen im Schnitt drei Besamungen mehr gebraucht haben. Und es waren bei den hornlosen auch acht Prozent dabei, die nie trächtig wurden, sodass der Tierarzt die Besamung einstellen musste, obwohl keine Auffälligkeiten per Ultraschall sichtbar waren.

Wie ging es den genetisch hornlosen Kälbern?

Es gab Kühe, die zwar trächtig wurden, aber ihren Fötus sehr schnell wieder verloren haben. Daraufhin habe ich mir angeschaut, ob sich die pränatale Entwicklungsdauer der Kälber verändert. Dafür habe ich alle hornlosen, lebensfähigen Kälber untersucht und herausgefunden, dass sich die Tragedauer verlängert. Normalerweise liegt diese bei 289 Tagen, doch nach dieser Zeit ist kein hornloses Kalb lebensfähig auf die Welt gekommen, sondern erst nach 300 Tagen. Die Kälber, die schon nach 289 Tagen auf die Welt kamen, sind überwiegend nach wenigen Stunden gestorben und man hat ihnen angesehen, dass sie einfach noch nicht reif sind.

Diese Ergebnisse sind eher schlecht, gibt es auch Vorteile, die Du herausgefunden hast?

Ja, bei genetisch hornloser Zucht kommt es seltener zu Zwillingsgeburten. Normalerweise liegt die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge bei 10 Prozent, bei der hornlosen Zucht sind es nur 7,7 Prozent. Was man aber aktuell auch auf die schlechtere Milchleistung schieben kann. Auch bei der Geschlechterverteilung der Zwillinge gab es Unterschiede: Es gab deutlich weniger gemischt geschlechtliche Zwillinge und dafür insgesamt mehr gleichgeschlechtlich männliche Zwillinge.

Wie viele Kalbinnen hast Du für diese Studie betrachtet?

Für die Studie hatte ich 25 genetisch hornlose und 25 gehörnte Kalbinnen untersucht.

Wie hast Du die neugeborenen Kälber untersucht?

Wichtig war, dass immer jemand bei der Geburt dabei war, denn so konnte ich sicherstellen, dass nicht etwa eine Kuh auf das Kalb getreten ist und es deswegen gestorben ist. Danach waren die ersten 48 Stunden entscheidend. Ich habe abgewartet und geschaut, ob das Kalb fit ist. Und ich habe immer alles mitgeschrieben. Auch bei den Kälbern, die gestorben sind, habe ich notiert, warum sie gestorben sind. Hier sollte ich noch erwähnen, dass im Untersuchungszeitraum kein einziges der gehörnten Kälber gestorben ist. Zusammen mit dem Tierarzt habe ich die toten Kälber auch teilweise untersucht. Bei manchen hat man die Ursache deutlich sehen können, weil sie zum Geburtszeitpunkt noch kein gescheites Fell hatten oder ohne Zähne auf die Welt kamen.

Auf welchen Betrieben hast Du geforscht?

Weil meine Familie selbst keine Landwirtschaft betreibt, habe ich zusammen mit Jugend forscht Zucht- und Milchviehbetriebe gesucht, die generell offen für Forschung sind. Die waren alle in meiner näheren Umgebung in Bayern, aber auch in Baden-Württemberg. Insgesamt war ich auf fünf verschiedenen Betrieben und habe 387 Rinder untersucht. In jedem der Betriebe war ich mindestens einmal pro Woche.

Wie soll es mit Deiner Forschung weitergehen?

Diese Forschung ist für mich jetzt erst mal abgeschlossen, weil ich mit den Möglichkeiten, die ich aktuell als Schülerin ohne eigenen Betrieb habe, nicht wirklich weiterkomme. Aber prinzipiell würde mich der Hormonstatus dabei noch total interessieren. Aber ich habe parallel schon ein paar andere Projekte laufen.

Magst du verraten, woran Du gerade forschst?

Ich beschäftige mich mit der Prägung von Geflügel. In einem Video über die Prägung bei Entenküken sind für mich zu viele Fragen offen geblieben. Ich schaue mir gerade an, ob ich die Tiere doppelt prägen kann. Bisher kam heraus, dass die Tiere Geräusche im Ei so stark wahrnehmen, dass sie sich dann nicht mehr umprägen lassen. Ganz krass!

Willst Du auch beruflich einmal in diese Richtung gehen?

Berufswahl ist so eine Sache. Ich hatte schon viele Berufswünsche, bin mir aber immer noch unsicher, weil ich meine Ausbildungszeit eigentlich so kurz wie möglich halten möchte. Am liebsten wäre es mir, wenn ich jetzt schon parallel zur Schule studieren könnte. Das ist in manchen Fächern möglich, aber halt leider nicht in denen, die mich interessieren und in Richtung Landwirtschaft gehen.

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