Ausgezeichneter Betrieb

Landwirtschaft Ausbildung: Ein gutes Vorbild für die Lehrlinge

Staatsehrenpreis: Ausbilder Norbert-Goetz steht mit der Auszeichnung und seiner jungen Auszubildenden im Kuhstall.
Regina Vossenkaul
am Dienstag, 23.11.2021 - 15:10

Landwirt Norbert Götz aus Unterfranken beweist bei der Ausbildung seiner Lehrlinge Geduld und fachliche Kompetenz. Seine Erfahrung: Überträgt man den Azubis bald eigene Aufgaben, werden sie selbstbewusst und arbeiten selbstständig.

Was macht einen vorbildlichen Ausbildungsbetrieb aus? Mit Geduld fachliche Kenntnisse und die nötigen Fertigkeiten vermitteln, sollte selbstverständlich sein. Die Lehrlinge dürfen wissen, dass sie auch mal Fehler machen können, sie sind schließlich noch in der Ausbildung. Der Ausbilder sollte den Lehrlingen ein gutes Vorbild sein und ihnen so früh wie möglich eigene Aufgaben übertragen, die sie eigenverantwortlich erfüllen. Das stärkt das Selbstbewusstsein. All das sind Grundsätze, die dem Landwirt Norbert Götz aus Bad Bocklet-Aschach (Lks. Bad Kissingen) bei der Ausbildung seiner Lehrlinge wichtig sind. Deshalb wurde er kürzlich mit dem Staatsehrenpreis für vorbildliche Ausbildung in der Landwirtschaft ausgezeichnet.

Der Berufsschul-Fachlehrer, der zudem Vorsitzender des vlf Bad Kissingen ist sowie stellvertretender Vorsitzender des Prüfungsausschusses und Vorsitzender des vlm Unterfranken, hat schon 33 Lehrlinge ausgebildet. Momentan lernt bei ihm Lena Ziegler aus Bad Königshofen-Merkershausen. Sie kam schon mit Vorkenntnissen auf den Hof, denn sie ist auf einem Betrieb mit Milchvieh und Ackerbau aufgewachsen.

Keine Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs

Auszubildende in der Landwiritschaft, Lena streichelt ein Kaelbchen

Diese Betriebszweige hat auch der Hof von Familie Götz. „Mädchen stehen den Jungs in nichts nach“, bemerkt der Betriebsleiter und schildert seine Erfahrungen: „Sie nehmen eher technische Hilfen in Anspruch und sind einfallsreicher.“ Er bildet weibliche Azubis genauso gern aus wie männliche.

Lena hat sich ganz normal beworben und Probe gearbeitet. Sie wohnt von Dienstag bis Freitag auf dem Hof, jeden Tag zu pendeln, wäre zu anstrengend. Montags ist Berufsschule, dazu kommen überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen und Urlaub.

Ein Azubi ist ungefähr 180 Tage im Jahr im Ausbildungsbetrieb, rechnet Götz vor. Ab Mitte November kommt ein zusätzlicher Lehrling, diesmal ein Mann. Auch wenn er immer wieder viel erklären muss, empfindet der Landwirt die Lehrlinge nicht als Belastung, im Gegenteil: „Ein Lehrling ist immer eine Hilfe und kann mir viele Handgriffe abnehmen“, sagt er. Gegen das Ausnutzen der Azubis als billige Arbeitskraft spricht er sich ganz entschieden aus. „Arbeitskräfte kann ich mir auf dem Arbeitsmarkt besorgen“, versichert er.

Landwirtschaft ist oft unromantisch

Auf den Hof kommen auch Praktikanten, manchmal sind das Städter, die sich die Arbeit auf einem Bauernhof ganz anders vorstellen, als sich dann in der Praxis zeigt. Geprägt von der Idylle, die schon durch Kinderbücher vermittelt wird, erleben manche das Alltagsleben in der Landwirtschaft als beschwerlicher und weniger romantisch, als sie dachten. Es macht dem Betriebsleiter aber nichts aus, hier „bei Adam und Eva anzufangen“, wie er versichert. Das ist ihm lieber, als wenn jemand von einem Bauernhof kommt und ständig meint, alles besser zu wissen, weil man bestimmte Dinge zuhause anders erledigt. „Manchmal kann man auch selbst von einer anderen Arbeitsweise profitieren“, räumt Götz ein.

Familiärer Umgang auf dem landwirtschaftlichen Betrieb

Ausbildung-Landwirtschaft-Lena-Ziegler-Zitat

Besonders wichtig ist dem Betriebsleiter ein familiärer Umgang: Er hält nichts davon, das Essen zu rationieren, wenn die Auszubildenden auf dem Hof wohnen. Seine Frau Simone kocht für alle gut und abwechslungsreich. Sie erkundigt sich bei jedem neuen Azubi nach dessen Vorlieben oder Unverträglichkeiten beim Essen und berücksichtigt dies in ihren Speiseplänen. In der Milchkammer steht außerdem eine Naschbox für den kleinen Hunger zwischendurch und falls der Blutzuckerspiegel sinkt. Während der gemeinsamen Mahlzeiten findet man Zeit, Themen anzusprechen, sich auszutauschen und auch mal etwas Privates zu bereden. Das findet auch Lena gut: „Kommunikation und ein familiäres Klima sind wichtig“, meint sie.

Der Tag auf dem Betrieb Götz fängt um halb sieben an, nach einer schnellen Tasse Kaffee geht es ab in den Stall. Bis ungefähr 9 Uhr dauert die Stallarbeit bei den 50 Milchkühen, dazu kommen 50 Tiere aus weiblicher Nachzucht und die Kälber. Im Laufstall kommen die Kühe zum Melken, es muss Futter zubereitet und verteilt werden. Schlepper fahren konnte Lena schon und hat einen Vorteil, wenn nach dem Frühstück – je nach Wetter – Arbeit auf den 60 ha großen Ackerflächen und 60 ha Grünland anfällt. Von halb zwei Uhr bis halb drei ist Mittagspause, um halb fünf beginnt wieder die Stallarbeit.

Die Ausbildung soll Spaß machen

Ausbildung-Landwirtschaft-Norbert-Götz-Zitat

Wichtig sei, dass die Lehrlinge Spaß an der Ausbildung haben, dann fallen die Arbeitszeiten, die wenig mit einem klassischen Bürojob gemein haben, nicht so stark ins Gewicht. „Denn manchmal müssen eben Überstunden geleistet werden, wenn zum Beispiel die Ernte eingebracht wird,“ meint Götz und betont, dass es dafür aber selbstverständlich einen Ausgleich gibt.

Lena kennt das von zuhause und bereitet sich darauf vor, später einmal den heimischen Betrieb zu übernehmen. „Ich weiß zu schätzen, was meine Eltern aufgebaut haben“, betont sie. Lena ist stolz darauf, dass sie ihr das – wenn es so weit ist – anvertrauen werden.

Und was ist die liebste Arbeit der Auszubildenden? Sie geht gerne mit den Tieren um und mag die Kälber, obwohl die auch sehr anstrengend sein können, wie Lena schon erfahren hat.

Praktika auf Bauernhöfen helfen bei der Entscheidung

Abends wartet das Berichtsheft, da bekommt sie bisweilen Hilfe vom Ausbilder, er muss ja die Betriebsgrundlagen zur Verfügung stellen und gibt auch mal Hilfestellung bei den Einträgen. Schließlich ist das Berichtsheft prüfungsrelevant und wird benotet. „Die landwirtschaftliche Ausbildung ist sehr vielfältig, mit Buchführung, der Arbeit im Stall und auf den Feldern, mit Düngen und Pflanzenschutz“, findet Götz. Trotzdem gibt es Abbrecher, oft schon im Berufsgrundschuljahr, die sich mit dem Beruf doch nicht identifizieren können. Der Landwirt rät den jungen Leuten, mehrere Praktika zu absolvieren, so können sie Fehlentscheidungen verhindern.

„Was man als Ausbilder auch nicht unterschätzen sollte, ist der Austausch der Lehrlinge untereinander“, spricht der Berufsschullehrer aus Erfahrung. Die Azubis sprechen über ihren Ausbildungsbetrieb und wechseln auch manchmal den Betrieb, wenn sie sich nicht wohl fühlen. Ein schlechtes Klima, unklare Strukturen oder fehlende Kommunikation sei weder für die Auszubildenden noch für die Ausbilder selbst angenehm. „Ich behandle meine Lehrlinge so, wie ich es mir für meine Kinder wünschen würde, wenn sie auf einen fremden Hof kommen“, macht Götz deutlich.