Landjugend

Landwirt: Heute Tierquäler, morgen Versorgungsgarant

Grainau
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 09.12.2020 - 16:51

Coronabedingt tagten rund 40 Junglandwirtinnen und Junglandwirte am ersten Adventswochenende vor ihren Bildschirmen und nicht wie gewohnt im Seminarhaus Grainau.

Zum Thema „Landwirt: Heute Tierquäler, morgen Versorgungsgarant. Wie weit hilft Öffentlichkeitsarbeit und wo steckt eigentlich der LEH?“ bot der Arbeitskreis Agrarpolitik ein vielfältiges Seminarprogramm.

Wir leben im Schlaraffenland

Der Ernährungspsychologe Prof. Klotter erklärte das widersprüchliche Verhalten der Verbraucher. „Wir leben in einem Schlaraffenland und im Überkonsum, die Gesellschaft verspürt aber trotzdem wenig Dankbarkeit oder Zufriedenheit“, so Klotter. Die Landwirtschaft müsse mehr in die positive Kommunikation mit der Gesellschaft treten und ihre Wertschöpfungsketten nach außen kommunizieren. Besonders wichtig sei es auch, regionale Netzwerke aufzubauen, „über den eigenen Hof hinausschauen“ und beispielsweise mit Kitas, Schulen und Vereinen zu kooperieren.

Preis seht beim Kunden immer noch ganz oben

Als Vertreter des LEH verwies Dr. Leif Balz von der Schwarz Gruppe darauf, dass der Preis in der Kommunikation mit den Kunden immer noch die Nummer eins sei. Der Einzelhandel müsse sich aber den gesellschaftlich geforderten Ansprüchen anpassen und zunehmend biologisch und nachhaltig erzeugte Lebensmittel in den Markt bringen. Viele Fragen aus dem Plenum drehten sich um die Einkaufspreise und Vermarktungspreise und wie das auf die Bauern zurückschlägt.

Balz appellierte an die Jungbauernschaft „den LEH als Möglichmacher und nicht als Gegner“ zu betrachten. Er sei „Absatzmacher für eine stabile deutsche Landwirtschaft“, so Balz. Kritik gab es in der Diskussion beim Umgang vom LEH mit Schadstofftoleranzen bei Importen und unterschiedlichen Standards. Die unter strengen Auflagen erzeugten deutschen Produkte seien nicht konkurrenzfähig gegenüber den ausländischen Produkten. So forderten die Jungbäuerinnen und Jungbauern immer wieder faire Preise für die eigenen Produkte. Auf die Frage, wie sich die Landwirtschaft aus Sicht des LEH entwickeln soll, sprach Balz von mehr Klimaresilienz, Nachhaltigkeit und mehr Offenheit.

Landwirtschaft in den Medien und der Gesellschaft

Der Journalist und Buchautor Dr. Jan Grossarth, zeigte der Jungbauernschaft anhand von Beispielen auf, wie die Landwirtschaft medial dargestellt wird und wie sich diese Statements in den Medien aus gesellschaftlichen und soziologischen Parametern zusammensetzen. Auch er forderte die Zuhörer dazu auf, in den fachlichen Austausch mit der Gesellschaft zu treten. Wichtig in der Kommunikation sei die emotionale Komponente, so dass die Verbraucher einen direkten emotionalen Bezug zum Produkt herstellen können.

Statements per Video von Aiwanger und Walter Heidl

Statt wie ursprünglich geplant im politischen Couchgespräch, kam Aiwanger in einer Videobotschaft zu Wort: „Öko aus Ägypten ist mit Sicherheit weniger öko als regional aus Bayern und diese Themen müssen wir in die Öffentlichkeit bringen.“ Regionale Verarbeitungs- und Versorgungsketten sollten zunehmend unterstützt werden. In Bezug auf den LEH müsse es für die Landwirte fairer zugehen, die Politik gesetzgeberisch gegen den Dumpingkampf vorgehen, so Aiwanger. Heidl erklärte in seiner Videobotschaft, dass die Wertschöpfung der landwirtschaftlichen Produkte und das breite Leistungsspektrum der Landwirtschaft zum Ausdruck gebracht werden müsse.

Carolin Nuscheler von der „RESI Agentur“ appellierte in ihrem Video an die Landwirte, starke Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, das sei wichtiger denn je.