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True Costs

Landjugend informiert sich: Das kosten Lebensmittel wirklich

Homabile-True-Costs-Penny-Lebensmittel-Preise: Foto eines Laptop Bildschirms, auf dem eine Präsentation mit Lebensmittelpreise zu sehen ist.
Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Mittwoch, 19.10.2022 - 14:00

Die Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Landjugendverbände informiert sich zu True Costs von Lebensmitteln und stellt sich die Frage, wie das den Landwirten helfen würde.

Wissenschaftlich betrachtet sollten 500g gemischtes Hackfleisch nicht 2,79 € kosten sondern 7,63 €. Die Berechnung dahinter nennt sich „True Costs Accounting“ (TCA), also eine Kostenrechnung, welche die wahren Preise unter Berücksichtigung der verursachten gesamtgesellschaftlichen Kosten ermittelt. Es ist die monetäre Darstellung von externen Einflüssen, wie zum Beispiel Emissionen, die bei der Produktion entstehen.

Zu diesem Thema hat sich vergangene Woche die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Landjugend (Arge) im BBV fortgebildet. Sie trafen sich in Ingolstadt und luden Amelie Michalke, von der Uni Greifswald und Benjamin Oebel, von der TH Nürnberg, ein. Die zwei Referenten befassen sich im Rahmen des Projekts „HoMaBiLe – How much is the dish?“ mit der Frage, wie gerecht die Preisgestaltung von Lebensmitteln ist.

Praxistest mit True Costs

„Wir versuchen, hochkomplexe biologische Strukturen mit einer einfachen Einheit, nämlich Kosten, zu kommunizieren“, erklärt Michalke die Idee hinter TCA. Ihren Berechnung zufolge würden Bioprodukte damit günstiger werde als konventionelle Produkte – nicht umgekehrt, wie es aktuell der Fall ist. Dieses Modell haben die Forscher bereits in einer großen Kampagne in Berlin getestet, zusammen mit dem Lebensmittel-Discounter „Penny“. Dort wurden verschiedene Produkte mit zwei Preisen ausgezeichnet: Dem tatsächlichen Verkaufspreis und den von HoMaBiLe berechneten tatsächlichen Preis.

Die Forscher sehen aber auch ein, dass das Kostenmodell noch nicht sozial verträglich ist. Denn nicht alles lasse sich in Preisen ausdrücken. Gerade beim Tierwohl, oder bei der Berechnung von unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Schlachtbetrieben komme man an Grenzen.

True Costs könnten eine Chance für Landwirte sein

Die Arge Landjugend setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Evangelischen Landjugend (ELJ), Katholischen Landjugendbewegung Bayern und Bayerischen Jungbauernschaft. Sie diskutierten im Anschluss an den Vortrag über den Nutzen von TCA. Ihre durchgängige Meinung: Im ersten Moment werden die Studienergebnisse den Landwirten erst einmal „gscheid weh tun“, denn die Preisgestaltung sei sehr einfach gedacht. Im zweiten Moment könne das Modell aber in die Hände der Landwirte spielen. Denn Landwirte könnten so ihre Leistungen aufgrund der immer höher werdenenden Umweltauflagen geltend machen. Aber es brauche laut Arge eine genauere Betrachtung. Arge und HoMaBiLe wollen weiter im Austausch bleiben und eine Lösung finden, wie Bauern und Wissenschaft dahingehend enger zusammenarbeiten können.

Statement aus der Landjugend

Stefan-Funke-ELJ: Ein junger Mann steht mit Arbeitskleidung auf einem Acker.

Stefan Funke, Landwirt und Vorsitzender des Agrarsozialen Arbeitskreises der ELJ:

„TCA’s sind ein spannendes Element zur Beurteilung von Bewirtschaftungssystemen. Aber sie sind auch kritisch zu betrachten. Denn es gibt keinen Betrieb, der sich mit dem verwendeten Durchschnittsbetrieb gleichsetzen lässt. Zumal symbiotische Betriebszweige und individuelle, ökologisch positive Betriebsmaßnahmen nicht exakt berücksichtigt sind. Dennoch können TCA’s langfristig sinnvoll sein, damit sich unsere deutschen Produkte, mit ihren erhöhten Umweltstandards, von den Billigimporten abheben.“

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