Die Jugend packt an

Kunststofffreie Hauswirtschaft

Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Mittwoch, 13.10.2021 - 14:00

Hauswirtschafterin Maria Hartl startet ihr Meisterprojekt, um Mikroplastik zu vermeiden. Sie erzählt im Interview, worauf es im Haushalt ankommt und gibt Tipps für die ersten Schritte in ein kunststofffreies Leben.

Eine junge Frau steht mit einer lilanen Schürze und einem Sieb voll mit Kräutern in der Hand im Hauseingang zwischen Pflanzen.

Steckbrief

Wie heißt Du? Ich heiße Maria Hartl.

Wie alt bist Du? Ich bin 24 Jahre alt.

Was treibst Du? Ich bin ausgebildete Hauswirtschafterin und mache gerade mein Meisterprojekt zum Thema „Mikroplastik vermeiden“.

Woher kommst Du? Ich wohne auf unserem Hof in Halfing im Landkreis Rosenheim.

 

Interview

 

Wochenblatt: Im Rahmen Deiner Meisterprüfung für die Hauswirtschaftsschule setzt Du Dich mit Nachhaltigkeit auseinander. Was hast Du genau geplant?

Maria Hartl: In meiner Meisterarbeit geht es hauptsächlich darum, dass ich auf Kunststoffe verzichte und so Mikroplastik reduziere. Das ist mir sehr wichtig, denn heutzutage sind schon überall Kunststoffe verteilt: in der Luft, die jeder von uns einatmet, und Tiere fressen die Mikroplastikteilchen.

 

Wochenblatt: Welche Auswirkungen haben die Kunststoffe auf Tiere?

Maria: Tiere nehmen das Mikroplastik durch ihre Nahrung auf. Das kann zu Gewebeveränderungen und inneren Verletzungen führen. Sind die Kunststoffteile noch größer, spitzig oder scharfkantig, können auch die inneren Organe verletzt werden. Manche Tiere sterben daran. Was noch problematisch ist: Auf den Kunststoffoberflächen der Mikroplastikteilchen reichern sich Umweltgifte an. Erst im Organismus der Lebewesen werden sie wieder freigesetzt. Auch daran können Tiere nachweislich sterben. Man geht davon aus, dass die Auswirkungen auf den Menschen ähnlich sind, die Forschung dazu fehlt allerdings noch.

 

Wochenblatt: Wie schaut Dein Projekt genau aus?

Maria: Innerhalb von vier Wochen stelle ich den Haushalt, in dem ich arbeite, komplett um und will so wenig Kunststoff wie möglich verbrauchen. Vor meinem Projekt habe ich die Ist-Situation erfasst. Da habe ich geschaut, wie viele Kunststoffverpackungen ich im Haushalt habe, wo sich Verpackungen anhäufen, und ich habe mir einige Statistiken zum Vorkommen von Mikroplastik im Haushalt angeschaut. Danach habe ich Pläne entwickelt. Dabei will ich beobachten, ob mir beispielsweise das Budget aus der Haushaltskasse reichen wird oder wie viel mehr Zeit es in Anspruch nimmt. Dann habe ich mein Einkaufsverhalten optimiert. Da achte ich darauf, vermehrt in Läden einzukaufen, die unverpackte Produkte anbieten. Außerdem werde ich viele Produkte selbst herstellen. Auch die Haushaltsmitglieder werde ich mit einbeziehen. Am Ende vergleichen wir, wie selbst gemachte Produkte im Vergleich zu gekauften Produkten abschneiden.

 

Wochenblatt: Warum liegt Dir das Thema Nachhaltigkeit so am Herzen?

Maria: Ich finde, jeder kann damit etwas zum Umweltschutz beitragen. Es ist gar nicht so schwer, wie man meint. Eigentlich ist es ziemlich einfach, wenn man sich ein wenig damit befasst. So können wir es vielleicht noch schaffen, den Klimawandel etwas zu bremsen und auch meine Kinder und Enkelkinder haben noch was von unserer Welt. Außerdem möchte ich mit meinem Projekt andere Menschen anregen, auch etwas zu ändern. Deswegen mache ich mein Projekt auch öffentlich und begleite es über meinen Instagram-Account „projekt.mikroplastik“.

 

Wochenblatt: Warum hast Du Dich für Instagram entschieden?

Maria: Diese Plattform ist aktuell sehr beliebt – gerade bei jungen Leuten. Sie sollten am besten von Anfang an den Input bekommen, dass Nachhaltigkeit wichtig ist. Es ist über Instagram auch relativ einfach, viele Leute zu erreichen. Ich will auch kleine Videos veröffentlichen, damit die Leute sehen, wie einfach Nachhaltigkeit sein kann.

 

Wochenblatt: Es gibt schon sehr viele Accounts auf Instagram, die sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Was unterscheidet Dich von denen?

Maria: Bei mir ist das Besondere, dass meine Meisterarbeit dahintersteckt und dass ich es auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mache. Das will ich auch bewusst ansprechen. Die meisten Accounts sind in der Stadt oder beziehen sich auf kleine Haushalte. Ich möchte mein Profil auch nach meiner Meisterarbeit noch weiter betreiben.

 

Wochenblatt: Welche Kunststoffsparmethoden kann jeder daheim umsetzen?

Maria: Was ganz einfach ist: Beim Einkaufen keine Plastiktüten mehr nehmen, sondern einen Korb mitbringen. Als nächstes sollte man lose, unverpackte Produkte einkaufen. Mein dritter Tipp ist, dass man beim Waschen von synthetischer Wäsche einen speziellen Wäschesack verwendet. Dieser sammelt die Fasern mit Mikroplastik und man kann diese nach dem Waschen einfach im Restmüll entsorgen. Wenn man neue Kleidung kauft, sollte man auf synthetische Fasern verzichten und lieber Kleidung aus Naturfasern kaufen.

 

Wochenblatt: Wo beginnt man in Haus und Hof, um den Haushalt nachhaltig umzustellen?

Maria: Man kann sich seine ganzen Reinigungsmittel ansehen und sich dann überlegen: „Was brauche ich wirklich?“ Dann überlegt man sich, wie man Reinigungsmittel ersetzen kann. In vielen Bereiche kann man mit Seife oder Zitronensäure putzen. Diese zwei Mittel kann man auch oft schon unverpackt einkaufen. Das gleiche macht man mit der Speisekammer. Dort schaut man zum Beispiel nach kleinen Mehl- oder Nudelverpackungen. Im Badezimmer kann man auch viel machen. Dort sollte man die Inhaltsstoffe der einzelnen Produkte nach Mikroplastik untersuchen. Es gibt tolle Apps dafür. Man braucht damit nur den Barcode der Produkte scannen und bekommt übersichtlich angezeigt, ob Mikroplastik drinnen ist oder nicht.

 

Wochenblatt: Welche App kannst Du dafür empfehlen?

Maria: Ich nutze die App „CodeCheck“. Die ist für den Anfang super, weil sie nicht nur anzeigt, ob Mikroplastik drin ist, sondern auch andere gesundheitsschädliche Stoffe.

 

Wochenblatt: Wie sollte man vorgehen, wenn man seinen Haushalt plastikfrei machen will?

Maria: Ich würde empfehlen, es nach und nach anzugehen. Denn es ist schon viel Arbeit und man muss sich mit dem Thema auseinandersetzen. Aber auch wenn man viel arbeitet und nur wenig Zeit hat, ist es nicht unmöglich, etwas zu tun. Wenn man Stück für Stück etwas ändert, läuft es irgendwann von selbst.

 

Wochenblatt: Welches Deiner selbst gemachten Produkten nutzt Du am liebsten?

Maria: Am liebsten ist mir alles, was ich in der Küche selbst herstelle. Zum einen, weil die Produkte auch gesünder sind, weil sie nicht so viel verarbeitet sind, und zum anderen will ich wissen, was in meinem Essen drin ist. Gerade selbst gemachtes Müsli, Joghurt, Kräutersalz oder Puddingpulver mag ich recht gerne, weil man dann was da hat, wenn es mal schnell gehen muss.

 

Wochenblatt: Hat auch schon mal was nicht geklappt?

Maria: Ja. Ich habe letztens einen Mozzarella ausprobiert. Da war ich nicht so zufrieden. Er ist nicht fest geworden und auseinandergefallen. Aber ich werde es nochmal probieren, damit es bald besser klappt.

 

Maria Hartl teilt ihre Rezepte

Schokopuddingpulver, Suppengewürz, Müsli, Spülmittel, WC- und Badreiniger. Diese sechs Rezepte verrät die junge Hauswirtschafterin.