Die Jugend packt an

Kartoffelfan und Glücksbringerin

Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Sonntag, 11.07.2021 - 07:38

Laura Katharina Anneser ist Bayerns beste Schornsteinfeger-Gesellin 2020. Nebenbei hat die 21-jährige Oberbayerin mit ihrem Freund einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb aufgebaut. Damit erfüllt sie sich einen Lebenstraum.

Ein Porträt der jungen Frau. Sie trägt saubere, schwarze Kaminkehrer-Arbeitskleider mit weißen Hosenträgern, wo ein kleiner Kaminkehrer darauf gedruckt ist. Außerdem hat sie blonde lange Haare, die im Wind flattern. Sie trägt einen schwarzen Zylinder.

Steckbrief

Wie heißt Du? Laura Katharina Anneser.

Wie alt bist Du? Ich bin 21 Jahre alt.

Was treibst Du? Hauptberuflich bin ich Kaminkehrerin und mache gerade meinen Meister. Nebenbei bewirtschafte ich gemeinsam mit meinem Freund Martin Vitzthum einen Nebenerwerbsbetrieb mit Kartoffel-, Gemüseanbau und Direktvermarktung.

Woher kommst Du? Ich komme aus Kirchheim bei München.

 

Wochenblatt: Dein Freund und Du habt mit nur Anfang 20 einen Hof aufgebaut. Wie kam es dazu?

Laura: Mein Freund ist Landwirt und macht gerade seinen Meister. Vor etwa drei Jahren haben wir angefangen, uns eine kleine Eigenvermarktung mit Kartoffeln aufzubauen. Der Opa und der Papa von Martin haben damals den Hof aufgegeben. Martin wollte aber immer Landwirt werden und hat den Hof mit Hilfe seiner Mutter wieder reaktiviert. Ich haben dann im Marketing einiges angepackt: Schilder gemalt, ein Logo entworfen, Facebook- und Instagramseiten erstellt und so weiter. Es war von Anfang an klar, dass wir das gemeinsam anpacken und uns so eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Und wir wollten es gescheit machen.

 

Wochenblatt: Wie lief der Start?

Laura: Zuerst verkauften wir unsere angebauten Kartoffeln in zwei Kisten. Seit letztem Jahr haben wir zusätzlich unser Gmias-Heisl. Die Gemüse-Hütte sieht aus wie ein Gartenhäuschen. Darin boten wir Zucchini, Zwiebeln und Kürbisse an. Heuer bauen wir zusätzlich gelbe Rüben, Knoblauch, Salat, Schnittkräuter, Sellerie und Fenchel an. Was uns besonders freut: Ab August werden unsere Kartoffeln im Edeka bei uns im Ort angeboten. Da dürfen wir einen kleinen Stand aufbauen, wo groß unser Name „Vitzthum Kartoffeln“ draufsteht und die Regionalität beschrieben wird.

 

Wochenblatt: Wie nehmen das die Leute an?

Laura: Sehr gut! Ich bekomme immer wieder Nachrichten per Mail, Facebook und Instagram. Da bedanken sich die Leute über die Möglichkeit, regionale Kartoffeln mit einer so guten Qualität kaufen zu können. Es kommen sogar Kunden aus Niederbayern zu uns und holen sich 25 Kilo ab, weil sie angeblich nirgends so gute Kartoffeln bekommen. Das ist schön, weil es zeigt, dass sich unsere ganze Mühe auch lohnt.

 

Wochenblatt: Pro Monat bietet ihr ein neues Rezept an, denkst Du Dir das aus?

Laura: Ja. Dabei lasse ich mich von den alten Rezepten meiner Oma inspirieren und mache dann meine eigene Version daraus. Ich will unseren Kunden eine Anregung geben, was sie mit unseren Produkten machen können. Und ich kann zeigen, wie vielfältig eine Kartoffel ist. Ich selber könnte jeden Tag Kartoffeln essen. Es gibt nichts Besseres als eine richtig gute, gelb-speckige Butterkartoffel am Abend – am besten noch Frühkartoffeln, die mag ich am liebsten. Meine Lieblingssorte ist die Glorietta.

 

Wochenblatt: Wie hast Du kochen gelernt und woher kommt die Liebe zu den Kartoffeln?

Laura: Das ist eigentlich ganz lustig. Den größten Teil meiner Kindheit habe ich bei meiner Oma verbracht. Bei ihr hat es mittags immer Kartoffeln gegeben. Ihren Kartoffelbrei hat sie in ihrer alten Kartoffelpresse gemacht und ich hab immer die Milch dazu schütten dürfen. Die größte Freude war dann, wenn ich auch mal selbst die Kartoffeln zerstampfen durfte. Auch wenn wir Brotzeit machen, gibt es bei uns immer Kartoffeln dazu.

 

Wochenblatt: Was bedeutet Dir die Landwirtschaft?

Laura: Für mich bedeutet Landwirtschaft Heimatgefühl, meine Zukunft und mein Lebenstraum. Ich wollte schon immer einen eigenen Hof mit Hühnern, Bulldog fahren und meine Pferde auf dem eigenen Hof stehen haben. Ich finde es sehr schön, dass ich mit meinem Freund meinen Lebenstraum erfüllen kann.

 

Wochenblatt: Du bist hauptberuflich Kaminkehrerin. Wie und warum hast Du Dich dafür entschieden?

Laura: Eigentlich wollte ich immer Tiermedizin oder Landwirtschaft studieren. Eines Tages habe ich mit Freunden im Pferdestall über meine Pläne geredet. Sie haben gescherzt: „Laura, wenn das mit dem Tiermedizin-Studium nichts wird, dann machs halt wie der Bernhard und werd’ Kaminkehrer“. Daraufhin habe ich zum Spaß gesagt „Bernhard, nimm mich halt mal mit!“. Das tat er tatsächlich und ohne irgendwelche Absichten bin ich mitgefahren. Aber mir hat es so gefallen, dass ich mich für die Ausbildung entschieden habe.

 

Wochenblatt: Kaminkehrer werden immer mit Glück in Verbindung gebracht. Du auch?

Laura: Es passiert sehr oft, dass mich meine Kunden anfassen, weil das Glück bringen soll. Das ist aber auch das, was mich am meisten bereichert in meinem Beruf. Ich bin gerne symbolisch eine Glücksbringerin. Ich habe auch immer kleine Glücksbringer dabei oder male Kindern einen Rußfleck auf die Nase. Da geht mir mein Herz auf.

 

Wochenblatt: Du bist kürzlich zu Bayerns bester und Deutschlands zweitbester Schornsteinfegerin der Gesellenprüfung aus dem Jahr 2020 gekürt worden. Glückwunsch!

Laura: Danke. Wie es dazu kam, ist auch interessant: Zwei Wochen vor meiner theoretischen Meisterprüfung, im Oktober 2020, bekam ich eine Einladung zum bayerischen Landesentscheid. Bis dahin wusste ich noch nicht, dass ich Kammersiegerin bei der Gesellenprüfung im Kaminkehrer-Handwerk in Niederbayern/Oberpfalz geworden bin. Also habe ich kurzerhand dafür auch noch gelernt. Ohne viel Hoffnung bin ich zum Landesentscheid gefahren und habe gewonnen. Den Sieg beim Bundesentscheid habe ich ganz knapp um nur 0,2 Punkte verfehlt. Trotzdem war das auch noch mal ein Highlight, vor allem weil es mir letztes Jahr gesundheitlich so schlecht ging.

 

Wochenblatt: Warum das?

Laura: Aufgrund einer chronischen Knochenmarkentzündung in meinem rechten Fuß konnte ich lange nicht arbeiten. Um die Zeit aber sinnvoll zu nutzen, habe ich direkt nach meiner Ausbildung mit der Meisterschule angefangen. Kurz vor der Prüfung konnte ich wieder ohne Gehilfe laufen und kann jetzt auch endlich wieder arbeiten. Ich will auch weiterhin Kaminkehrerin bleiben, noch die Weiterbildung zur Energieberaterin machen und mir damit mein eigenes zweites Standbein aufbauen. Mein Plan ist, das irgendwann in Teilzeit zu machen, denn ich möchte mich auch mehr in die Landwirtschaft einbringen. Martin arbeitet auch noch nebenbei. Geplant haben wir schon ein Projekt mit einem mobilen Hühnerstall und einem Hofladen, wo wir zum Beispiel auch Fleisch von einem befreundetem Landwirt aus dem Nachbarort verkaufen können.

 

Wochenblatt: Wie schaffst Du all Deine Aufgaben in Deinem Alltag?

Laura: Mein Tag ist ziemlich durchgetaktet und mein Leben ein bisschen stressig. Viel Zeit zum Hinsetzten habe ich eigentlich nie. Aber das taugt mir so. Als Powermensch wird mir langweilig, wenn ich nichts zu tun habe. Es gibt zwei Sachen, die ich unendlich gerne mache: Bei schönem Wetter auf dem Dach stehen und Kaminkehren und den Bulldog anlassen und damit losfahren.

 

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