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Studienergebnisse

Junglandwirte bemängeln Interessenvertretung in Agrarverbänden

Junglandwirt-Zukunft-Interessensvertretung: Ein junger Landwirt steht mit verschränkten Armen vor einem roten Traktor.
Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Freitag, 10.12.2021 - 12:00

Junglandwirte sind unzufrieden mit der Vertretung ihrer Interessen in Agrarverbänden. Der Bund der Deutschen Landjugend hat das in der „Junglandwirt:innen-Studie“ wissenschaftlich belegt. Die Ergebnisse dienen als Checkliste für die Zukunft der Interessensvertretung.

Interessensverbände sind das Bindeglied zwischen Gesellschaft und Politik. Gerade im Agrarbereich ist eine angemessene Interessenvertretung essenziell. Denn Landwirtschaft ist mehr als ein Beruf: Ein Bauernhof ist nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern oft die Existenzgrundlage ganzer Familien – über Generationen hinweg. Doch was ist eine angemessene Interessensvertretung?

Dieser Frage ist der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) im ersten Teil „Zukunft der Interessenvertretung“ seiner dreiteiligen „Junglandwirt:innen-Studie“ auf den Grund gegangen. Sie wollten eine wissenschaftliche Basis schaffen, auf deren Grundlage die Zukunft der Interessensvertretung diskutiert werden soll. Zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen „Produkt + Markt“ haben sie die Studie erstellt.

In einem Onlineevent haben gestern die Studien-Verantwortlichen die ersten Ergebnisse vorgestellt. Beteiligt waren: Stefan Schmidt, stellv. Vorsitzender des BDL, Grischa Muchowski von Produkt + Markt, Matthias Sammet, Geschäftsführer des BDL, Miriam Rüger, Leiterin des „Projekts Junglandwirt:innen im Bund der Deutschen Landjugend.

Erste Ergebnisse der Junglandwirt:innen-Studie

Junglandwirtinnen-Studie-BDL: Eine junge Frau halt das Heft der gedruckten Studie (mit hellblauem Cover) so hoch, dass ihr Gesicht verdeckt ist.

„Jugendverbände dürfen nicht bequem für Erwachsenenverbände sein: Sie müssen stören, kontrovers auftreten und in Widerspruch gehen können.“ Das ist eine der 18 Thesen in der Studie. BDL-Vize Schmidt setzt während der Vorstellung noch einmal nach: „Wenn wir als Jugend uns nicht trauen, den Finger in die Wunde zu legen, dann traut sich niemand.“

Die Studie weist nach, dass junge Mitglieder aktiv beteiligt werden wollen. Dies zeigt sich unter anderem dadurch, dass die befragten Junglandwirte und Junglandwirtinnen durch die Verbände nicht nur politisch und öffentlich vertreten werden wollen, sondern das auch konkret erfahrbar sein soll. Zugleich fordern sie Unterstützung bei der Kommunikation ein. Sie wollen von ihnen mehr Handwerkszeug, um selbst kommunizieren zu können, und weniger, dass für sie kommuniziert wird.

In der Studie sind noch weitere „Stellschrauben“ für Verbandsarbeit benannt. Die klaren Vorstellungen und Priorisierungen der Junglandwirte gleichen nahezu einer Checkliste für die Zukunft der Interessenvertretung. So ist eine weitere These, dass beispielsweise der Nachwuchs in Verbänden "nicht gezüchtet" werde, etwa durch die Gründung "eigener" Jungendabteilungen. Viel mehr sollten die bereits bestehenden Jugendorganisationen "ernsthafter" beteiligt werden. 

Gründe und Ziele für die Junglandwirt:innen-Studie

Laut BDL gab es in der Vergangenheit häufiger die Aussagen, dass junge Landwirtinnen und Landwirte unzufrieden sind mit der aktuellen Vertretung ihrer Interessen in Agrarverbänden. Zugleich bemängeln die Verbände selbst, dass Mitglieder und vor allem Nachwuchs in den Verbänden fehle. Die Bereitschaft, Engagement zu übernehmen, sei gering.

Als Agrarverbände werden deutschlandweit folgende Verbände definiert: Bauernverbände, Weinbauverbände, Landfrauen, Landjugend, Jungzüchterverbände und auch LsV (Land schafft Verbindung).

Ziele der Junglandwirt:innen-Studie sind:

  • Impulse für die interne Verbandstrategie des BDL liefern.
  • Kritischen Dialog mit anderen agrarnahen Verbänden in Gang setzen.
  • Handlungsempfehlungen, in Bezug auf Ehrenamt und Interessensvertretung, für die Politik ableiten.

Befragt wurden insgesamt 192 Junglandwirtinnen, Junglandwirte und junge Agrarier und Agrarierinnen. Die Erhebung wurde in zwei Stadien aufgeteilt: Zuerst gab es eine qualitative Umfrage (November bis Dezember 2020) mit 32 Teilnehmenden zwischen 19 und 39 Jahren aus ganz Deutschland. In der zweiten, quantitativen Phase (Februar bis April 2021) wurden bundesweit 160 Teilnehmende zwischen 16 und 45 Jahren befragt. Dabei gab es das explizite Ziel einer geschlechtergetrennten Ergebnisdarstellung: Somit wurden 80 Frauen und 80 Männer befragt.

Studie wird fortgesetzt

Die vorgestellten Ergebnisse sind nur Teil Eins der „Junglandwirt:innen-Studie“, welche im Rahmen des „Projekt Junglandwirt:innen“ im Bund der Deutschen Landjugend erhoben wird.  Nach Teil Eins: „Zukunft der Interessenvertretung“ werden in den kommenden Wochen zwei weitere Teile, die sich mit der Zukunft ehrenamtlichen Engagements sowie Frauen in der Landwirtschaft beschäftigen, veröffentlicht.

Die vollständigen Ergebnisse des ersten Teils der Studie können auf der Webseite des Bund der Deutschen Landjugend gelesen und heruntergeladen werden. 

Mit Material von BDL
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