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Fortbildung

Jungbauernschaft will Verschwörungstheorien verstehen

Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Donnerstag, 03.03.2022 - 15:55

Der Arbeitskreis für Jugend- und Gesellschaftspolitik der Bayerischen Jungbauernschaft informierte sich über Verschwörungstheorien, Reichsbürger und Querdenker. Zudem wählten die Mitglieder turnusgemäß ihre Sprecher.

Landjugend-Verschwörungstheorien-Seminar-BJB: Junge Leute parodieren eine Demonstration von Querdenkern. Teilweise tragen sie Alu-Helme, sehen aus wie Aliens oder halten Schilder hoch.

Ein ganzes Wochenende, das dem Thema Verschwörungstheorien, Reichsbürger und Querdenker gewidmet ist. Das hat der Arbeitskreis für Jugend- und Gesellschaftspolitik (AK-I) der Bayerischen Jungbauernschaft (BJB) hinter sich. Dafür trafen sich die Landjugendlichen Ende Februar im Seminarhaus Grainau, am Fuße der Zugspitze in Oberbayern. „Gerade in der Coronapandemie geraten Verschwörungstheorien in den Fokus vieler gesellschaftlicher Diskussionen“, begründete das Organisationsteam die Themenwahl. Mit unterschiedlichen Facetten und verschiedenen Experten wollen sich die Landjugendlichen fortbilden.

Die Freude auf das Wochenende war insgesamt sehr groß, denn nach zweijähriger pandemiebedingter Pause fand das traditionelle Seminarwochenende, auch AK-I-Tage genannt, erstmals wieder statt: "Es hat uns die letzten zwei Jahre sehr gefehlt, uns zu treffen und eine so außergewöhnliche Gemeinschaft zu spüren“, teilt die BJB mit. Hinzu kam, dass das Thema Verschwörungstheorien, Reichsbürger und Querdenker rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Grainau lockte - so viele waren es noch nie. 

Echt oder fake?

Zu Beginn durften die AK-I-Mitglieder ihr Wissen unter Beweis stellen. Aus verschiedenen Verschwörungserzählungen sollten sie die wahre Geschichte erkennen. Schnell wurde ihnen klar, wie leicht man auf gut gemachte Geschichten hereinfallen kann. Zudem erkannten sie, dass viele Erzählungen ein ähnliches Schema hätten: Fast alle Verschwörungstheorien verfolgen die Behauptung, dass eine höhere Macht alles kontrolliere.

Auch die Landjugendlichen selbst versuchten sich an Verschwörungstheorien und dachten sich unter der Leitung von Marcel Burghardt von „Social Web macht Schule“ eigene Erzählungen aus. Die Erkenntnis: Ein großer Einfallsreichtum mache es sehr einfach, überzeugende Ergebnisse zu bekommen.

Bernd Hader, Pressesprecher und Verantwortlicher des Blogs der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und Chefreporter der Zeitschrift „Skeptiker“, referierte zum Thema „Verschwörungstheorien in den 2000ern“. Er erklärte, dass sich die Menschen schon seit der Antike von Verschwörungstheorien überzeugen lassen. Außerdem versuchen Menschen seit jeher, komplexe Themen einfach darzustellen. Es sei einfacher, für das eigene Leid eine höhere Macht verantwortlich zu machen, als mit sich selbst ins Gericht zu gehen.

Gefahr für die Demokratie?

Auch zum Thema Reichsbürger in Deutschland informierte sich der AK I. Dazu schaltete sich der Referent Benjamin Winkler von der Amadeu-Antonio-Stiftung per Konferenztool nach Grainau. Er erklärte, dass die Mehrheit der Reichsbürger ein Alter von über 50 Jahren hat, dies bedeute aber nicht, dass die Gruppe langsam aussterbe. Es gäbe immer wieder neue Mitglieder, sodass die Gruppierung stetig anwächst. „Es ist unfassbar zu hören, dass Reichsbürger der Überzeugung seien, Deutschland sei kein souveräner Staat“, fassten die Teilnehmer zusammen.

Verena Voigt vom niedersächsischen Verfassungsschutz, die ebenfalls online zugeschaltet war, berichtete über dortige Erfahrungen mit Verschwörungstheorien. Sie erklärte, inwieweit diese tatsächlich auch eine Gefahr für unsere Verfassung seien. Dabei ging sie besonders auf Querdenkerdemonstrationen ein. Hier würden Rechtsextremisten zusammen mit Linksextremisten und Esoterikern marschieren. Der Holocaust werde verharmlost und gleichzeitig sehe sich diese Gruppierung in einer Diktatur gefangen.

Neuwahlen und Abschiede im Arbeitskreis

AK-I-Neuwahl-Sprecher-BJB-2022: Gruppenfoto mit insgesamt sechs Personen. Links ist die Blaue Fahne des Verbandes. Die Personen tragen alle das gleiche T-Shirt. Sie stehen draußen, es ist sonnig, hinter ihnen sieht man die Berge.

Zum Abschluss des Wochenendes fanden turnusgemäß Neuwahlen statt.

  • Sabrina Hannemann (Oberfranken) wurde in ihrem Amt als Sprecherin des AK I bestätigt.
  • Auch Elke Sommer (Niederbayern), Hannah Grießhammer (Oberfranken) und Florian Wachter (Unterfranken) bleiben stellvertretende Arbeitskreissprecher.
  • Neu in den Arbeitskreis gewählt wurde Marie Grieshammer (Oberfranken).
  • Felix Müller (Oberbayern), der schon die letzten beiden Jahre kooptiertes Mitglied des Arbeitskreises war, wird dies auch die kommenden zwei Jahren bleiben.
  • Michael Kießling wurde als langjähriges Mitglied mit großem Applaus, aus dem AK I verabschiedet.
Mit Material von BJB