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Landwirt als Traumberuf

Ein gutes Vorbild als Ausbildungsbetrieb

Portrait-Martin-Pruy
Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Dienstag, 20.09.2022 - 15:00

Landwirt Martin Pruy aus der Oberpfalz hat den Staatsehrenpreis für seine vorbildliche Ausbildung bekommen. Landwirt ist sein Traumberuf. Diese Freude an der Arbeit lebt Martin Pruy seinen Lehrlingen vor. Zugleich ist ihm wichtig zu vermitteln, dass Landwirte auch noch ein Leben außerhalb der Arbeit haben. Uns erzählt er, worauf er bei der landwirtschaftlichen Ausbildung Wert legt.

Martin Pruy ist Landwirt und Ausbilder und er ist kürzlich dafür mit dem Staatsehrenpreis ausgezeichnet worden. Im Wochenblatt erklärt der Oberpfälzer, was ihm besonders wichtig. Zum Beispiel, welchen herausragenden Wert es hat, Lebensmittel zu erzeugen. Eine Einstellung, die er und seine Frau Kathrin teilen. Kein Wunder also, dass Kathrin hier ebenfalls zu Wort kommt. Zumal Ausbildung auf einem Bauernhof sich oft nicht vom Leben auf dem Hof als solches trennen lässt. Das gilt auch bei den Pruys in Harenzhausen bei Neumarkt in der Oberpfalz.

Der landwirtschaftliche Familienbetrieb Pruy im Überblick

  • Familie Pruy: Landwirtschaftsmeister Martin (42) und Diplom-Betriebswirtin Kathrin (39) Pruy leben zusammen mit ihren Kindern Jakob (10), Joseph (8) und Eva (6) auf dem Betrieb außerhalb von Harenzhofen (Lks. Neumarkt in der Oberpfalz), der vor 10 Jahren aus dem Ort ausgesiedelt wurde. Martins Eltern, Helga und Sepp, leben im Ort und arbeiten noch intensiv auf dem Betrieb mit.
  • Lehrlinge: Tobias Mayer (18) aus Kallmünz, Richard Schrödl (17) aus Forst, beide im dritten Lehrjahr.
  • Betrieblicher Hintergrund: Milchviehbetrieb mit 130 Milchkühen und eigener Nachzucht, 110 ha bewirtschaftete Fläche, Hauptanbauarten Silomais, Kleegras und Verkaufsgetreide, Biogas.

Martin, du bist kürzlich für deine vorbildliche Ausbildung mit dem Staatsehrenpreis ausgezeichnet worden. Was gefällt dir daran, auszubilden?

Martin Pruy: Ich finde es schön, junge Leute für meinen eigenen Beruf begeistern zu können. Landwirt ist einer der wichtigsten Berufe und er macht mir jeden Tag Spaß! Diese Freude an der Arbeit will ich vorleben und weitergeben. Bei uns gehört es dazu, dass Witze gemacht werden und man zusammen lacht. Wenn immer alles so ernst ist, vergeht die Zeit nicht.

Worauf legst du bei der Ausbildung besonderen Wert?

Martin Pruy: Wenn es um fachliche Fragen geht, ist es mir sehr wichtig, dass die Lehrlinge verstehen, was aus den Produkten hergestellt wird, die wir produzieren. Dass sie nicht denken, wir produzieren halt die Milch und das wars. Ich frage sie zum Beispiel, was die Nebenprodukte von Butter sind. Ich will auch, dass sie verstehen, warum wir als Betrieb so produzieren, wie wir das machen. Diese Hintergründe und Zusammenhänge muss man ihnen erklären. Neben dem ganzen fachlichen Wissen möchte ich den Lehrlingen gerne das Werteverständnis von Kathrin und mir vermitteln. Ich will ihnen verdeutlichen, dass man sich jeden Tag bewusst sein muss, wie gut es uns geht. Wir leben in der besten Zeit, die es jemals in der Geschichte der Menschheit gab.

Wie ist dein Blick auf das Thema, Kathrin?  

Kathrin Pruy: Für viele Menschen ist Wohlstand selbstverständlich, das ist er aber gar nicht. Mir ist wichtig den Lehrlingen beizubringen, dass man achtsam mit Nahrungsmitteln und allem, was in der Landwirtschaft hergestellt wird, umgeht. Also zum Beispiel, dass man Essen nicht wegwirft. Schön finde ich auch, dass man durch die Ausbildung das Image der Landwirtschaft prägen kann. Dadurch, was man den Lehrlingen mitgibt und was sie dann auch selbst leben und nach außen weitergeben können

Zeigen und erklären: Ausbilder Martin nimmt sich gerne Zeit für seine Lehrlinge. Und auch seine Kinder sind auf dem Betrieb überall mit dabei, hier Sohn Joseph beim Reifen flicken.

Was kann das sein als Beispiel?

Kathrin Pruy: Zum Beispiel, dass Landwirtschaft nicht altbacken und langweilig ist, sondern modern.

Martin, seit wann bildest du aus und wie viele Lehrlinge hattet ihr bisher?

Martin Pruy: Während der Phase, als wir aus dem Dorf ausgesiedelt sind, hatte ich für die Ausbildung keine Kapazitäten. Aber 2017 hab ich eine gute Bewerbung bekommen – ohne dass ich danach gesucht hätte – und damit bin ich zum Ausbilden gekommen. Eigentlich hatte ich immer Angst, dass ich keine Arbeit für einen Lehrling herbekomme, diese Angst ist aber schnell verflogen. 2020 hab ich sogar zwei gute Bewerbungen bekommen und habe seither immer zwei Lehrlinge. Insgesamt, inklusive der aktuellen Lehrlinge, sind es also neun.

Wie sind deine Erfahrungen damit, zwei Lehrlinge auszubilden?

Martin Pruy: Ich habe den Eindruck, dass es ihnen guttut. Sie müssen nicht allein auf den Hof kommen, haben sofort einen gleichaltrigen Gesprächspartner und zusammen mehr Spaß bei der Arbeit. Auf dem Betrieb muss aber genug sinnvolle Arbeit für beide da sein. Inzwischen merke ich, dass ich durch zwei Lehrlinge ein bisschen mehr Freiräume für mich selbst habe.

Neugeborenes-Kalb-Betrieb-Pruy

Die bisherigen Lehrlingen gehen, die neuen kommen. Das ist bestimmt eine besondere Zeit, oder?

Martin Pruy: Seit zwei Jahren haben wir auch einen Übergangstag eingeführt: An dem sind alle vier Lehrlinge, also die zwei alten und die zwei neuen da. Hier haben sie Zeit sich kennenzulernen und für mich macht es den Übergang leichter, weil die erfahrenen Lehrlinge den Neuen gewisse Arbeitsprozesse und Routinen erklären können. Danach setzen wir uns zusammen und gestalten eine Abschieds- und Einstiegsfeier.

Wie gehst du auf die individuellen Bedürfnisse der Lehrlinge ein?

Martin Pruy: Die Herausforderung dabei ist, dass man beide Lehrlinge gleich behandelt, aber entsprechend ihrer Voraussetzungen unterschiedlich fördert. Besonders, wenn die Lehrlinge vom Typ her sehr unterschiedlich oder in verschiedenen Lehrjahren sind. Mir ist dabei besonders wichtig, mit ihnen zu reden und meine Entscheidungen zu erklären. Richard, einer meiner aktuellen Lehrlinge, ist noch nicht 18 und darf damit nur Traktoren bis 40 km/h fahren. Das ist einfach so, und wenn ich ihnen solche Dinge nachvollziehbar erkläre, verstehen die Lehrlinge das auch.

Worauf achtest du bei der Kommunikation?

Martin Pruy: Ich finde Kommunikation auf Augenhöhe wichtig. Ich sehe mich nicht als den großen Lehrmeister – ich weiß nicht alles. Ich lerne sogar viel durch meine Lehrlinge, jeder bringt da was mit. Letztes Jahr hat mir ein Lehrling, der sich super mit Fütterung auskannte, geraten, was umzustellen. Das habe ich gerne aufgenommen.

Wie gehst du damit um, wenn Lehrlinge etwas nicht verstehen?

Martin Pruy: Ich sehe Lehrlinge als Lehrlinge an, die müssen noch nicht alles wissen. Ausbildung ist ein Prozess und bestimmte Dinge muss man einfach häufig wiederholen. Und es dauert seine Zeit, bis sie sich auf dem Betrieb eingearbeitet haben, dann kann man in die Tiefe gehen. Wenn ich merke, dass sie bei einem Thema Defizite haben, bespreche ich das ehrlich mit ihnen. Ich sage ihnen ganz klar, dass sie bestimmte Dinge einfach wissen müssen, das sehen sie auch ein und dann können wir gemeinsam darauf hinlernen.

Und wenn wirklich Fehler passieren?

Martin Pruy: Wenn wirklich schlimmere Fehler vorkommen, ist für mich immer am wichtigsten, dass dem Lehrling nichts passiert ist. Alles andere kann man richten. Und ich bin einfach nicht der Typ Mensch, der andere anschreit, wenn was passiert. Fehler passieren einfach, auch mir selbst.

Man hört von Lehrlingen immer wieder Beschwerden, dass sie nur langweilige Arbeiten machen dürfen, wie den Stall zu kehren, aber nicht mit den Maschinen fahren dürfen. Wie verteilst du die Arbeit auf die Lehrlinge?

Martin Pruy: Ich finde, dass jeder lernen muss, wie man seinen Arbeitsplatz sauber macht, genauso wie andere Grundzüge des Berufs Landwirt. Aber bei mir darf jeder Lehrling alle Arbeiten machen. Ich freue mich sogar, wenn die Lehrlinge gut mit dem Traktor umgehen können und zum Beispiel Lust haben, Gülle zu fahren.

Ausbildung mit Familienanschluss: Auf dem Betrieb Pruy kommt nicht nur die ganze Familie, sondern auch die Lehrlinge Tobias Mayer (r. hinten) und Richard Schrödl (r. vorne) in den Genuss der Kochkünste von Mama Kathrin. Martin und Kathrin gehen mit ihren Kindern nach getaner Arbeit gerne ins Schwimmbad, ins Kino oder auf Volksfeste und nehmen die Lehrlinge mit – sofern sie Lust darauf haben.

Kathrin, wie stellt ihr sicher, dass die Lehrlinge menschlich zu euch passen?

Kathrin Pruy: Die Lehrlinge kommen immer mindestens zwei Tage zum Probearbeiten zu uns. So lernen wir sie kennen, gleichzeitig können sie schauen, ob es ihnen bei uns gefällt und ob sie damit klarkommen, dass wir drei Kinder haben. Die Kinder sind bei uns eigentlich die Bewährungsprobe für die Lehrlinge: Wenn sie sich gut ärgern lassen, finden die Kinder sie super (lacht).

Wohnen die Lehrlinge bei euch auf dem Hof?

Kathrin Pruy: Ja, wenn sie wollen. Wir haben zwei Zimmer mit einem gemeinsamen Bad, extra für die Lehrlinge. Das ist ein eigener Bereich für sie und dort können sie sich auch zurückziehen, wenn sie mal ihre Ruhe von uns oder den Kindern brauchen. Es sind nicht alle Lehrlinge gleich, manche mögen den Familienanschluss mehr, andere weniger.

Martin, wie gestaltet ihr das Thema Familienanschluss?

Martin Pruy: Wir als Familie unternehmen auch gerne was nach der Arbeit. Da nehmen wir die Lehrlinge mit, wenn sie mögen. Wir gehen ins Freibad, ins Kino, aufs Volksfest oder fahren auf Maisschauen. Wir leben den Lehrlingen vor, dass das Leben nicht nur aus Arbeit besteht und dass auch Landwirte am normalen gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Es kommt nicht darauf an, wie viel man arbeitet, sondern dass man in der Zeit, in der man arbeitet, wirtschaftlich und effizient ist. Wir als Familie fahren auch immer ein paar Tage in den Urlaub, wenn die Lehrlinge eingearbeitet sind. Dann kümmern sie sich zusammen mit meinen Eltern um den Betrieb und dürfen mehr Verantwortung übernehmen.

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