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Wertschätzung am Hof

Geschenk mit Worten: So lobt man angemessen

Ausbildung_Landwirt_Azubi
Bettina Hanfstingl
am Dienstag, 21.06.2022 - 10:30

Wer andere Mitarbeiter oder Familienmitglieder auf dem landwirtschaftlichen Betrieb lobt, erfreut diese nicht nur, sondern tut sich auch selbst etwas Gutes. Doch wie lobt man richtig und wann ist es angemessen?

In der täglichen Hektik in Betrieb oder Familie wird etwas oft vergessen: Dem anderen einfach mal zu sagen, dass er etwas gut gemacht hat. „Nix g’sogt is g’lobt gnua“ ist meist die Devise. Doch es geht auch anders.

Sigrid Amann, Trainerin und systemischer Coach, zeigte bei einem Workshop im Rahmen der Jungunternehmertagung im Haus der Bayerischen Landwirtschaft Herrsching, dass gegenseitige Anerkennung im Alltag sehr wertvoll ist. Vielen Menschen fällt es jedoch schwer, diese aktiv auszusprechen. Worauf sollte man achten, damit ein Lob gut ankommt?

Ein Lob auch wirklich auszusprechen ist wichtig

Wertschätzung kann in vielen Formen gezeigt werden, etwa durch positive Gesten oder anerkennende Blicke. „Wenn es bei der Arbeit, etwa beim Silieren, gut läuft und man nebenher Späße machen kann, ist das doch auch schon Anerkennung“, meinte ein Teilnehmer.

Amann bestätigte, dass man tatsächlich nicht immer etwas sagen muss. Oft sei es jedoch gut, Wertschätzung klar auszudrücken und damit sicher zu gehen, dass es beim Gegenüber auch ankommt. Ein Lob sollte nicht pauschal formuliert, sondern eine konkrete Rückmeldung sein. Drei Bausteine sind dabei wichtig:

  1. Beschreiben, was man wahrgenommen hat. Zum Beispiel: „Super, dass du die Maschine gleich wieder einsatzbereit hergerichtet hast.“
  2. Erklären, wie sich das auf einen selbst ausgewirkt hat. Zum Beispiel: „So konnte ich meine Arbeit in der geplanten Zeit schaffen.“
  3. Danken: Zum Schluss darf man bei jedem Beispiel ein herzliches „Danke!“ anfügen.

Es lohnt sich, das Formulieren dieser drei Schritte zu üben, um sie im Falle des Falles parat zu haben.

Loben tut gut und hebt bei allen die Stimmung

Die Teilnehmer stellten beim praktischen Versuch in der Runde auch gleich fest: Ein Lob hebt die Stimmung und tut beiden Seiten gut. Wichtig dabei ist, dass der Lobende es aufrichtig ehrlich meint und die Anerkennung zeitnah oder zu einem passenden Zeitpunkt ausgesprochen wird.

Die richtige Dosis Lob für einen Mitmenschen zu treffen, ist wiederum eine sehr individuelle Sache. Der eine findet durch das Erreichen selbst gesteckter Ziele Anerkennung in sich selbst und ist von der Wertschätzung anderer eher unabhängig. Ein anderer freut sich aber über jede noch so kleine positive Rückmeldung. „Um das herauszufinden, braucht es ehrliches Interesse an den Mitmenschen und genaues Beobachten“, erklärte Amann.

Dabei sei es entscheidend, sich selbst immer wieder zu prüfen, was man wirklich an einer Person beobachtet und was man nur hineininterpretiert hat. Man kann sich das so vorstellen: Jeder einzelne Mensch ist wie eine Insel, die man zwar sehen, aber nicht betreten kann, um sie vollständig zu überblicken. Durch Fragen und durch eine positive innere Haltung könne man jedoch Brücken schlagen und immer besser verstehen, wie der andere tickt.

Auch die Fähigkeit, Lob annehmen zu können, hängt mit der eigenen Prägung zusammen. In der Öffentlichkeit liege der Fokus sehr oft auf den vielen Dingen, die nicht gut sind. Ein Lob sei für viele Menschen deshalb erst einmal befremdlich. Wird es jedoch zu einem festen Bestandteil im Zusammenleben, treten positive Dinge automatisch in den Fokus. Und das ist für alle Beteiligten ein Gewinn.

Lob abzulehnen ist, wie ein Geschenk abzulehnen

„Für eine Arbeit gelobt zu werden, die doch selbstverständlich ist, motiviert mich eher nicht“, meinte ein Teilnehmer. Wenn er nun für genau eine solche Arbeit gelobt werden würde, sei dies – laut Amann – ein Beispiel dafür, dass der Lobende die Situation und sein Gegenüber nicht richtig eingeschätzt hat.

Die Trainerin zeigte jedoch auch die Gegenseite: Lob herunterzuspielen sei, wie ein Geschenk nicht anzunehmen. Der Lobende kann sich zurückgewiesen fühlen und wird vermutlich weniger motiviert sein, zukünftig Anerkennung zu zeigen. Grundsätzlich könne man aber nie beeinflussen, ob der andere das Lob annehmen kann und sich freut. Einen oder auch mehrere Versuche sei es auf jeden Fall wert, um dem anderen die Chance zu geben, mit diesem ungewohnten Gefühl vertraut zu werden.

Lob, auch in schwierigen Situationen

  • Jemandem ein Lob auszusprechen, mit dem man eigentlich gar nicht kann – geht das? Ein Lob sollte immer an konkrete Ereignisse oder Verhaltensweisen geknüpft sein und nicht an den Menschen als Ganzes, betonte Trainerin Sigrid Amann. Das bedeutet: Auch wenn einem das Gegenüber eher unsympathisch ist, könne man bei nahezu jedem Menschen positive und lobenswerte Dinge finden, die man ansprechen kann. Das könne ein erster Schritt sein, um die zwischenmenschliche Situation zu verbessern. Einer müsse den ersten Schritt tun, mit einer möglichst positiven Grundeinstellung. „Was soll denn schlimmstenfalls schon passieren? Schlechter wird das Verhältnis auf keinen Fall!“, versicherte Amann den Teilnehmern.
  • Was kann der Junior tun, wenn er den Senior für erledigte Arbeiten loben, sich bei anderen Arbeiten aber abgrenzen und diese allein machen möchte? Hier ist Kommunikation mit Fingerspitzengefühl gefragt. Die Trainerin empfahl, die eigenen Vorstellungen von der Arbeitsverteilung klar zu kommunizieren. Dann könne man durchaus Anerkennung aussprechen und trotzdem Arbeitsbereiche trennen.
  • Was kann man tun, wenn bei Mitarbeitern, Lehrlingen oder Kollegen immer wieder Fehler passieren, sodass es insgesamt wenig Grund zu loben gibt? Amann riet dazu, in solchen Fällen genauer hinzuschauen, ob zu erledigende Arbeiten wirklich gut besprochen wurden oder ob sich durch mehr Erklären und Üben die Fehlerquote in Zukunft verringern lässt. Lobenswerte Dinge fänden sich fast überall, und wenn man auf das „Lob-Konto“ eines Mitmenschen immer mal wieder einzahle, sei es auch weniger schlimm, wenn man in einem anderen Fall durch berechtigte Kritik mal etwas davon „abbuchen“ muss.
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