Landjugend

Corona lässt den Klimawandel vergessen

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Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Samstag, 19.06.2021 - 06:17

Meteorologe Frank Bandle verdeutlichte der Landjugend noch einmal den Ernst des Klimawandels – der kommt schneller, als von den Modellen berechnet.

"Die 1,5 werden wir nicht mehr schaffen" – mit dieser Prognose ist sich der Diplom-Meteorologe Frank Bandle sicher. Er bezieht sich dabei auf das Pariser Klimaabkommen der Vereinten Nationen von 2015. Demnach soll die globale Erderwärmung die Marke von 1,5° C nicht überschreiten. Vergangene Woche hatten die Landjugendlichen des Arbeitskreises Landwirtschaft, Ökologie, Verbraucherschutz, Energie (AK Löve) der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Bayern den Klimaforscher eingeladen. Per Zoom-Treffen erklärte er die Begriffe Wetter, Witterung und Klima genauer. Zudem ordnete er aktuelle Wetterbedingungen wie das kalte Frühjahr und den warmen Winter 2020/2021 ein.

Notbremse mit rasanten Änderungen unabdingbar

Angesichts der Corona-Pandemie gerät die Klimathematik in den Hintergrund – laut Bandle zu Unrecht. „Gegen Corona kann man sich impfen lassen, gegen den Klimawandel nicht“, sagte er und fügte hinzu: „Wir brauchen jetzt eine Notbremse mit rasanten Änderungen.“

Mit Zahlen und Fakten veranschaulichte der Klimaforscher der Landjugend, wie Methangas, das aus den schmelzenden Permafrostböden entweicht, die CO2-Produktion, das Schmelzen der Gletscher und die Brandrodungen in den Amazonasgebieten zusammenhängen. Er erklärte, wie diese und weitere Faktoren den sogenannten Jetstream durcheinanderbringen. Durch sein Ungleichgewicht kommen in unserer Region nun seltener Winde aus dem Westen an, also aus der Atlantikregion. Stattdessen treffen uns viel häufiger die Strömungen aus dem Südwesten, aus Richtung der Sahara. Das sorgt dafür, dass es südlich der Donau oft föhnig ist, im Winter in den Alpen Tauwetter gibt, der Herbst oft windig ist und der Sommer schwülheiß mit teils heftigen Hitzegewittern und Hagelgefahr.

Prognosen stimmen nicht mit der Realität überein

Bandle erklärte auch, dass Prognosen oft nicht mehr mit der Realität zusammenpassen. „Der Klimawandel geht schneller als gedacht“, sagte er. Die Modelle für die Berechnungen müssten immer öfter angepasst werden. Vor allem Landwirte leiden an den unbeständigen Prognosen. Sie könnten zwar durch die wärmeren Temperaturen früher im Jahr oder neue Kulturen säen, müssten aber gleichzeitig mit dem Risiko für extreme Unwetter und mit Ernteausfällen rechnen.

Der Klimaforscher sieht vor allem erschreckend auf die Tatsache, dass „lokale Wetterereignisse immer brutaler werden“. Oft liegen zwischen Wetterchaos und harmlosem Unwetter nur wenige Kilometer. Auch die Nachrichten würden immer seltener über Extremwetterphänomene, wie Überschwemmungen, berichten. „Es ist schon normal geworden“, gab Bandle traurig zu.

Landjugend kämpft fürs Klima

AK-LÖVE-Frank-Bandle-digital - Screenshot der ZOOM Sitzung

Die AK Löve Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten den Vortrag von Frank Bandle interessiert. Verena Reindl, die Sprecherin des Arbeitskreises, fasste die Eindrücke so zusammen: „Uns wurde erschreckend veranschaulicht, dass es nicht mehr fünf vor zwölf ist, sondern schon mindestens zehn nach zwölf.“ Trotzdem fühlten sich die Landjugendlichen nicht entmutigt: „Frank Bandle hat uns auch gezeigt, dass wir immer noch etwas dagegen tun können“, sieht Reindl optimistisch in die Zukunft. Der AK Löve will seine Energie nun noch intensiver in das laufende KLJB-Projekt „Hitzefrei – Auszeit für die Erde“ stecken. Der AK Löve will seine Energie nun noch intensiver in das laufende KLJB-Projekt „Hitzefrei – Auszeit für die Erde“ stecken. Damit wollen sie zum Klimaschutz mit Bildungsarbeit motivieren, ihn in der Politik voranbringen und selbst praktisch umsetzen.

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