Ausbildung

Berufsschule trotz Corona?

Ein Mädchen sitzt am Küchentisch mit Kopfhörern und verfolgt den Unterricht via Laptop. Daneben schreibt sie in ein Arbeitsheft.
Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Samstag, 02.01.2021 - 08:05

Der Berufsbildungsausschuss tauscht sich über die Lage an den Berufsschulen aus und beschließt Änderungen der Prüfungsordnung.

Die Corona-Pandemie hat die Ausbildung in den Grünen Berufen in Bayern ziemlich durcheinandergewirbelt. Überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen konnten nicht stattfinden und auch der Unterricht an den Berufsschulen lief nicht wie gewohnt. Um sich über diese aktuellen Probleme zu informieren und sich bayernweit und ausbildungsübergreifend auszutauschen, tagte vergangene Woche der Berufsbildungsausschuss (BBiA). Die Sitzung fand als Online-Konferenz statt.

Corona-Situation an den Berufsschulen

Die zugeschalteten Lehrer der Berufsschulen waren sich einig: Die Situation im zweiten Lockdown haben die Berufsschulen besser meistern können als im ersten Lockdown. Die Erfahrungen aus der Zeit im Frühjahr konnte also genutzt werden. In den meisten Fällen würde die Distanz-Beschulung mithilfe digitaler Besprechungs-Tools funktionieren, „aber nur deshalb, weil sowohl Schüler als auch Lehrer privates Equipment zur Verfügung stellen“, machte Studiendirektor Florian Schirutschke von der Berufsschule Kempten deutlich. Walter Kissling, stellvertretender Vorsitzender des Gremiums, hatte zu Beginn der Tagung um die Eisnschätzung gebeten.

Doch diese Form des Unterrichts könne die Präsenz in den Schulen keinesfalls ersetzen – auch in diesem Punkt waren sich die Berufsschullehrer einig. Theorie lasse sich so vermitteln, Praxis jedoch überhaupt nicht. „Es ist außerdem sehr arbeitsaufwendig, das Unterrichtsmaterial an den Online-Unterricht anzupassen“, schilderte Oberstudienrätin Marion Ramgraber von der Berufsschule Regensburg die Situation. Im Namen des gesamten BBiA dankte Kissling den Lehrern an den Berufsschulen schließlich für ihr großes Engagement in diesen schwierigen Zeiten.

Änderungen in der Prüfungsordnung

In einem weiteren Tagesordnungspunkt präsentierte Reiner Luber, Geschäftsführer des BBiA, dem Gremium eine Beschlussvorlage zur Änderung der Prüfungsordnung Berufsbildung – Landwirtschaft und Hauswirtschaft (LHBPO).

  • Hintergrund ist folgender: Das bundesweit geltende Berufsbildungsgesetz (BBiG) wurde Anfang dieses Jahres geändert. Praktische Prüfungen müssen ihm zufolge nun von einer Prüferdelegation, bestehend aus mindestens drei Mitgliedern, abgenommen werden. Die derzeitige Fassung der Prüfungsordnung berücksichtigt den Einsatz dieser Prüferdelegationen nicht, die Anpassung muss aber zwingend erfolgen.
  • Außerdem schlägt das StMELF vor, einzelne Vorschriften der LHBPO, bei denen sich in der Praxis Auslegungsfragen aufgetan haben, umzuformulieren oder neu zu fassen, damit sie besser und einheitlicher angewendet werden können. Dies betrifft zum Beispiel die Paragrafen über Täuschungshandlungen und Ordnungsverstöße oder über Rücktritt und Nichtteilnahme an Prüfungen.

Der Beschlussvorschlag zur Änderung der LHBPO wurde vom Berufsbildungsausschuss einstimmig angenommen. Aus rechtlicher Sicht wurde die neue Prüfungsordnung bereits geprüft und durch die Staatskanzlei freigegeben. Das Inkrafttreten ist im ersten Quartal 2021 geplant.

Neue Abschlussbezeichnung "Bachelor Professional"

Zudem informierte Luber das Gremium über die neuen Abschlussbezeichnungen, die im neuen BBiG eingeführt wurden, zum Beispiel „Bachelor Professional“ für Fortbildungen. Diese Bezeichnung soll in Abschlusszeugnissen an zweiter Stelle stehen. Der zweite Titel kann für Absolventen ein Vorteil bei der Bewerbung sein.

In den Schulordnungen von Fachschulen wie Landwirtschaftsschulen oder Höheren Landbauschulen wurde dies bereits angepasst und die neuen Berufsbezeichnungen werden künftig verwendet: Beispielsweise nach dem Titel „Staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt“ wird dann „Bachelor Professional“ eingefügt.

Der Titel „Bachelor Professional“ kann auch den Absolventen von Meisterprüfungen zustehen. Dazu müssen aber zunächst die Meisterprüfungsverordnungen auf Bundesebene geändert werden. In dem Zusammenhang würde man aber möglicherweise auf die bisher obligatorische zweijährige Berufspraxis bei der Meisterprüfungszulassung verzichten müssen. Hierzu will sich der BBiA in der nächsten Sitzung beraten.

Neuer Abteilungsleiter am STtMELF für Bildung und Beratung

Des weiteren stellte sich Dr. Maximilian Wohlgschaft kurz dem Gremium vor. Der 57-Jährige ist seit Anfang Juli Abteilungsleiter Bildung und Beratung im StMELF. Wohlgschaft leitete bisher die Abteilung Förderung und Zahlstelle im Ministerium.

Abschließend berichteten die Mitglieder der Unterausschüsse Milchwirtschaft, Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Gartenbau aus ihrer Sitzungen.

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