Milchviehhaltungsbetrieb Oberpfalz

Ausbildungsdevise: Klare Kommunikation

Ausbildung-Mosandl-Stall
Peter Budig
am Freitag, 25.09.2020 - 11:14

Der Oberpfälzer Landwirt und Rinderzüchter Martin Mosandl legt bei der Ausbildung Wert darauf, dass seine Lehrlinge bald selbstständig arbeiten.

Bildung soll Schöpfer hervorbringen.“ Dieses Motto des Schweizer Psychologen Jean Piaget drückt aus, was Martin Mosandls Ausbildungsziel ist. Deshalb wählt der Landwirt vorwiegend junge Menschen als Lehrlinge, die später als selbstständige Betriebsleiter arbeiten wollen. „Wir hatten bisher 17 Azubis, davon zwei Frauen“, rechnet Mosandl nach. „Wir haben fast nur gute Erfahrungen gemacht.“

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Der Betrieb der Mosandls liegt in Ottmaring bei Dietfurt (Lks. Neumarkt i. d. Oberpfalz), direkt am Donaukanal. Das Ausbilderehepaar Martin und Lucia Mosandl, beide um die 40, wohnt mit seinen drei Kindern Quirin, Mathilda und Moritz in einem eigenen Haus. Auf dem Hof selbst lebt das Betriebsleiterehepaar Josef und Elisabeth Mosandl, beide um die 60, gemeinsam mit dem jeweiligen Auszubildenden. „Bei uns ist Platz, die Jungen sind ja draußen“, betont Elisabeth Mosandl. Zum Betrieb gehören etwa 160 ha Land, 30 ha Grünland, 130 Milchkühe, 40 Kälber und etliche ausgesuchte Zuchtbullen.

Die Rinderzucht ist das Alleinstellungsmerkmal des Hofes – Martin Mosandl ist ein bayernweit anerkannter Experte. Ein Ausnahme-Zuchtbulle wie Villeroy, der 2014 auf den Markt kam, erbrachte 26 000 €. „Zucht ist Denken in Generationen“, erläutert Martin Mosandl. Seine Mutter wirft ein: „Martin hat schon mit zwölf Jahren angefangen, sich für die Zucht von Kälbern zu interessieren. Er ist zu jeder Schau gefahren und hat dort alle ausgefragt.“ Diese Klarheit und Vorgehensweise hat System, auch in anderen Lebensbereichen. „Die Ausbildung hier ist eine Charakterstelle“, betont er. Charakter brauche es dabei von beiden Seiten. Das ist sein Prinzip der Ausbildung zum Landwirt.

Der aktuelle Auszubildende Michael Geisler, 18 Jahre jung, kommt von einem Zuchtbetrieb aus Nittenau bei Schwandorf, den er auch übernehmen will. Es ist sein letztes Lehrjahr. Den Kontakt des Lehrlings zu seinem Ausbilder hat ein Mitarbeiter des Vertriebs der niederländischen Firma Lely hergestellt, die den Melkroboter für beide Betriebe geliefert hat. Die Arbeitswoche des Auszubildenden dauert von Montag bis Donnerstag, Freitag ist Berufsschultag, am Wochenende fährt er nach Hause. Auch dort ist er in den landwirtschaftlichen Alltag eingebunden.

Erst Kennenlernen und Probearbeiten

Das Vorgehen der Mosandls bei der Anstellung der Lehrlinge hat sich seit Jahren bewährt: Nach der Bewerbung werden die ausgewählten Kandidaten zum Kennenlernen eingeladen, dann dürfen sie drei bis fünf Tage lang Probearbeiten. „Dabei wird geklärt, was wir verlangen und was wir bieten. Dann wissen beide Seiten meist schon, ob das was wird“, verrät der Landwirt sein Konzept.

Dazu gehört auch, die Arbeitszeit zu klären: „Das ist eine Ausbildung für spätere landwirtschaftliche Unternehmer“, sagt Mosandl bedächtig. Seine Frau Lucia nennt das Kind beim Namen: „Die Arbeit geht sich in manchen Phasen mit acht Stunden einfach nicht aus. Man fängt früh an und kann um fünf Uhr nicht aufhören und alles liegen lassen. Wenn der Auszubildende was lernen will, muss er dabei sein.“ Als Ausgleich für die Mehrarbeit können sich die Lehrlinge allerdings die Überstunden jederzeit zeitnah ausgleichen lassen. „Eines darf man nicht vergessen: Ich zahle auch mit Know-how“, erklärt Martin Mosandl und sein aktueller Lehrling nickt.

Fördern und viel für den weiteren Weg mitgeben

Dies bestätigt der ehemalige Azubi Michael Artmann, der inzwischen selbst als Landwirt auf dem elterlichen Betrieb arbeitet. „Ich wurde in der Ausbildung total gefördert und konnte sehr viel mitnehmen. Martin hat mir alles super erklärt, beispielsweise, wie sich die Generationeneinflüsse bei der Zucht detailliert auswirken.“ Besonders wertvoll sei für ihn gewesen, dass der Ausbilder über ein großes praktisches Wissen verfüge.

„Martin kennt jede zuchtrelevante Kuh und ihre Eigenschaften, er weiß über die Vorzüge von ihren Eltern Bescheid und hat das alles im Kopf parat“, schwärmt Michael Artmann. So entstehe mit der Zeit auch im eigenen Kopf ein Bild. Auch Senior Josef Mosandl sei solch ein Experte, im Pflanzenbau. „Ich hatte quasi zwei Super-Ausbilder, das war extrem cool!“ Martin Mosandl habe ihm außerdem immer klare Arbeitsanweisungen gegeben und erklärt, warum die Arbeit genau so gemacht werden müsse. „Nach dem Erklären musste ich es allerdings auch so machen. Genauso. Nicht irgendwie wischi-waschi“, schmunzelt der ehemalige Azubi. Konflikte gab es während der Ausbildung nicht, dafür aber deutliche Ansagen. „Martin hat mich immer absolut korrekt behandelt. Er ist einfach ein Vorbild!“

Lehrlinge zu Selbstdenkern ausbilden

Der Landwirt will seine Lehrlinge zu „Selbstdenkern“ ausbilden und verfolgt dabei ein klares Konzept: „Am Anfang der Ausbildung muss man schon bevormundend sein!“ Man müsse dem Lehrling ganz klar sagen, wie die Arbeit erledigt werden soll und genau hinsehen, dass sie auch so gemacht wird. Dann, möglichst früh, solle der Azubi immer mehr eigenständig arbeiten. „Ziel ist, dass er den Stall recht bald alleine hinkriegt. So um Weihnachten muss das laufen“, so Mosandl. Der neue Auszubildende Michael Geisler hat die erste Hürde nach gut einem Monat schon genommen. „Ich hab kürzlich die erste Kuh für die Auktion hübsch gemacht.“

Neben der Arbeit im Stall gibt es für die Auszubildenden auf dem Hof auch sonst viel zu lernen. Ein Highlight für die Lehrlinge ist, die großen Silierkipper zu fahren, das zeigt gleichzeitig das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird. Nach der Ernte steht der Ackerbau im Vordergrund, den der Senior Josef Mosandl leitet. Neben der Wintergerste als Futtergetreide werden Winterweizen und Braugerste als Marktfrüchte auf den Feldern angebaut. Hier sind die Lehrlinge von der Aussaat bis zur Ernte immer mit dabei. Dazu gehört auch der monatliche Ackerbau-Stammtisch. Hier holen sich die Mosandls und weitere Berufskollegen aus der Gegend einen Ackerbauprofi, um die Bestände und ihre Anbaustrategie zu optimieren.
Und schließlich gibt die Ausbildung dem Landwirt auch etwas zurück: Kürzlich fuhr Martin Mosandl auf eine Jungzüchterschau und nahm zwei ehemalige Azubis mit, vor Ort trafen sie drei weitere. Es gab ein großes Hallo. „Da war ich natürlich stolz, dass ich meine Begeisterung für die Zucht weitergeben konnte“, freut sich Mosandl.