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Grüne Berufe

Ausbildung Milchtechnologe: Ein Leben für die Milch

Ausbildung-Milchtechnologe-Johannes-Julia: Zwei junge Leute stehen an einem Edelstahltisch. Sie tragen einen weißen Kittel und eine Haarnetz. In der Hand halten sie je einen großen gelben, runden Käse.
Anja Kersten
am Montag, 30.05.2022 - 09:40

Milchtechnologen stellen aus Milch Käse, Butter oder Joghurt her. Warum diese Ausbildung Spaß macht und was man dabei lernt, erzählen zwei junge Leute.

Die Milch ist für Johannes Weiß und Julia Schön ein ganz besonderer Rohstoff. Nicht nur, weil sie beide auf einem Bauernhof mit Milchviehhaltung aufgewachsen sind, sondern auch, „weil man so viele unterschiedliche Produkte daraus machen kann“, wie sie begeistert betonen. Ihre Leidenschaft für das Produkt hat sie zu ihrem Beruf als Milchtechnologe und Milchtechnologin geführt.

Handwerkliches Geschick ist im Berufsalltag gefragt

„Auf unserem Hof wurde schon immer ein Teil unserer Milch zu Käse für den Eigenbedarf verarbeitet“, erzählt Johannes, der aus Schliersee (Lks. Miesbach) kommt. Wie aus der Milch Käse wird, das hätte ihn schon als Kind fasziniert. Nach einem Praktikum in der Käserei stand sein Berufswunsch schnell fest: Milchtechnologe. Jetzt ist der 18-Jährige im dritten Ausbildungsjahr bei der Naturkäserei Tegernseer Land. Diese mittelständische, handwerklich-verarbeitende Käserei hat etwa 44 Mitarbeiter. Johannes lernt dort das, was er schon immer machen wollte: Er stellt aus Milch Käse wie Schnittkäse, Hartkäse und Weichkäse her.

Den Kessel ausdämpfen, die Milch erwärmen, mit der Kultur vorreifen, mit Lab dicklegen, den Bruch schneiden, formen und pressen – all das zählt zu seinen täglichen Aufgaben. „Es ist das Handwerkliche an meinem Beruf, das mir gefällt“, sagt er über seine Arbeit in der Käserei. Wenn er am Ende des Tages einen Laib Käse in der Hand habe, den Hartkäse im Reifekeller schmiere und wende, dann „weiß ich, was ich geschafft habe“, fügt er hinzu. Angesprochen auf die körperliche Herausforderung, ergänzt er mit einem Lachen: „Ins Fitnessstudio muss ich am Abend nicht mehr gehen.“

Die Liebe zur Milch entstand schon in der Kindheit auf dem Bauernhof

Julia Schön, 25, aus Eschach (Lks. Oberallgäu) erzählt aus ihrer Kindheit Ähnliches, nur mit dem Unterschied, dass ihre Mutter aus der hofeigenen Milch Quark gemacht hätte. Nach dem Abitur suchte Julia einen Beruf, in dem sie ihre Vorliebe für die Milch, körperliche Arbeit und Technisches verbinden konnte. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Milchtechnologin bei der Firma Edelweiss in Kempten, die sie vor zwei Jahren abschloss.

Die Firma Edelweiß ist ein Milchverarbeiter mit etwa 450 Mitarbeitern. Zu Julias Aufgaben während ihrer Ausbildung gehörten die Milchannahme, die Weitverarbeitung, Abfüllung und Herstellung in einem modernen Käsewerk. Ihr gefiel besonders das Technische an ihrem Beruf. Zurzeit macht sie die zweijährige Fortbildung zur Molkereitechnikerin an der Technikerschule im Kempten.

„Die Bandbreite dieses Ausbildungsberufes und auch die Tätigkeitsfelder sind groß. Das zeigen schon allein die beiden Beispiele von Johannes und Julia“, erläutert Florian Schirutschke, Leiter der Abteilung Milchtechnologie an der Berufsschule. Je nach Ausbildungsbetrieb kann man seinen eigenen Schwerpunkt legen, egal, ob man nun das Handwerkliche an dem Beruf mag oder eher Spaß an der Technik hat.

Ausbildung mit Spezialisierung - je nach Molkerei

Johannes-Weiß-Milchtechnologe: Ein junger Mann in weißem Kittel, Haarnetz und weißen Gummistiefeln hantiert an einem großen Rohr aus Edelstahl.

Elementar in der Ausbildung bleibt aber immer das Wissen um das Produkt Milch, seine Inhaltsstoffe und den Prozess. Auch, wenn man die Milch in modernen Anlagen verarbeitet und dabei Maschinen bedient – wie in Julias Ausbildung. Umgekehrt lernt auch Johannes an der Berufsschule im Kempten wie man Anlagen wie einen Koagulator, eine UHT-Anlage oder eine Trockenturm steuert.

Wegen ihrer Spezialisierung können die Molkereibetriebe ihren Lehrlingen bestimmte Ausbildungsinhalte nicht oder nur unzureichend vermitteln. „Dafür gibt es die überbetrieblichen Lehrgänge, die immer blockweise am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Molkereiwirtschaft in Kempten stattfinden“, ergänzt Dr. Tobias Langer, der dieses Zentrum leitet.

Was kommt nach der Ausbildung?

Nach der Ausbildung stehen Milchtechnologen und Milchtechnologinnen viele Wege offen: entweder die Anstellung in einem Betrieb oder die Fortbildung zur Molkereimeisterin bzw. zum Molkereimeister sowie zur Molkereitechnikerin bzw. zum Molkereitechniker. Beide Fortbildungen werden in Kempten angeboten (siehe unten); die Fachschulen sind angegliedert an das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Molkereiwirtschaft.

Julia hat sich für die zweijährige Vollzeit-Fortbildung zur Molkereitechnikerin in Kempten entschieden. „In ganz Europa ist das die einzige Technikerschule, die die Fachrichtung Milch anbietet“, erzählt sie. Mit der Fortbildung verbessert sie nicht nur ihre Aufstiegschancen, sondern auch ihr künftiges Gehalt. „48 000 € und mehr als Brutto-Jahresgehalt sind dann auch für Berufsanfänger realistisch“, weiß Dr. Tobias Langer von seinen Absolventinnen und Absolventen.

Milchtechnologen sind stark nachgefragt

Für Julia ist aber noch ein anderer Punkt wichtig: „Ich möchte einen Beruf, mit dem ich auch im Allgäu gute Berufschancen habe und hier bleiben kann“, sagt sie. Das wird nicht schwer sein, dann sowohl Milchtechnologen als auch Techniker oder Meister sind in Molkereien im Allgäu als auch in ganz Bayern gesucht, wissen Dr. Langer und Schirutschke. „Auch wir haben bei der Ausbildung zum Milchtechnologen noch Plätze in der Berufsschule frei“, fügt Schirutschke hinzu. Sogar noch für diesen Herbst würden in manchen Molkereien noch Auszubildende gesucht.

Johannes wird im September seine Ausbildung zum Molkereitechnologen erfolgreich abschließen. Und was sind seine Zukunftspläne? Es überrascht nicht, als er sagt: „Irgendwann möchte ich meine eigene Hofkäserei haben.“

Im Überblick: Ausbildung zum Milchtechnologen

  • Dauer: Die Ausbildung zum Milchtechnologen, zur Milchtechnologin (früher: Molkereifachmann, Molkereifachfrau) dauert drei Jahre. Eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung, Abitur, Fachabitur und gute Leistungen in der Zwischenprüfung können die Lehrzeit verkürzen.
  • Inhalte: Neben der Praxis im Ausbildungsbetrieb und dem Unterricht in der Berufsschule wird das Wissen und Können in überbetrieblichen Lehrgängen vertieft. Tätigkeiten sind beispielsweise Milchannahme und -kontrolle, Weiterverarbeitung der Milch zu unterschiedlichen Produkten, mikrobiologische Untersuchung, Abfüllung und Verpackung der Milchprodukte, Bedienen technischer Anlagen sowie Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten. Die Berufsbeschulung ist an der Berufsschule in Kempten.
  • Fortbildung Wirtschafter Milchwirtschaft und Molkereiwesen: Im Anschluss an die Ausbildung kann man an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Kempten die Fortbildung zum Staatlich geprüften Wirtschafter, zur Wirtschafterin, Fachrichtung Milchwirtschaft und Molkereiwesen machen. Gleichzeitig darf man mit dem erfolgreichen Abschluss die Berufsbezeichnung „Bachelor Professional in Agrarwirtschaft“ führen. Die Fortbildung umfasst zwei Semester in Vollzeitform von Mitte September bis Juli des folgenden Jahres. Die Fachschule bereitet in einem Lehrgang auf die Molkereimeisterprüfung vor. Diese kann abgelegt werden, wer mindestens 24 Monate Praxiszeit vor Eintritt in die Fachschule vorweist.
  • Fortbildung Staatlich geprüfter Techniker für Milchwirtschaft und Molkereiwesen: An der Staatlichen Technikerschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung Milchwirtschaft und Molkereiwesen kann man in zwei Jahren Vollzeitunterricht den staatlich geprüften Techniker für Milchwirtschaft und Molkereiwesen und „Bachelor Professional in Agrarwirtschaft“ machen. Voraussetzung neben einer einschlägigen Ausbildung sind mindestens 12 Monate Berufspraxis. Nach Abschluss haben die Studierenden die Ausbildereignung und die Berechtigung, an der Hochschule, z. B. Hannover-Ahlem, Fachbereich Bioverfahrenstechnik zu studieren. Mit einer Zusatzprüfung in Englisch kann man sogar die allgemeine Fachhochschulreife erwerben.
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