Berufswahl

Ausbildung zum Forstwirt: Der Funke muss überspringen

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Interview: Peter Hofweber, WBS Kelheim
am Donnerstag, 25.06.2020 - 15:15

Man muss selbst für den Wald brennen, damit der Funke der Begeisterung auf den Azubi überspringen kann, sagt Norbert Fischer. Seit 2017 bildet er an der FBG Kaufbeuren Forstwirte aus – ein Einzelfall der Schule machen könnte.

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Dass Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse wie Waldbesitzervereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften junge Forstwirte ausbilden, ist bisher noch eine Ausnahme. Um zu erfahren, weshalb sich eine Ausbildung auch für diese Einrichtungen lohnt und welche Motivation dafür vorhanden ist, haben wir mit Norbert Fischer gesprochen. Er ist Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kaufbeuren, die 2017 in die Forstwirtsausbildung eingestiegen ist.

Wochenblatt: Herr Fischer, was hat die FBG Kaufbeuren bewogen, Forstwirte auszubilden?

Fischer: Das Umdenken der „Waldgestaltung durch die Klimaveränderung“ führt zwangsläufig zu veränderten Zielen in einer umfangreicheren Art der Waldbewirtschaftung. Dazu brauchen wir zusätzlich zu unseren Forstdienstleistern zunehmend auch eigenes Personal mit umfassenden Kenntnissen und Fähigkeiten. Zudem müssen wir eine stetig wachsende Zahl an Waldpflegeverträgen zeitnah mit Dienstleistungen bedienen.

Wochenblatt: Wer bildet bei Ihnen die Lehrlinge aus?

Fischer: Die Ausbildung teile ich mir mit einem Kollegen, aber auch die anderen Kollegen/innen der FBG übernehmen immer wieder mal ein Projekt. Außerdem bieten wir für unsere Mitglieder und die Öffentlichkeit ein umfangreiches Schulungsangebot an, an dem auch unsere Auszubildenden teilnehmen. Dazu zählen beispielsweise der einfache Motorsägenkurs, ein Starkholzkurs oder der Seilwindenkurs. Hinzu kommen verschiedene Lehrfahrten.

Wochenblatt: Welche Vorteile hat Ihr Betrieb durch die Ausbildung?

Fischer: Unser vorrangiges Ziel ist es, den Bedürfnissen unserer Mitglieder dadurch zeitnah nachzukommen. Wir werden flexibler und können umfangreicher auf die wachsende Nachfrage nach Dienstleistungen reagieren.

Wochenblatt: Schränkt die Ausbildung ihren Betrieb ein?

Fischer: Natürlich ist es eine Umstellung von bisherigen Strukturen.Das bringt eine intensivere Planung und zum Teil auch für den Einzelnen aus der Organisationsebene eine höhere Belastung mit. Aber jede Überarbeitung der Struktur bringt auch wieder die Chance für eine Verbesserung im Ablauf. Und diese Chance haben wir genutzt. Beispielsweise gibt es jetzt für jeden einzelnen Auftrag einen ordentlichen schriftlichen Arbeitsauftrag mit Rettungspunkt und Gefährdungsbeurteilung. Das bringt enorme Vorteile im Arbeitsalltag, bei der Organisation und der Auftragsüberwachung.

Wochenblatt: Wenn Sie alle Argumente in die Waagschale werfen, lohnt sich dann für Sie der Aufwand des Ausbildens?

Fischer: Eine Investition in junge Menschen lohnt sich immer. Da wir jedoch weder eine staatliche noch körperschaftliche Stelle sind, sollte sich der Aufwand der Ausbildung aus dem laufenden Betrieb tragen. Wir wollen die Ausbildung gut gestalten und unsere Azubis auch gut ausstatten. Das kostet natürlich Geld,welches über die Ausbildungszeit von drei Jahren nicht wieder komplett reingewirtschaftet wird. Aber wir haben den Weg je gewählt, um später gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung zu haben. Und ganz ehrlich, es ist auch eine persönliche Bereicherung wieder aktiv mit jungen begeisterungsfähigen Menschen im grünen Beruf zu arbeiten. Trotzdem wäre eine finanzielle Förderung eine wohltuende Erleichterung.

Wochenblatt: Mit welchem Schulabschluss kommen die Azubis zu Ihnen? Haben Sie eine spezielle Zielgruppe?

Fischer: Nahezu jeglicher Schulabschluss ist möglich, ideal sind Mittel- bis Realschulabschluss. Besonders wichtig ist aber die Freude und der Wille an einer auch körperlich anspruchsvollen Tätigkeit, auch bei ungünstiger Witterung.

Wochenblatt: Und was machen die Lehrlinge nach der Ausbildung?

Fischer: Vorrangig wollen wir erst einmal für unseren Eigenbedarf ausbilden. Wir haben den Gedanken aber auch schon mal mit anderen Akteuren aufgegriffen, gegebenenfalls übergreifend als Ausbildungsstätte zu agieren. Das allerdings ist momentan noch Zukunftsmusik, könnte aber eine Lösung sein. Denn einerseits hat nicht jeder Betrieb die Möglichkeit in die Ausbildung einzusteigen und andererseits gibt es, gemessen am Bedarf, zu wenige Ausbildungsbetriebe.

Wochenblatt: Und was würden Sie denjenigen, die in die Ausbildung einsteigen möchten, mit auf den Weg geben?

Fischer: Wichtig ist, eine Grundauslastung an verschiedenen Tätigkeiten zu haben. Aber nicht zwingend zu 100 Prozent zu Beginn, weil sich vieles im Weiteren ergeben wird. Außerdem sollte klar sein, wer zuständig ist und die Ausbildung leitet und begleitet. Außerdem muss man selbst für die Arbeit im Wald „brennen“, damit sich der Funke und die Begeisterung übertragen. Mann muss einfach ein motiviertes Vorbild sein.

Kurse an der Waldbauernschule

  • Zukunftswald gestalten, 5.8.–6.8.20
  • Grundkurs Baustein 2 Waldverjüngung und Holzvermarktung, 10.8.–14.8.20
  • Grundkurs Baustein 3 Ergänzung, 17.8.–21.8.20
  • Grundsätze der Nadelholzbewirtschaftung, 30.9.20
  • Grundsätze der Laubholzbewirtschaftung, 1.10.20

Anmeldung unter Telefon 09441-6833-0 oder online unter www.waldbauernschule.de.

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