Videoaktion

Arge Landjugend will die junge Nachfolge sichern

Links zwei grüne Logos, rechts neun Screenshots aus Youtube-Videos bei dem je eine Person zu sehen ist.
Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Mittwoch, 25.08.2021 - 15:00

Arbeitsgemeinschaft der Landjugend startet die "Videoaktion Stabwechsel" zu den Verbandswahlen im Bayerischen Bauernverband.

Am 15. September starten die Verbandswahlen des Bayerischen Bauernverbands (BBV) auf Ortsebene. Danach folgen im Zeitraum bis ins Frühjahr 2022 die Wahlen auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene mit der Landesbäuerin und dem Bauernpräsidenten. Gewählt wird alle fünf Jahre, somit erstreckt sich auch die Amtsdauer aller Organe des Verbandes über diese Dauer.

Landjugendverbände wollen BBV verjüngen

Besonders spannend bei den BBV-Wahlen ist dieses Mal: Präsident Walter Heidl wird nicht mehr kandidieren. Er sieht seine Entscheidung auch als persönlichen Beitrag zur Verjüngung des Verbandes. Die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Landjugend im BBV (Arge Landjugend) nimmt sich dieser Mission an. Die drei bayerischen Landjugendverbände Evangelische Landjugend, Katholische Landjugendbewegung Bayern und Bayerische Jungbauernschaft wollen zusammen mit ihrer „Aktion Stabwechsel“ junge Nachfolger für die insgesamt 26 000 neu zu besetzenden Ämtern motivieren.

Im Rahmen der Aktion rufen Ehrenamtliche und Landjugendliche in zehn Videos dazu auf, sich an den Verbandswahlen zu beteiligen oder sich sogar selbst als Ortsobmann und Ortsbäuerin in einem der 6700 Ortsverbänden aufstellen zu lassen. Die Videos dauern jeweils etwa eine Minute. Die Teilnehmer erzählen in den kurzen Videobeiträgen von den vielfältigen Aufgaben in ihren Ämtern und erklären, warum es wichtig ist, dass sich noch mehr junge Leute und auch Frauen für den Berufsstand engagieren. Unter anderem haben auch Teresa Fenzl, Stefan Rothlehner und Andreas Wolfrum an der Aktion mitgemacht.

Diese Kompetenzen sollte man mitbringen

Zur Wahl aufstellen lassen kann sich jeder, der Interesse an Themen hat, die für die Menschen auf dem Land und in der Landwirtschaft relevant sind. Außerdem sollte man kommunikativ sein und mit neuen Medien umgehen können.

Zudem sollte man aus einem landwirtschaftlichen Betrieb leben, diesen führen, Hofnachfolger sein oder von einer Bauernfamilie abstammen. Der Betrieb muss Mitglied im BBV sein. Zuletzt sollte man Freude am Ehrenamt und Lust dazu haben, die Zukunft seines Ortsverbandes konstruktiv und kritisch mitzugestalten. Ansprechpartner für eine Bewerbung ist die jeweilige regionale BBV-Geschäftsstelle.

Es geht um unsere Zukunft!

Das Wochenblatt hat bei drei Ehrenamtlichen aus der Videoaktion noch einmal genauer nachgefragt. Sie berichten, warum sie sich engagieren, welche Erfahrungen sie innerhalb ihrer ersten Wahlperiode gesammelt haben und welche Tipps sie für Interessierte haben.

Ein Porträt eines jungen Mannes er steht mit verschränkten Armen am Maisfeldrand. Er hat rötliche Haare, trägt eine Brille, ein braun, weißes T-Shirt und eine dunkelblaue Hose.

Stefan Rothlehner, stellvertretender Kreisobmann im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau:

„Der Bauernverband ist sowas wie eine Gewerkschaft für uns Bauern. Dadurch bekommen wir die Chance, unsere Stimme in Politik und Gesellschaft einzubringen. Ich möchte meine Zukunft selber mitbestimmen und engagiere mich deshalb als Orts- und Kreisobmann. Es ist wichtig, dass sich auch junge Leute einbringen. Die Vorstandschaft lebt einfach von verschiedenen Betriebszweigen und Altersstrukturen: Der Junge lernt vom Alten und andersherum. Was mir am meisten Spaß macht, sind Gespräche mit Politikern, egal ob auf Orts- oder Landesebene. Außerdem ist es schön, im Team zusammenzuarbeiten. Man lernt auch Leute und Landwirte kennen, die man sonst nie kennengelernt hätte. Das Netzwerk an sich ist schon der Wahnsinn. Wer sich auch als Orts- oder Kreisobmann aufstellen lassen möchte, sollte kommunikativ sein und sich auch vor Leuten reden trauen. Unerlässlich ist in der heutigen Zeit der Umgang mit den sozialen Medien. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass man seine Meinung nicht immer mit Gewalt durchdrücken kann und hin und wieder Kompromisse eingehen muss. Man darf aber auch ruhig stolz sein: Ortsobmann ist schon ein ehrenvoller Posten.“

Porträt einer jungen Frau. Sie trägt eine weiße Bluse und blonde Haare im Bobschnitt. Sie lächelt herzlich.

Teresa Fenzl, stellvertretende Kreisvorsitzende des BBV im niederbayerischen Landkreis Regen:

„Es ist das Allerwichtigste, dass man nicht nur als Zuschauer agiert, sondern selbst aktiv wird. Schimpfen ist zwar oft der einfachere Weg, doch um etwas zu ändern, muss man sich schon selbst einbringen. Mein Anliegen ist es zum Beispiel, dass die Situation für Bauernfamilien nicht noch schwieriger wird: Dafür muss man kämpfen! Vor allem junge Leute sollten sich dafür auch engagieren, denn es geht um unsere Zukunft. Wer daheim den Betrieb übernehmen möchte, sollte seine Zukunft nicht in andere Hände legen und stattdessen seine eigene Vision einbringen. Es bleibt trotzdem wichtig, dass immer mehrere Generationen am Tisch sitzen und zusammenarbeiten. Da kommt das beste Endergebnis dabei raus. Es ist auch unabhängig, ob eine Frau oder ein Mann die Position innehat. Es sollte keine Frage des Geschlechts sein, wer geeignet ist, sondern die der persönlichen Einstellung der jeweiligen Person. Wer sich zur Wahl aufstellen lassen will, sollte sich die Aufgaben auch zutrauen und sich in den Gremien etwas sagen trauen, gegebenenfalls widersprechen können und Diskussionen nicht aus dem Weg gehen. Auch wenn man sich manchmal durchbeißen muss, bekommt man immer interessante Einblicke und man profitiert persönlich. Ein Ehrenamt ist eine Bereicherung für einen selbst.“

 

Andreas-Wolfrum-Arge-Ortsobmann-BBV

Andreas Wolfrum, Ortsobmann in Döberlitz und Mitglied im Kreisvorstand des oberfränkischen Landkreises Hof:

„Mir ist es wichtig, dass wir Bauern von der Basis aus aktiv werden. Gerade wir jungen Landwirte sollten nicht nur dastehen und schreien, was getan werden soll, sondern auch was tun und anpacken. Keine Zeit zu haben ist für mich keine Ausrede. Durch meine Arbeit auf Social Media und im Kreisvorstand sehe ich, dass man wirklich was bewegen kann. Bisher sind in vielen Vorstandschaften noch vorwiegend ältere Mitglieder vertreten. Sie haben viel geleistet in ihrem Leben, aber irgendwann braucht es nun einen Stabwechsel. Die ältere Generation sagt ja auch sie wollen abgeben an junge Leute, aber es sind oft keine jungen Leute da. Ich habe bei der Videoaktion der Arge mitgemacht und mein Gesicht gezeigt, um junge Leute auf diesem Weg zu motivieren: Kommt! Los! Macht mit! Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass wir jungen Landwirte Verantwortung übernehmen: Nicht nur für unseren eigenen Betrieb, sondern für die gesamte Landwirtschaft. Ich mache das, indem ich mich für Ämter aufstellen lasse, egal bei welchem Verband oder in welcher kommunalpolitischen Position.“

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