Ausbildung

Agrarstudium - Einstiegsgehälter zu gering

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Ulrich Graf
am Mittwoch, 17.10.2018 - 11:00

Agrarabsolventen sind sehr zufrieden mit ihrem Studium. Doch bemängeln sie eine zu geringe Praxisnähe, eine mangelnde Vermittlung von Softskills und zu niedrige Einstiegsgehälter.

So das Ergebnis der dritten Agrarabsolventenbefragung des VDL-Bundesverband, Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e. V., die am 15. Oktober 2018 in Berlin vorgestellt wurde.

„Die Befragung liefert detaillierte Auskünfte zum Studienverlauf, zur Berufsvorbereitung sowie zum Berufsfeld von Agrarabsolventen. Dadurch lassen sich Maßnahmen zur Optimierung der agrarischen Hochschulausbildung identifizieren“, erläutert der VDL-Präsident Markus W. Ebel-Waldmann das Ziel der Studie.

Die Befragung erfolgte anhand eines Online-Fragebogens, der von einem Team rund um Prof. Dr. Rainer Kühl vom Institut für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft der Justus-Liebig-Universitätt Gießen erstellt und ausgewertet wurde. Insgesamt nahmen 553 Personen von 17 Agrarfakultäten an der Befragung teil.

Hohe Zufriedenheit mit dem Studium

Ihr Studium beurteilen drei Viertel der Befragten als sehr gut oder gut. Neun von zehn Befragten würden ihr Studienfach weiterempfehlen.

Mit dem vermittelten Fachwissen zeigen sich die befragten Absolventen mehrheitlich zufrieden. Jedoch wünschen sich drei Viertel der Universitätsabsolventen mehr Praxisnähe und zwei Drittel mehr Gastvorträge und Lehrbeauftragte aus der Wirtschaft. Die Hälfte der befragten Universitätsabsolventen hält zudem eine stärkere Vermittlung von Softskills für notwendig.

Die (Fach-)Hochschulabsolventen sehen den größten Änderungsbedarf in der Schaffung von mehr Flexibilität bei der Fächerwahl und einer häufigeren Aktualisierung der Lehrinhalte. Direkt nach dem Studium nahmen 38 % der Befragten eine reguläre abhängige Beschäftigung auf, 10 % entschieden sich für ein Aufbaustudium (z. B. Master) und 9 % für eine Promotion. 10 % der Befragungsteilnehmer gaben an, nach dem Studium nicht erwerbstätig und auf Beschäftigungssuche gewesen zu sein.

Ein Drittel der befragten Absolventen, die ihren Berufseinstieg bereits vollzogen haben, tat dies im Bereich der agrarbezogenen Dienstleistung oder Wissenschaft. Jeder Fünfte trat seine erste Stelle in der Landwirtschaft an, etwa ein Viertel in einem der Landwirtschaft vor- oder nachgelagerten Bereich. Etwa jeder zehnte Agrarabsolvent vollzog seinen Berufseinstieg außerhalb des Agribusiness. Bei der jeweiligen Branche handelt es sich bei 71 % der Befragten um die Wunschbranche.

Niedrige Einstiegsgehälter sorgen für Unzufriedenheit

Bis zur Aufnahme ihrer ersten Tätigkeit haben die Befragten nach eigener Angabe zwischen 0 und 500 Bewerbungen versendet. Bei neun von zehn Befragten lag die Anzahl bei 30 oder niedriger. Jeder sechste Befragte, der bereits den Berufseinstieg vollzogen hat erhielt eine Stelle, ohne eine Bewerbung zu schreiben.

Rückblickend empfinden sieben von zehn Befragten die an der Hochschule erworbenen Kenntnisse bezogen auf die Aufgaben im Berufsleben als nützlich, die Einschätzung der übrigen 30 % offenbart jedoch Verbesserungspotenzial.

Insgesamt zeigen sich die Befragten sehr zufrieden mit ihrer aktuellen beruflichen Situation. Ein Kriterium, das vergleichsweise häufig für Unzufriedenheit sorgt, ist jedoch das Einkommen. Wie schon in den Vorgängerstudien sind die angegebenen Gehälter der Befragten relativ niedrig. Drei Viertel der Befragten erhielten zu Beginn weniger als 40.000 € brutto jährlich.

Knapp ein Drittel der Befragten (31 %) fühlte sich bei Antritt der ersten Stelle überfordert. Jeder dritte (35 %) musste Qualifikationsdefizite feststellen. Ebenso viele litten unter Stress, Termindruck und Arbeitsüberlastung. 31 % der Befragten gaben
an, Probleme dabei gehabt zu haben, Beruf und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen.